SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz e.V.

UNESCO-Welterbeantrag 

"SchUM-Städte"

Sie waren einst bedeutende Stätten jüdischer Gelehrsamkeit: die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Als solche verfolgen sie unter dem Motto "SchUM-Städte am Rhein – Jüdisches Erbe für die Welt", gemeinsam mit den Jüdischen Gemeinden und dem Land Rheinland-Pfalz, die Anerkennung als UNESCO-Welterbe.

Aufnahme in deutsche Vorschlagsliste

Im Jahr 2004 beschlossen die Städte Speyer, Worms und Mainz gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Mainz, sich mit den für das Judentum bedeutenden SchUM-Stätten (mittelalterliche Synagogen, Ritualbäder, Friedhöfe) um die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste zu bewerben.
Im „Raschi-Jahr“ 2005 wurde die Wormser Initiative bekräftigt und nach intensiver Prüfung und Abstimmung mit den beteiligten Städten hatte der damalige Ministerpräsident Kurt Beck den Vorschlag 2006 in sein Regierungsprogramm aufgenommen.

Bei der Konferenz der Kultusminister wurde im Herbst 2012 die Aufnahme des SchUM-Projektes in die deutsche Vorschlagsliste beantragt. 2014 hatten die SchUM-Stätten die erste Hürde geschafft: Zusammen mit acht weiteren Vorschlägen wurden sie vom Land zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes angemeldet. Dabei nehmen die SchUM-Stätten in der Reihenfolge Platz 5 ein. Rheinland-Pfalz wird im Januar 2020 dem Welterbekomitee einen umfangreichen Antrag überreichen. Über die endgültige Aufnahme in die Welterbeliste entscheidet die UNESCO voraussichtlich ein Jahr später.

Bewahrung, Tourismus und Vermittlung, ein Austausch zu Fragen der Beziehungen zwischen Kulturen und Religionen und die Auseinandersetzung mit jüdischen Traditionen und jüdischer Gelehrsamkeit in ihrer Bedeutung auch für die Gegenwart werden intensiviert, sollten die SchUM-Stätten Welterbe werden.

Erläuterungen / Begriffsbestimmungen

Aschkenasim - (deutsch: Aschkenasen)
Hebräische Selbstbezeichnung von West- und Ostjuden, die eine gemeinsame religiöse Tradition und Kultur verbindet. (Quelle: wikipedia)

SchUM-Städte: die drei Jüdischen Zentren am Rhein - Mainz, Speyer und Worms
Die jüdischen Gemeinden in den mittelrheinischen Städten Speyer, Worms und Mainz bildeten im Mittelalter einen Verbund, der die Kultur, Religion und Rechtsprechung der mittel- und osteuropäischen jüdischen Diaspora zutiefst prägte. Das Akronym SchUM als Bezeichnung für diesen Verbund setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, auf Latein zurückgehenden hebräischen Städtenamen zusammen:

Schin (Sch) für Schpira = Speyer
Waw (U) für Warmaisa = Worms
Mem (M) für Magenza = Mainz

SchUM ist jedoch weit mehr als eine Abkürzung und es ist nicht nur Geschichte. SchUM ist ein Begriff am Rhein und in der Welt. In den Städten entstanden seit dem 11. Jahrhundert bedeutende Talmudschulen. Steinerne Zeugnisse der wichtigen Epoche – Synagogen, Friedhöfe und Ritualbäder – sind erhalten bzw. archäologisch gesichert.

Untrennbar mit diesen einzigartigen Räumen jüdischer Tradition ist das immaterielle jüdische Erbe von SchUM verwoben: Gelehrsamkeit, Thora-Kommentare, liturgische Dichtungen, Alltagsbräuche, Mythen. SchUM ist auch jüdische Gegenwart.

Höchste Autorität

jüdische Synagoge Worms, Innenaufnahme

Im Jahre 1146 hat eine Versammlung in Troyes den Rabbinaten dieser drei Städte am Rhein die höchste Autorität in religiös-kultischen und rechtlichen Fragen zugesprochen. Die hier erarbeiteten Vorschriften galten als verbindlich und wurden 1220 auf einer weiteren Versammlung in Mainz im „Takkanot-SchUM“ verschriftlicht.

In Worms befindet sich mit dem alten Jüdischen Friedhof Heiliger Sand der älteste, am ursprünglichen Ort erhaltene, jüdische Friedhof Europas. Das ehemals jüdische Viertel mit der Judengasse ist gut erkennbar, wird aber nicht in den UNESCO-Antrag integriert. Zentral sind die nach dem Holocaust zwischen 1957 und 1961 wieder aufgebaute Synagoge samt Anbauten, das Ritualbad aus dem 12. Jahrhundert und die Keller des mittelalterlichen Gemeindehauses, über denen 1982 das Raschi-Haus samt Jüdischen Museum entstanden ist.

Rund 90.000 Besucher/innen pro Jahr

Etwa 86.000 Besucher/innen pro Jahr interessieren sich für die jüdischen Stätten in Worms inklusive des Jüdischen Museums, dem ältesten Jüdischen Friedhof Europas und dem ersten jüdischen Gotteshaus, das nach dem Holocaust wieder aufgebaut wurde. Dazu kommt das Publikum der jährlich ab September stattfindenden jüdischen Kulturtage und anderer Veranstaltungen von Warmaisa, der Jüdischen Gemeinde, des SchUM-Städte e.V. und der Stadt Worms.

Wissenschaftliche Aufarbeitung

Schum-Städte, wissenschaftliche Aufarbeitung

Im Vordergrund der bisherigen Vorbereitungen stand und steht daher die wissenschaftliche Aufarbeitung der Grabsteine auf dem Heiligen Sand, die unter anderem in einem Buch dokumentiert werden wird.

Ein gemeinsam mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz veranstalteter Studentenworkshop im September 2010 hat sich kreativ mit der stadtplanerischen Weiterentwicklung des jüdischen Viertels beschäftigt.

Im Herbst 2011 fand im Mainzer Landesmuseum eine von der Landesdenkmalpflege ausgerichtete Tagung zu den SchUM-Städten statt.

Arbeitskreis Welterbeantrag

Ein Arbeitskreis aus Mitarbeitern des Archivs, der Stadtplanung, des Tourismus und des Stadtmarketings beschäftigt sich vertiefend mit der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Gestaltung und Schärfung des Wormser Profils innerhalb des Welterbeantrags.

Der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Prof. Dr. Gerold Bönnen ist der Beauftragte der Stadt für den Welterbeantrag berufen, während Kulturkoordinator Volker Gallé im Büro des Oberbürgermeisters die Geschäftsführung übernimmt. Die kultur-touristischen Elemente der Wormser Aktivitäten sollen aus einer Zielgruppenanalyse entwickelt werden.

App zum Jüdischen Worms

SchUM-App
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