Stadtmauer am Nibelungenmuseum. Foto: R. Uhrig
Stadtmauer am Nibelungenmuseum. Foto: R. Uhrig

Historische Stadtmauer

An einigen Stellen ist die historische Stadtmauer, die etwa ab dem 9. Jahrhundert errichtet wurde, noch eindrucksvoll erhalten. Zum Beispiel das imposante Raschitor im ehemaligen Judenviertel, das Stadttor am Torturmplatz oder im Lutherring, einst den Dom schützend. Die innerstädtischen Grünanlagen Adenauerring und Lutherring folgen dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer.

Stadtmauer am Torturmplatz
Stadtmauer am Torturmplatz

Rund um das Zentrum von Worms können Sie immer wieder Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer entdecken. Bereits in spätrömischer Zeit (um 360 n. Chr.) erhielt die Stadt eine Ummauerung, da die Bedrohung durch Überfälle von der rechten Rheinseite zunahm. Der römische Mauerring wurde immer wieder repariert und diente als Befestigung bis ins Hochmittelalter.

Geschichte der Stadtmauer

Stadtmauer um 1200

So erfolgte um 1200 aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung eine Erweiterung der Stadtmauer in östlicher Richtung bis zu einem Nebenarm des Rheins. Da man nun ins sumpfige Rheinvorland bauen musste, war dieses Vorhaben sowohl eine große Herausforderung. Ursprünglich verlief eine einfache Mauer mit Zinnen versehen um die Stadt.

Stadtmauererweiterung zur Rheinfront hin
Stadtmauererweiterung zur Rheinfront hin

Innere und äußere Stadtmauer

Bereits im 12. und 13. Jahrhundert entstanden kleine Siedlungen außerhalb der Stadtmauer, die der äußere Mauerring umschloss. Die innere Stadtmauer umfasste im Endausbau 27 Türme und acht Tore sowie einen hölzernen Wehrgang. Ihr vorgelagert befand sich ein Graben, der nur in der östlichen Hälfte Wasser führte, die Westseite war ausgetrocknet. Wegen seines schrecklichen Gestanks nannte man diesen Abschnitt „Aasgraben“.

Stadtmauer erster und zweiter Mauerring
Stadtmauer erster und zweiter Mauerring

Ausbau mit Bastionen 

Als Reaktion auf eine stärker werdende Artillerie wurde die äußere Mauer im 16. Jahrhundert mit 11 Bastionen verstärkt. Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) überstand die innere Stadtmauer weitestgehend unbeschadet. Doch im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges besetzten
1688 französische Truppen die Stadt. Sie zerstörten 1689 den äußeren Befestigungsring komplett, sprengten zahlreiche Türme und begannen den inneren Mauerring zu demolieren.

Stadtmauer mit Bastionen im 16. Jhd.
Stadtmauer mit Bastionen im 16. Jhd.
Werger Eck mit Luginsland
Werger Eck mit Luginsland

Die Wormser Ringanlagen

Die Wormser Ringanlagen sind ein innerstädtischer Grüngürtel im Bereich des historischen Grabens vor der Stadtmauer. Begonnen wurde die aktuelle Sanierung der Ringanlagen 2015 mit der Neugestaltung des Lutherplatzes. In dem Abschnitt bis zur Straße ‚Am Andreastor‘ wurden erstmals einschneidende städtebauliche Veränderungen vorgenommen. Das Plateau vor der Stadtmauer war seit jeher als Weinberg genutzt. 1990 wurde die Bewirtschaftung allerdings überwiegend aufgegeben.
Die Fläche des ehemaligen Weinbergs ‚Luginsland‘ wurde in diesem Abschnitt den Ringanlagen zugeordnet und die Fläche vor der Stadtmauer öffentlich zugänglich. Einhundert Meter östlich von hier wird die historische Weinlage „Luginsland“ noch privat bewirtschaftet.
Die neue Grünanlage vor der Stadtmauer macht das größte zusammenhängende Stück Stadtmauer und die Blickbeziehung zum Jüdischen Friedhof ‚Heiliger Sand‘ zur direkt erlebbaren Wormser Stadtgeschichte. Weinbergzeilen mit historischen Rebsorten erinnern an die ursprüngliche Nutzung des Geländes.

Stadtmauerabschnitt "Luginsland"

Im Rahmen der barrierearmen Erschließung der Grünanlagen am „Luginsland“ konnte auch die Baugeschichte der Stadtbefestigung untersucht werden. Die Anfänge reichen hier in das 10. Jahrhundert zurück. Eine erste noch niedrige Mauer war schrittweise aus wiederverwendetem römischem Abbruchmaterial erbaut worden. Sie wurde unter Bischof Burchard (965-1025) erneuert und durch den bestehenden Wall ergänzt. Ein weiterer, großangelegter Ausbau erfolgte im 12. Jahrhundert. Die heute erhaltene Höhe war im 13. Jahrhundert erreicht.
Mit der Zeit sollte sich das Erscheinungsbild der Mauer weniger durch Kriege, als schadensbedingte Reparaturen verändern. Sogar den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) hielt sie stand. 1689 wurden jedoch große Teile gesprengt, nachdem französische Truppen die Stadt während des „Pfälzischen Erbfolgekrieges“ kampflos besetzt hatten.
Die Breschen hat man aber wieder geschlossen: Denn über den zwischenzeitlich veralteten Verteidigungszweck hinaus, behielt die Mauer vorerst ihren praktischen Nutzen zur Regulierung des Verkehrs an Markttagen und als Schutz vor ungebetenen Gästen. Im 19. Jahrhundert wurde der Stadtgraben dann zum Bau der Ringstraßen aufgefüllt und 1907 das Andreastor zur Verbindung mit dem Domplatz eingefügt. Den heute sichtbaren Bestand prägt der Wiederaufbau nach 1689. Im mittleren Abschnitt blieben dazwischen auch Reste der mittelalterlichen Mauer bis zu den Zinnen bewahrt. Über der heutigen Bodenoberfläche wurden 2021 erstmals Reste der frühmittelalterlichen Grundlagen freigelegt.

Stadtmauer bei St. Andreas

Der südliche Abschnitt bei St. Andreas bewahrt einen geschlossenen Bestand der Stadtmauer – nur der neugotische Torbogen wurde 1907 nachträglich eingefügt. Im Rahmen der barrierearmen Erschließung konnten 2021 hier bedeutende Überreste aus der Frühzeit der Wormser Stadtbefestigung entdeckt werden. Prägend für das Erscheinungsbild ist der Hügel auf dem sich die Stadtmauer erhebt. Er blieb als Weinberg in Erinnerung, war aber als gewaltiger Wall das entscheidende Verteidigungswerk der frühmittelalterlichen Befestigung. Er entstand durch Aufschüttung des Aushubs aus dem vorgelagerten Graben, über den heute die Ringstraße führt.

Bischof Burchard

Eine erste Mauer war im 10. Jahrhundert als Reaktion auf die Einfälle ungarischer Reiterheere erbaut worden. Sie umgab ein großräumiges Gelände im Süden der Domburg, um der Bevölkerung des Umlandes Schutz zu bieten. Diese schon bald nicht mehr benötigte Befestigung wurde dem Zerfall überlassen und bot dem berühmten Bischof Burchard von Worms (965-1025) später die Grundlage zur Erweiterung der Stadt. Er ließ den Wall und die Mauer erneuern, aufhöhen und mit vorspringenden Plattformen für Bogenschützen verstärken. In Worms blieben Reste einer der den ältesten Stadtbefestigungen des Mittelalters in Deutschland, ja sogar Europa sichtbar erhalten.
Heute noch bewahrt die gut erhaltene Mauer am „Luginsland“ vielgestaltige Spuren der über tausendjährigen Vergangenheit.

Rästelhafter Rundbau entdeckt

Im Herbst 2020 kam es an der Südseite der Wormser Stadtmauer, nahe des Andreasstifts, zu einer archäologischen Entdeckung. Während der Sanierung der Ringanlage entlang des Willy-Brandt-Rings war man bei Erdarbeiten auf die Überreste einer runden Mauer gestoßen. Im Zuge der Dokumentation versuchte die Landesarchäologie Mainz, den unerwarteten Fund unterhalb der hochmittelalterlichen Anlage zeitlich und funktionell einzuordnen. Wegen des Mangels an eindeutigem Fundmaterial in den entscheidenden Schichten und späteren Bodeneingriffen war dies aber nur bedingt möglich.

Versuch einer zeitlichen Zuordnung Die halbkreisförmige, gemörtelte Mauer besteht zum größten Teil aus Sandstein; stellenweise wurden sekundär römische Ziegel in der Mauer verbaut. Ursprünglich war sie sehr wahrscheinlich verputzt. Im gesamten Umfeld konnte eine große Anzahl römischer Fundstücke geborgen werden. Im direkten Umfeld fanden sich römische Abfallgruben des 1. – 2. Jahrhunderts. Dennoch deuten die Schichtenfolgen, die Bauart der Mauer, die Steinbearbeitung sowie sehr vereinzelte Keramikfunde des frühen Mittelalters auf eine Errichtung der Anlage im frühen Mittelalter, etwa im 10. Jahrhundert. So könnte das Bauwerk, welches allerdings schlecht fundamentiert war, im Zusammenhang mit den Neubauten der überlieferten Mauerbauordnung Bischof Thietlachs (gest. 914) stehen.

Der Luginsland Turm - ein Gefängnis für Könige

Der 33 Meter hohe Turm „Luginsland“ war ein wichtiger und gut befestigter Eckturm der inneren Stadtbefestigung. Bei den Arbeiten für die Neugestaltung der Ringanlage am Willi-Brandt-Ring kamen Ende des Jahres 2018 Fundamentteile des mittelalterlichen Luginslandturms zum Vorschein. Es handelte sich um einen diagonal angebauten, im Grundriss rechteckigen Turm, mit Stützpfeilern an den Ecken.

In diesen Turm ließ Kaiser Friedrich II., einer alten Chronik zufolge, 1235 seinen abtrünnigen Sohn König Heinrich (VII.) inhaftieren. Der Kaiser selbst feierte währenddessen im Dom seine Hochzeit mit Isabella von England, der Schwester des englischen Königs. Es ist nicht gesichert, aber naheliegend, dass auch Richard Löwenherz während seines unfreiwilligen Aufenthalts in Worms im Luginslandturm „beherbergt“ wurde.
In Worms fanden die Verhandlungen über das sagenhafte Lösegeld statt, das schließlich im „Wormser Vertrag“ auf 100.000 Mark Silber (etwa 23 Tonnen) festgelegt wurde. 1689 wurde der Turm, wie auch große Teile der Stadt, im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs, zerstört. Um 1830 hatte die Ruine einer kleinen Grünanlage Platz gemacht. 1889 hat der Wormser Brauereibesitzer Carl-Wilhelm-Werger das sogenannte Wergersche Schlösschen eine stadtbildprägende Villa errichten lassen, die ganz bewusst die vormalige Situation des Mauereckturms aufgriff. Nach der teilweisen Zerstörung 1945 wurde sie vereinfacht wieder errichtet.

weitere Abschnitte der Stadtmauer

Stadtmauer am Torturmplatz

An der ehemaligen Rheinfront lässt sich die eindrucksvolle Größe der staufischen Stadtmauer erahnen, von ursprünglich 11 Türmen sind heute noch zwei erhalten. So sind im Sockelbereich der Mauerbögen immer noch die Ansätze der ursprünglichen staufischen Bögen erkennbar.
Vom Torturmplatz aus kann man unterhalb des Wehrganges noch die Zinnenstuktur der Staufermauer erahnen.

Stadtmauer am Torturmplatz, Detail - Türmchen (Foto: Stefan Blume)
Stadtmauer am Torturmplatz, Detail - Türmchen (Foto: Stefan Blume)

Fischerpförtchen

Zwischen dem Torturm und dem Bürgerturm befindet das Fischerpförtchen. Seinen Namen erhielt dieser Seiteneingang der Mauer deshalb, weil ihn Fischer für ihren Weg in die Stadt nutzten. Der Durchgang wird auch als „Lutherpforte“ bezeichnet, hat aber mit Martin Luther oder seinem Aufenthalt in Worms zum Reichstag 1521 nichts zu tun.

Fischerpförtchen
Fischerpförtchen

"Siegfrieds Grab"

Auf dem Torturmplatz befindet sich „Siegfrieds Hügelgrab" eine Interpretation des Wormser Künstlers Eichfelder. Dieses Kunstwerk erinnert an ein Hügelgrab von etwa dreizehn Metern Länge, welches sich im Bereich des ehemaligen Klosters Maria Münster befunden haben soll. Aufgrund seiner Größe wurde das Grab spätestens seit dem 15 Jh. mit Siegfried dem Drachentöter aus der Nibelungensage in Verbindung gebracht.

Siegfriedgrab auf dem Torturmplatz (Foto: R. Uhrig)
Siegfriedgrab auf dem Torturmplatz (Foto: R. Uhrig)

Adresse & Lage:

Torturmplatz
Fischerpförtchen 10
67547 Worms

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Erkunden Sie Worms entlang der Stadtmauer

Flyer und Broschüren

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