Luther vor dem Kaiser auf dem Reichstag 1521 zu Worms

Geschichte der Stadt Worms

Römerstadt, Nibelungenstadt, Freie Reichsstadt, Lutherstadt, Industriestadt: Worms, eine der ältesten Städte Deutschlands, hat viele Gesichter und ist wie kaum eine andere Stadt mit großen Ereignissen und Personen der deutschen und europäischen Geschichte verbunden. 

Kommen Sie mit uns auf eine Zeitreise durch die reiche Vergangenheit der Stadt Worms:

5000 vor Christus bis 14 nach Christus

Das gute Klima von Worms wussten die Menschen offensichtlich schon 5000 vor Christus zu schätzen. So hinterließen nicht nur Kelten und Römer hier ihre Spuren. Der älteste Name der Stadt lautet “Borbetomagus” bzw. “Borbitumagus” und ist keltischen Ursprungs.

Seit etwa 5000 vor Christus ist durch archäologische Forschung eine sehr hohe Siedlungskontinuität für den Bereich der Stadt Worms nachzuweisen. Sie liegt an einem hochwassergeschützten Uferstück des Rheines zwischen den Mündungen des Eisbachs und der Pfrimm, verkehrgünstig als Knotenpunkt von Fernstraßen.

Die keltische Bezeichnung “Borbetomagus” bzw. “Borbitumagus” ist der älteste durch antike Zeugnisse überlieferte Name für die Stadt. Die keltische Keimzelle für die später römische Stadt lag nördlich der Pfrimm.

Seit der augusteischen Zeit (27 v. - 14 n. Chr.) gehören Worms und sein Umland zum römischen Herrschaftsgebiet. Zu dieser Zeit befindet sich aller Wahrscheinlichkeit nach ein römisches Kastell in Worms.

2. - 5. Jahrhundert

Zunächst von Vangionen besiedelte römische "Kleinstadt" mit dem Namen “Civitas Vangionum”, vollzieht Worms den Wandel zur selbstständigen Stadtgemeinde, erlebt ein kurzzeitiges Burgunderreich, das Ende der römischen Herrschaft, die Niederschlagung der Alamannen und Besiedlung durch die Franken.

Seit dem 2. Jh. n. Chr. findet sich die offizielle Bezeichnung der Stadt - es ist von einer Siedlung städtischen Charakters auszugehen - “Civitas Vangionum” nach den in dieser Region ansässigen Vagionen. Die Vangionen waren ein germanisches, stark keltisiertes Volk, das von Caesar besiegt und am linken Rheinufer im Gebiet der Treverer und deren Hauptstadt Borbetomagus angesiedelt worden war. Die römische civitas bildete vermutlich ein Oval mit ca. 1300 m Längendurchschnitt und 600 m Breite.

In der 2. Hälfte des 3. Jh. wird Worms wieder zum Grenzort, nachdem der Limes gefallen war und die Alamannen sich rechtsrheinisch ansiedeln. Zur Abwehr alamannischer Angriffe wird eine Mauer errichtet. Als
Besatzung erhält Worms eine Abteilung der Legio II Flavia.

Im 4. Jh. besitzt Worms den Rechtscharakter eines Municipiums, dass heißt einer selbständigen Stadtgemeinde.

Seit 413 besteht ein kurzlebiges Burgunderreich am Mittelrhein. Sein Sitz wird von der Heldensage und den auf ihr beruhenden literarischen Zeugnissen nach Worms verlegt.

Um 450 wird das Ende der römischen Herrschaft datiert.

2. Hälfte 4. Jh. - Archäologische Funde deuten auf erste Spuren christlichen Lebens und Glaubens in Worms in der zweiten Hälfte des 4. Jh. hin. Vielleicht existiert sogar eine christliche Gemeinde.

496 - Die im Raum Worms lebenden Alamannen werden von den Franken niedergeworfen und ziehen sich an den Oberrhein zurück. Nun wird das Gebiet des südlichen Rheinhessen von den Franken besiedelt.

6. - 9. Jahrhundert

Worms heißt nun "Warmatia" und ist Bischofssitz. Zahlreiche der heutigen Stadtteile und der Rheinhafen werden erstmals erwähnt. Die Stadt wird Zentrum der fränkischen Politik. Der Rheinhandel befindet sich vermutlich in den Händen der Friesen, sie bewohnen ein eigenes Viertel.

614
Bischof Berthulf ist der erste sicher bezeugte Bischof von Worms. Er wird 614 in der Unterschriftenliste der großen Reichseinheitssynode von Paris genannt. Sitz einer Bischofskirche ist Worms vermutlich schon seit Mitte oder Ende des 4. Jh.

628
Erstmals wird das Patrozinium des Domes und mithin des Bistums, St. Peter und Paul, bezeugt.

Für das 7. Jahrhundert
ist der Name "Warmatia" belegt, die lateinische Form für die deutsche Bezeichnung "Worms".

754
Pfeddersheim wird erstmals urkundlich erwähnt. Es wird eine Kirche "in Paterni villa" genannt.

Zwischen 766 und 793
werden im Lorscher Codex (heute eingemeindete) Gemeinden erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 766 werden die Gemeinden Horchheim, ca. 4 km südwestlich von Worms im Eisbachtal, und Heppenheim a.d. Wiese, 8 km südwestlich der Stadt gelegen, genannt, ebenso Ibersheim, eine kleine Gemeinde ca. 10 km nordöstlich von Worms am Rhein. 771 wird Herrnsheim, ein 4 km nordwestlich von Worms gelegener Ort, in dieser Quelle aufgeführt. Drei Jahre später, im Jahr 774 lässt sich die 8 km nordwestlich von Worms liegende Gemeinde Abenheim nachweisen. Das ca. 6 km südwestlich von Worms auf der Südseite des Eisbachs gelegene Wiesoppenheim wird im Jahr 793 im Codex Laureshamensis genannt.

790 - 25. Dezember
Die kaiserliche Pfalz neben dem Dom brennt während eines Aufenthaltes Karls des Großen in Worms nieder.

Im 9. Jahrhundert
wird Weinsheim, südwestlich von Worms im Eisbachtal gelegen, als bischöflicher Besitz erwähnt.

Es setzen Schenkungen an die zur Erzdiözese Mainz gehörige Bischofskirche ein. Worms ist Hauptort eines kleinen, zwischen Kaiserslautern und dem Neckartal sichelförmig sich erstreckenden Bistums. Die dem Apostelfürsten Petrus geweihte Bischofskirche, neben der eine Taufkirche St. Johannes besteht, befindet sich an der Stelle der auf der höchsten Bodenerhebung (100 m ü. NN) gelegenen römischen Forumsanlagen.

Ab 803
wird Worms Zentrum der fränkischen Politik und als solches zum bevorzugen Pfalzort.

812
Im Lorscher Codex wird die unmittelbar am Rhein ca. 8 km nördlich von Worms gelegene Gemeinde Rheindürkheim erstmals urkundlich bezeugt.

829
werden die Friesen, die Fernhandel betreiben, in Worms genannt. In der Nordostecke der Stadt, befindet sich die Friesenansiedlung, die “platea Frisonum”, vermutlich zwischen der Friesensperre und dem Rheintor, da dieser Bereich dem den Friesen um 900 zur Unterhaltung zugewiesenen Mauerteil entspricht. Von 829 an findet sich die Bezeichnung “Wormatia” für die Stadt.

847
Bischof Samuel gründet das nordwestlich der Stadt gelegene Stift St. Cyriakus in Neuhausen an der Stelle einer wohl schon merowingischen Kirche (St. Dionysius, angeblich merowingische Königspfalz).

858
Der Rheinhafen, in der Nähe des Friesenviertels gelegen, wird erstmals erwähnt. Wie in anderen Städten wird der Rheinhandel sich in den Händen der Friesen, deren Nachfolge am Ende des 10. Jahrhunderts die Juden antreten, befunden haben.

898
Münze, Zoll, Königsmaß und andere königliche Einkünfte gehen auf den Bischof über.

10. - 11. Jahrhundert

Worms wird Sitz des Saliergeschlechtes. Die Stadtmauer wird gebaut, ebenso der Dom, Paulus- und Andreasstift sowie die erste Synagoge Deutschlands. Die Wormser (Christen wie Juden) stehen treu zum König, der ihnen mit besonderen Privilegien dankt. Der berühmte jüdische Gelehrte Raschi studiert in Worms. Dem ersten Kreuzzug fallen auch die Wormser Juden zum Opfer.


Seit dem 9./10. Jahrhundert
wird die Stadt Worms Sitz der Herzogsfamilie der Salier, die über eine erstmals 1002 quellenmäßig fassbare Burg bzw. befestigte Anlage im Stadtgebiet verfügen. Sowohl in der Stadt als auch im Wonnegau hat die Familie offenbar eine dominierende Position inne. Ihre Familiengrablege befindet sich im Wormser Dom.

Um 900
datiert die von Bischof Thietlach erlassene bemerkenswerte Mauerbauordnung. Sie setzt eine Stadtbefestigung im Umfang von ca. 45 Hektar voraus. Die Mauerbauordnung legt fest, welche umliegenden Orte mit ihren Bewohnern für die Instandhaltung einzelner Teile der Stadtbefestigung zuständig sind. Der Mauerzug wird genau beschrieben, angefangen bei der “Frisonenspira”, einer Sperre oder ein Tor, das später als “Judenpforte” bezeichnet wird, bis zuletzt über die Martinspforte, die im Norden die Einfahrt in die Innenstadt sichert, zurück zur Frisonenspira. Sieben burgähnliche Torbauten weist der starke Mauerring in späterer Zeit auf.

920 - 26. November
König Heinrich I. rückt mit seinen sächsischen Truppen bis Worms vor. Der westfränkische König Karl, der ihm bis Pfeddersheim entgegen gezogen war, weicht zurück.

955
Konrad der Rote, Herzog von Worms, aus der Familie der salischen Herzöge von Worms, fällt am Tag des heiligen Laurentius (10. August) als Sieger in der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld. Er ist Stammvater des salischen Kaisergeschlechts und wird im Dom bestattet.

979
Bischof Hildebold von Worms erhält von Kaiser Otto II. das dem Sohn Konrad des Roten, Otto von Kärnten, gehörige Drittel der Zoll- und Banneinkünfte in Worms. Damit liegt die gesamte Gerichtsbarkeit, Zoll- und Bannrecht in bischöflicher Hand. Die bischöfliche Stadtherrschaft, ermöglicht durch die Unterstützung des ottonischen Königtums, wird damit zugrundegelegt.

Um 990/1000
Der 960 in Mainz geborene Gelehrte Gerschom ben Jehuda gibt die früheste Nachricht über die Ansiedlung von Juden in Worms. Er erwähnt Geldgeschäfte, die von Juden aus Mainz und Worms auf der Kölner Messe getätigt werden. Die Gründung einer jüdischen Gemeinde von Worms datiert vermutlich in die 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts.

996
Papst Gregor V. (vor seiner Wahl Bruno genannt, gestorben 999), aus dem Haus der Wormser Salier, erster deutscher Papst, krönt Kaiser Otto III.

1000
Bischof Burchard I. von Worms (um 965-1025) tritt sein Amt als Wormser Bischof an. Nicht nur für die Rechts- und Stadtgeschichte der Stadt sondern auch für die weltlichen und kirchlichen Verhältnisse seiner Zeit sind sein Hofrecht für den Hörigenverband der Wormser Kirche und seine bemerkenswerte Sammlung kirchenrechtlicher Vorschriften von großer Bedeutung. Zu seinen zahlreichen Leistungen gehören große stadtplanerische Maßnahmen und Bauprojekte, darunter in erster Linie der Neubau des Domes, verschiedener Stifte sowie der Stadtbefestigung.

1002
Bischof Burchard gelingt mit Unterstützung Kaiser Heinrich II. die Gewinnung der im Osten der Stadt gelegenen Burg der Salier, die mit dem Hof Bruchsal entschädigt werden. Er lässt die Burg abtragen und an dieser Stelle das ca. 1016 vollendete St. Paulusstift errichten. Burchard wird somit alleiniger Stadtherr.

1007
In einer Urkunde Kaiser Heinrich II. wird die Amanduskirche erstmals urkundlich erwähnt.

1008 - 1012
verfasst Bischof Burchard in zwanzig Büchern ein Dekret, eine bedeutende Sammlung kirchenrechtlicher Vorschriften, die im gesamten Abendland Verbreitung findet.

1014
Kaiser Heinrich II. bestätigt die Immunität der Wormser Kirche.

1016
In einer Schenkungsurkunde Bischof Burchards wird das im 9. Jahrhundert gegründete Frauenstift Maria- bzw. Nonnenmünster erstmals unter dem Namen “abbatia S. Mariae” erwähnt. Burchards Schwester Mechthildis ist zu jener Zeit Leiterin des Stifts. Sie soll das nahezu verfallene Kloster wieder aufgebaut haben.

1018
In Anwesenheit Kaiser Heinrichs II. wird - obwohl noch nicht ganz fertiggestellt - der Dom geweiht. Zwei Jahre später stürzt der Westchor ein, der jedoch bis 1022 wieder errichtet werden kann.

Um 1020
verlegt Bischof Burchard das Andreasstift aus der westlichen Vorstadt in den Schutz der südlichen Stadtmauer.

1024
Konrad II. (990-1039) aus dem Geschlecht der Wormser Salier, Schüler Bischof Burchards an der Domschule, wird König und begründet die neue Grablege der Herrscherfamilie im Dom zu Speyer.

1025 - 20. August
Bischof Burchard, der sich um das Bistum und die Stadt größte Verdienste erworben hat, stirbt und wird im Westchor des Domes beigesetzt.

1034
Kaiser Konrad II. tätigt die Memorienstiftung für die Ahnen und Familienmitglieder des salischen Königshauses am Heilig-Kreuz-Altar im Wormser Dom.

1034 - August/September
Jakob ben David und seine Frau Rahel stiften ihr Vermögen zur Errichtung und Ausstattung einer Synagoge. Das Gotteshaus, das infolge der Kreuzzüge 1095/96 verwüstet wird, lag unmittelbar westlich der heutigen Männersynagoge. Es ist die älteste Synagoge auf deutschem Boden.

1044 - 17. Januar
Bischof Azecho, der mit dem salischen Kaiserhaus verwandt ist, wird in der Saliergruft unter dem Ostchor des Domes beigesetzt.

Um 1060
hält sich Rabbi Salomo ben Issak aus Troyes (1040-1105), genannt Raschi, in Worms auf. Er studiert bei dem Wormser Rabbiner und Leiter der talmudischen Hochschule Issak ben Eleasar ha-Levi. Raschi ist eine der bedeutendsten Gelehrtengestalten der jüdischen Welt. Seine Kommentare zu Bibel und Talmud zeichnen sich durch Klarheit, Verständlichkeit und Bildhaftigkeit aus.

1068
Der an der Pfrimm westlich von Worms gelegene Ort Hochheim wird erstmals urkundlich erwähnt; ebenso das drei km westlich der Stadtmitte von Worms als Straßendorf im Pfrimmtal gelegene Pfiffligheim.

Zwischen 1070 und 1125
erlebt die bischöfliche Herrschaft eine Schwächephase. Die Bindung der Stadt an das salische Königshaus nimmt intensive Formen an. Die salischen und später die staufischen Herrscher fördern die wirtschaftliche und politisch-rechtliche Besserstellung der Bürgerschaft.

1074 - 18. Januar
König Heinrich IV. gewährt den Bewohnern von Worms (“Iudei et coeteri Wormatienses”), für ihre Treue Zollfreiheit an den königlichen Zollstätten in Frankfurt, Boppard, Hammerstein, Dortmund, Goslar und Engers. Die Bürgerschaft hatte gegen den Widerstand des Bischofs den von der Harzburg nach Ladenburg geflohenen König die Stadttore geöffnet. Sowohl die Juden als auch die Christen sollen ihm militärisch Beistand geleistet und bei der Bewältigung der kritischen politischen Situation unterstützt haben.

Das Pergament ist die älteste im Original erhaltene Urkunde des Wormser Stadtarchivs und die erste Urkunde überhaupt, die im deutschen Reich vom König den Bürgern einer Stadt ausgestellt worden ist. Zugleich besitzt sie den Charakter eines politischen Manifests: Die Hilfe der Wormser für den Herrscher wird als Vorbild für andere Städte herausgestellt. Darüber hinaus ist es die früheste Erwähnung der zu diesem Zeitpunkt bereits seit ca. hundert Jahren bestehenden Wormser Judengemeinde überhaupt.

1076 - November
Der Rhein friert zu und bleibt in diesem Zustand bis zum April 1077, so dass man sogar über ihn hinüber reiten und mit großen Lasten darüber fahren kann.

1076/77
Der jüdische Friedhof, der “Heilige Sand”, außerhalb der Stadtmauern gelegen, dient den Juden als Begräbnisplatz. Der älteste erhaltene Grabstein wird im Jahr 1076/77 für Jakob ha-bachur gesetzt. Unter den Grabsteinen aus 10 Jahrhunderten sind die des jüdischen Märtyrers Rabbi Meir von Rothenburg und des Alexander ben Salomon Wimpfen sowie berühmter Gelehrter zu nennen. Der Heilige Sand ist der älteste europäische Judenfriedhof.

1090
Heinrich IV. formuliert für die Wormser Juden Regelungen, die insbesondere deren kaiserlichen Schutz, Recht und Gerichtsbarkeit betreffen. Ferner werden ihre Beziehungen zu den christlichen Bewohnern geregelt, die jüdischen Kaufleute generell von Sonderzöllen befreit. Unter Berücksichtigung der Vorrechte der bischöflichen Münzerhausgenossen wird ihnen der Geldhandel zugestanden.

1095
Unter Führung von Gottfried von Bouillon ziehen französische und deutsche Ritter, begleitet von ungeordneten Scharen fanatischer Teilnehmer, auf dem ersten Kreuzzug in das Heilige Land. Die ersten “Ungläubigen” treffen sie in den rheinischen Bischofstädten. Die Kreuzfahrer fallen am 18. Mai in Worms über die in ihren Häusern gebliebenen Juden her. Sie werden erschlagen, wenn sie sich nicht taufen lassen. Die Häuser werden geplündert, die nackten Leichen durch die Stadt geschleift. Am 25. Mai greifen die Kreuzfahrer in
Abwesenheit des Bischofs den Bischofshof an, in den sich zahlreiche Juden geflüchtet hatten.

12. - 13. Jahrhundert

Die Wormser Fischerzunft wird gegründet. Die Bürgerrechte werden ausgebaut und gestärkt, Städtebünde geschlossen, Klöster gegründet, die neue Synagoge wird erweitert. Mehrmals wüten Brände in der Stadt und zerstören große Teile davon. Die Kaiser-Hochzeit 1235 im Dom zeugt von der großen Bedeutung der Stadt.

1106/07
Bischof Adalbert trifft Bestimmungen über die Einrichtung und Besetzung einer Vereinigung von Fischern bzw. Fischhändlern mit Erbrecht für die Mitgliedschaft und einem Recht auf Zuwahl durch die Bürgerschaft der Stadt. Es handelt sich um eine der frühesten Beispiele für die Errichtung einer derartigen Zunft in Mitteleuropa.

1112 - 16. Oktober
Kaiser Heinrich V. bestätigt die von seinem Vater erteilten Zollprivilegien und erlässt den Wormser Bürgern das jährliche Wachtgeld.

1114 - 30. November

Aufgrund "jammervoller Klagen" verkündet Kaiser Heinrich V. das freie Erbrecht für alle, die in der Stadt leben oder dorthin kommen wollen, gleichgültig, ob die Ehepartner demselben Hofrechtsverband (Familia) entstammen. Dies bedeutete für die Bewohner die Beseitigung der schwersten Belastungen und Einschränkungen der persönlichen Freiheit.

1122 - 23. September
Das Wormser Konkordat beendet die seit Papst Gregor VII. bestehende strittige Investiturfrage. Auf den Lobwiesen vor Worms kommt es auf Betreiben der deutschen Fürsten, die hier neben dem Kaiser als Repräsentanten des Reiches auftreten, nach längeren Verhandlungen mit den päpstlichen Legaten zu einer vertraglichen Vereinbarung über die Investitur der Bischöfe und Reichsäbte.

1141
Erste urkundliche Erwähnung des ca. 4 km westlich von Worms nördlich des Pfrimmtals gelegenen Leiselheim.

1147 - Dezember
Teilnehmer des zweiten Kreuzzuges in das Heilige Land passieren zusammen mit Bernard von Clairvaux Worms.

1156 - 20. Oktober
Kaiser Friedrich I. soll der Stadt Worms einen Stadtfrieden verliehen und zur Sicherung desselben ein Gericht aus zwölf Ministerialen und 28 Bürgern eingesetzt haben. Tatsächlich handelt es sich um eine Urkundenfälschung vom Beginn des 13. Jahrhundert.

1165 - September
Kaiser Friedrich I. stattet anlässlich eines feierlichen Hoftages zu Worms die Münzerhausgenossenschaft auf deren “gerechte Bitten” hin mit Privilegien, wirtschaftlichen und politischen Vorrechten aus. Der Bruderschaft werden ein bevorzugter Gerichtsstand und Steuervorteile zugestanden.

1174/75
Fertigstellung des Neubaus der Synagoge in romanischen Formen der Wormser Dombauhütte.

1180
Das städtische Friedensgericht, das sich bis gegen 1200 zu einem vierzigköpfigen Rat entwickelt, wird zum ersten Mal genannt.

1181 - 2. Mai
Die Gesamtweihe des Doms unter Bischof Konrad II. von Sternberg findet in Verbindung mit einer Reliquienübertragung aus dem Hochaltar in das Langhaus statt.

1184 - 3. Januar
Kaiser Friedrich I. Barbarossa erteilt der Bürgerschaft ein Freiheitsprivileg. Die Bürger der Stadt werden hinsichtlich des Erbrechtes und verschiedener Abgaben begünstigt. Die Urkunde gibt der Bildung einer städtischen Bürgergemeinde starken Auftrieb und wird inschriftlich am Nordportal des Domes angebracht.

1185/86
Durch eine Stiftung erhält das Wormser Judenviertel ein rituelles Tauchbad (Mikwe).

1192
Bischof Konrad II. findet in dem dem heiligen Laurentius geweihten Dom-Westchor neben Bischof Burchard, Erbauer des ersten Domes, seine letzte Ruhestätte.

1196/97
Die Stadt wird - wie archäologische Forschungen bezeugen - nach Osten erweitert.

1198
Das bis um 1500 verwendete Stadtsiegel mit dem Abbild des Stadtpatrons Petrus - bereits um 1184 gestochen - wird erstmals erwähnt.

Um 1208
Die Städte Worms und Speyer schließen einen Vertrag über die gegenseitigen Zollabgaben.

1212/13
Meir ben Joel stiftet mit Unterstützung seiner Frau Judith einen Anbau an die Synagoge, eine “Frauensynagoge”. Der im rechten Winkel nördlich an die eigentliche Synagoge angebaute Raum soll den Frauen zum Singen und Beten zur Verfügung stehen.

1221 - 10. Juni
Gegen Abend bricht am Marktplatz ein Feuer aus. Alle Kaufläden werden vernichtet, die Flammen greifen auf Häuserviertel am Neumarkt über sowie an der Hagenstraße und Wollstraße.

1221 - im Spätjahr
Hinter dem Bürgerhof bei der Nazariuskapelle (nördlich der heutigen Hagenstraße) gründen die Franziskaner ihre Niederlassung. Sie siedeln später in die Petersgasse (heute Peterstraße) östlich des Marktplatzes über. Das erste deutsche Provinzialkapitel soll bereits im Jahre 1228 in Worms gehalten worden sein. Bischof Heinrich stellt nach Beratung mit dem Domkapitel Teile der Kathedralkirche den Versammelten für den Gottesdienst zur Verfügung.

1226
Fünf Jahre nach dem Tod des heiligen Dominikus und elf Jahre nach der Ordensgründung kommen die Dominikaner (auch Predigerbrüder genannt) nach Worms. Während die beiden Bettelorden, Franziskaner und Dominikaner, bei Bischof und Geistlichkeit bald auf Widerstand stoßen, werden sie von der Bevölkerung positiv aufgenommen, da ihre Lebensform und die Ziele des Ordens den religiösen Bedürfnissen der städtischen Bevölkerung besser entsprechen als die herkömmlichen geistlichen Einrichtungen.

1231 - 10. Juli
In einem Hof in der Brotgasse bricht ein Feuer aus, wodurch die halbe Stadt bis zur Judenpforte hin niederbrennt.

1232
Die Bürgerschaft muss im Rahmen von Auseinandersetzungen mit Kaiser Friedrich II. ihr erstes, 1230 an der Hagenstraße errichtetes Rathaus (“domus que vocabatur communitatis”) abreißen und den Platz dem Bischof überlassen.

1232 - 8. August
König Heinrich VII. teilt den Bürgern mit, dass er sich mit ihrem Bischof (Heinrich II. von Saarbrücken) versöhnt habe. Er löst sowohl den Rat als auch die Bruderschaften (fraternitates, Vorläufer der Zünfte) auf.

1233 - 27. Februar
Kurz nach 1230 kam es zwischen Bischof, Geistlichkeit und Stadt bei enger Interessenverflechtung mit dem staufischen Königtum zu Verfassungskonflikten um die Stadtherrschaft und Ratswahl. In der sogenannten 1. Rachtung (Vertrag zwischen Bischof und
Stadt) wird der Stadtfrieden wiederhergestellt. Bischof und Stadtgemeinde einigen sich über die Wahl des künftigen Ratsgremiums, das anstelle des 40-köpfigen Rats tritt.

Bischof und Klerus ziehen von dem nördlich der ummauerten Stadt gelegenen Stift St. Cyriakus in die Stadt ein. In Anwesenheit des durch seine Glocke zusammengerufenen Volkes sowie des Klerus werden durch den Bischof auf dem Bischofshof vereinbarungsgemäß neun Konsuln ernannt, die sechs Ritter hinzuwählen. Der neue Rat und der Bischof schwören sich gegenseitig feierliche Eide.

1235
Kaiser Friedrich II. feiert mit Isabella von England Hochzeit in Worms. Ein Relief an der Stirnseite des heutigen Rathausvorbaus gegen den Marktplatz zu (Trauzimmer) erinnert an dieses Ereignis.

1235 - Juli
König Heinrich (VII.), abtrünniger Sohn von Kaiser Friedrich II, wird in Worms festgesetzt, von wo aus er über die Alpen nach Ampulien verbracht wurde (+ 1242).

1236/37
Bischof Landolf erhält den Auftrag, das Kloster Maria- bzw. Nonnenmünster, über dessen vorherige Ordenszugehörigkeit Unklarheit besteht, wegen sittlichen Verfalls der Klosterinsassinnen zu reformieren. Er unterstellt das Kloster der Regel des Zisterzienserinnen-Ordens.

1243
Bischof Landolf bestätigt die vom Andreasstift vorgenommene Übertragung der auf einer Anhöhe in der südwestlichen Vorstadt gelegenen St. Andreaskirche mit Kreuzgang und Friedhof an die Reuerinnen (Magdalenerinnen), die sich schon 1224 in Worms niedergelassen hatten. Sowohl der Bischof als auch die Bevölkerung hatten diese wohlwollend aufgenommen.

1243 - August
Kaiser Friedrich befreit die Bürger von Worms wegen ihrer treuen Dienste für das Reich für alle Zeiten vom Oppenheimer Rheinzoll. In einer weiteren Urkunde desselben Tages errichtet Kaiser Friedrich II. zu Worms eine jährliche Messe.

1254 - Februar
Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des staufischen Königtums und den drei rheinischen Erzbischöfen führen zu Konflikten, Unfrieden und Unsicherheit. Deshalb fühlen sich die Städte vor allen Dingen aus wirtschaftlichen Interessen veranlasst, den Landfrieden durch ein Bündnis zu sichern. Zunächst schließen sich im Februar die Städte Mainz und Worms zusammen, im April tritt Oppenheim hinzu. Am 13. Juli wird der Große Rheinische Friedensbund, der “Rheinische Städtebund”, gegründet. Erstmals wird ein gemeinsames Vorgehen gegen Friedensbrecher und gegen Zollburgen erwirkt.

1255 - 24. September
Graf Emich von Leiningen nimmt zwei Wormser Ratsherren gefangen, die sich auf dem Weg zum Städtetag in Straßburg befinden, und setzt sie auf Burg Landeck fest.

1255 - Oktober
Der dritte Bundestag des Rheinischen Städtebundes, in dem Worms eine hervorragende Stellung spielt, bestimmt die Abhaltung von vier Versammlungstagen in Worms, Köln, Straßburg und Mainz, die mit den Festen des jeweiligen Stadtheiligen bzw. Schutzpatrons zusammenfallen, in Worms also am 29. Juni stattfinden.

1259 - 30. April
In der Petersstraße bricht abends ein Feuer aus. Es brennt die ganze Nacht und zerstört große Teile der Stadt bis zur Pfauenpforte. Großer Schaden wird durch Verlust von Kriegsgerät in den Roßmühlen und im Bürgerhof verursacht.

Um 1260
lässt der Vorsteher Jechiel ben Ephraim den Heiligen Sand mit einer stabilen und “schönen Mauer” umgeben.

1264
Die Augustinereremiten lassen sich in Worms nieder. Bischof Eberhard unterstützt die Errichtung ihres Klosters im Südosten der Stadt.

1265/66
Der städtischen Gemeinde gelingt es mit bischöflicher Genehmigung an der Stelle des 1232 abgerissenen Rathauses ein Zeughaus aus Stein zu errichten. Im Laufe der Zeit entwickelt sich hieraus der Bürgerhof.

1273
Die Wormser Bürger werden unter Glockengeläut zu einer Volksversammlung auf dem Bischofshof zusammengerufen, um König Rudolf von Habsburg feierlich zu huldigen. Nachdem dieser die Stadtfreiheit anerkennt, kommt es zur Bildung eines Stadtgerichts. Gemeinschaftliche Vorsteher sind der bischöfliche Schultheiß und der burggräfliche Stadtgreve.

1274 - 1. Mai
Das Siechenspital oder Gutleuthaus wird erstmals urkundlich erwähnt.

1278
Ritter Thirolfus (Dirolf) Schmutzel von Dirmstein und seine Frau Agnes stiften in Hochheim ihre Burg mitsamt den zugehörigen Gütern zur Erbauung und Errichtung eines Klosters für die in Hochheim nach der Augustinerregel lebende Frauengemeinschaft. Die erste Priorin ist Adelheid, Schwester des Klosterstifters. Die geistliche Betreuung überträgt Bischof Friedrich dem Wormser Dominikanerkloster, weshalb die Niederlassung schon 1283 Dominikannnerinnenkloster genannt wird. Die Mitglieder des Konvents, enstammten zum großen Teil der städtischen Oberschicht und dem Adel.

1288
Gudelmann, Schultheiß des Domstifts, vermacht sein ganzes Vermögen einschließlich eines hinter St. Stephan am Bischofshof gelegenen Hofes den darin lebenden 20 Frauen. Schon 1248 hatte Ritter David einige Religiosen in sein Haus aufgenommen, die den “conventus sororum ad sanctam crucem” bildeten und nach der dritten Regel des heiligen Franziskus lebten. Der wegen seines Reichtums seit dem späten Mittelalter Reichkonvent genannte, ist der bekannteste der in Worms zahlreich existierenden Beginenhöfe.

Kurz vor 1292
wird ein weiteres Dominikanerinnenkloster durch Angehörige des Wormser Patriziats zwischen den Dörfern Hochheim und Neuhausen auf dem Gelände des St. Cyriakusstifts gegründet. Stifter des Klosters Liebenau sind Jakob Engelmann und seine Frau Lieba.

1293 - 10. November
Der künftige Bischof Eberhard bestätigt im Interesse der Aufrechterhaltung des Stadtfriedens die ihm vorgelegten Rechte und Freiheiten der Wormser Bürgerschaft. Der Rat wird einzige Entscheidungsinstanz für künftige Streitigkeiten und nur durch Mehrheitsbeschluss dieses Gremiums können Vertragsänderungen vorgenommen werden. Erst nachdem Eberhard auch auf alle Ansprüche aus der vorangegangenen Auseinandersetzung mit der Stadt verzichtet, leistet die Bürgerschaft ihm den Treueeid.

1298 - 31. Oktober
Bischof Emicho erhebt eine im nördlichen Vorstadtgebiet gelegene Marienkirche zum Kollegiatstift (Liebfrauenstift), nachdem die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen durch den Dompropst geschaffen worden waren. Der jeweilige Dompropst übernimmt die Propstei in Personalunion. 1303 nehmen die übrigen Wormser Stifte Liebfrauen in ihre Gemeinschaft auf.

1299
Die Wilhelmiten werden 1299 in einer Urkunde des Ritters Dirolf und seiner Frau Agnes, Stifter des Klosters Maria Himmelskron in Hochheim, genannt.

Bischof Emicho erlaubt den Karmelitern, die bereits am 28. April testamentarisch bedacht werden, auf dem von ihnen erworbenen Bauplatz in der nordwestlichen Vorstadt vor der Neupforte gelegen, eine Kirche, ein Kloster und ein Oratorium zu errichten und einen Friedhof anzulegen. Gleichzeitig erhalten sie die Genehmigung, in der gesamten Diözese die Beichte zu hören und zu predigen. Die Klosteranlage ist endgültig im Jahre 1310 fertiggestellt.

14. - 15. Jahrhundert

Weinbau spielt im Umland eine große Rolle, die Wirtschaft blüht. Die "Nachbargemeinde" Pfeddersheim wird für wenige Jahre Reichsstadt. Der heutige Pfingstmarkt nimmt seinen Ursprung. In den Pest-Jahren fallen die Bürger über die Juden her. Für die Überlebenden verschlechtern sich die Bedingungen, es entstehen Judenviertel. Beim Reichstag 1495 werden wichtige Reformgesetze verabschiedet.

1300 (2. Rachtung)
erhält der formell von den Bischöfen eingesetzte Rat im Gefolge von Konflikten um die Ungelterhebung ein aus den allmählich erstarkenden Zünften sich rekrutierendes bürgerschaftliches Pendant, ein Sechzehner-Ausschuss, der nicht mehr aus den vier Pfarreien, sondern aus den Zünften gewählt wird.

1304
Innerstädtische Konflikte sowie eine Fehde zwischen dem Rat und dem Bürger und Ratsmitglied Johann Holderbaum erschüttern die Stadt.

Seit dem 13./14. Jahrhundert
wird eine äußere Stadtumwallung ausgebaut. Außerdem wird der Mauerring erweitert, der jedoch nie aufgefüllt wird. Der äußere Ring weist fünf große Torbastionen auf.

Zwischen 1304 ("villa") und 1308 ("oppidum")
erhebt König Albrecht von Habsburg das auf Reichsgut gelegene Pfeddersheim zur Reichsstadt und stattet sie mit Oppenheimer Recht aus. Die reichsstädtische Zeit dauert nur bis 1327, danach wird die Stadt bis 1419 an die Herren von Falkenstein verpfändet.

1312
Durch ein Schiedsgericht wird der zwischen Bischof Emicho, seinem Domkapitel und der jüdischen Gemeinde entbrannte Streit um die Besetzung des Judenrates beigelegt. Die Versuche des Bischofs, die Ernennung von Judenbischof und Judenrat an sich zu bringen, werden unterbunden.

Die jüdische Gemeinde wird von einem 12-köpfigen Judenrat geleitet, der von den Juden gewählt wird. Der Bischof setzt sie dann als Judenrat ein und bestimmt einen von ihnen zum Judenbischof. Der Judenbischof hat den Vorsitz im Kreis der Judenratmänner “Parnassim” inne, der Judenrat leitet die Gemeinde in religiösen und weltlichen Angelegenheiten.

1313/18
Bereits 1313 soll neben dem Wirtshaus zum Schwanen in der Kämmererstraße die Kommende des Johanniterhofes gelegen haben. 1318 wird erstmals ein Angehöriger des Ordens urkundlich erwähnt.

1315 - 4. Januar
König Ludwig der Bayer gesteht der städtischen Gemeinde verschiedene Freiheiten und Rechte zu. Unter anderem wird ihr gestattet, Juden als Bürger aufzunehmen, wenn diese das Bürgerrecht begehren. Der Stadt wird hierdurch ermöglicht, ihren Einfluss auf diese Bevölkerungsgruppe zu festigen.

1321 - 12. Oktober
Der reichsstädtische Rat und die Sechzehner erlassen eine Ordnung über die Aufsicht und die bauliche Unterhaltung des Stadtgrabens und der Stadtmauer.

1325 - 24. April
Die Städte Mainz, Oppenheim, Worms, Speyer und Straßburg schließen einen Landfrieden.

1325 - 28. Oktober
Um die Mittagszeit erhebt sich in der Stadt ein großer Sturmwind. Er richtet großen Schaden an und bringt die Predigerkirche zum Einbruch.

1330 - 29. Mai
Kaiser Ludwig der Bayer verleiht den Bürgern von Worms eine zweite Messe, in der Volkssprache "jarmargt" genannt. Sie soll 14 Tage vor Pfingsten beginnen und vier Wochen dauern. Worms, in einer fruchtbaren, stark vom Weinbau geprägten Landschaft gelegen, befindet sich in einer dauerhaften wirtschaftlichen Blüte.

1348 - 4. Januar
König Karl IV. überträgt der städtischen Gemeinde alle königlichen Rechte an den Juden. Sie unterstehen nun auch dem städtischen Gericht.

1349 - 30. Januar
Die Wormser Bürgerschaft fällt über die Juden her, erschlägt rund 400 Menschen, setzt Judengasse und Synagogenbezirk in Brand. Einige können unter anderem nach Heidelberg und Sinsheim fliehen.

König, Bischof und die gerade mit allen Rechten an den Juden ausgestattete Stadt konnten ihren Schutzverpflichtungen nicht nachgekommen, da eine Pogromstimmung entstanden war, die nicht nur auf religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Hintergründen beruhte, sondern auch durch das Gerücht, dass die Juden die Brunnen vergiftet und dadurch die Ausbreitung der Pest verschuldet hätten, im Umlauf war.

Karl IV. überlässt der Stadt das gesamte Eigentum der Juden. Sie wird jedoch belastet durch Gläubigeransprüche an die Juden.

1352 - 17. September
Die Bäckerzunft erhält eine neue Zunftordnung.

1353 - 9. Mai
Gemeinsam mit Wissen und Willen der bischöflichen Münzerhausgenossen und der Zünfte beschließen Bürgermeister, Rat und Sechzehner, die Juden - aufgrund wirtschaftlicher Interessen - wieder aufzunehmen. Die wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen werden für die Juden jedoch schlechter. Sie verlieren der Bürgerstatus und leben in einem sich allmählich räumlich abgrenzenden Judenviertel.

1365/66
Heftige Konflikte zwischen Bischof und Stadtrat in Fragen der Stadtverfassung führen dazu, dass Worms die benachbarten Städte Speyer und Straßburg um Hilfe ersucht.

1366
In einer weiteren Rachtung können die Zünfte im Gefolge der sich im 14. Jahrhundert entstandenen innerstädtischer Unruhen ihren Anspruch auf politische Mitwirkung gegen die sich geburtsständisch abschließenden Geschlechter durchsetzen. Der 16-köpfige Rat wird durch vier sogenannten Bischofmänner (vom Bischof jährlich ernannte Ratsherren) ergänzt. Die Münzerhausgenossen können dabei ihre durch Kaiser Friedrich I. erteilten Privilegien beibehalten.

1375
Die reichsritterschaftliche Familie der Kämmerer von Worms (gen. v. Dalberg) erhält den Ort Herrnsheim zum Lehen und hat somit die faktische Herrschaft in Dorf, Markt und Gericht inne. Philipp Kämmerer von Worms macht den Ort zu seiner Residenz. Die dalbergische Ortsherrschaft bleibt bis zum Ende des Alten Reiches bestehen.

1378 - 24. Februar
Kaiser Karl V. gestattet der Stadt Worms, ihr Weinmaß beliebig zu ändern und den Ertrag zum Nutzen der Stadt zu verwenden.

1385/86
Die Wormser Geistlichkeit entfacht einen Konflikt mit dem Rat um die Ausübung des Weinschanks und anderer geistlicher Privilegien und Vorrechte.

1392
Eine Verfassungsänderung verstärkt die politischen Mitwirkungsrechte der 28 bestehenden Zünfte. Bis 1490 verringert sich deren Anzahl auf 17.

1394 - 5. Mai
König Wenzel gewährt ein weiteres umfangreiches Gerichtsstandprivileg zugunsten der Wormser Bürgerschaft.

1396 - 18. Dezember
König Wenzel errichtet einen ewigen Zoll auf dem Rhein bei Worms. Der Zoll soll je zur Hälfte der königlichen Kammer und der Stadt zugute kommen.

1403
Erstmals wird das Kaufhaus urkundlich erwähnt.

1407 - 9. Juli
König Ruprecht und Erzbischof Johann von Mainz schlichten durch die sogenannte große Pfaffenrachtung den Streit zwischen Bischof Matheus von Worms und der Stadt Worms wegen der Minderung des Weinmaßes. Ferner werden der Weinhandel für die nächsten 27 Jahre und das Verfahren der Ratsbesetzung geregelt.

1414 - 23. August
Der Rat erlässt eine neue Ordnung für die aussätzigen Insassen des Siechenhauses.

1426 - November/Dezember
Es wird berichtet, dass infolge großer und ungewöhnlicher Wärme die Bäume beginnen auszuschlagen und vor St. Nikolaustag blühen.

1429 - 5. März
Der Nordwestturm des Domes stürzt ein und zerstört dabei eine Kapelle und einen Teil des Bischofshofes.

1431/32
Hohe Verschuldung und eine tiefe wirtschaftliche Krise führen im Wormser Umland zu einem Bauernaufstand.

Um 1440
wird Hans Folz (um 1440 - 1513), Meistersinger, in Worms geboren, wo er das Barbierhandwerk erlernt. 1459 wirkt er als Barbier und Wundarzt in Nürnberg. Um 1473 erscheinen seine ersten Reimpaare, denen Lieder und Fastnachtsschwänke folgen. Er gilt als Lehrmeister von Hans Sachs. Zwischen 1479 und 1488 betreibt er eine Druckerei, in der er vor allem seine eigenen Werke druckt.

1452
Jodokus (Jost) Dotzinger, Baumeister von Worms, führt die Trennung der Steinmetzen von den Maurern durch und wird Großmeister der deutschen Bauhütten. Von 1452-1472 ist er Werkmeister der Straßburger Dombauhütte.

1465
Der Bau der Liebfrauenkirche, einer spätgotischen dreischiffigen Basilika, wird unter finanzieller Beteiligung der Wormser Zünfte fertig gestellt.

1482
Nach dem Tod Bischof Reinharts von Sickingen wird der Dompropst Johann von Dalberg aus der Familie der Kämmerer von Worms Bischof. Dalberg wird Kanzler der Universität Heidelberg. Von seinem Bischofshof in Ladenburg aus ist er führend in der Bewegung des Humanismus und der Renaissance. Begraben ist er im Wormser Dom.

1483 - 22. September
Bei seinem offiziellen Einritt in die Stadt erkennt Bischof Johann von Dalberg die in der Eidesformel enthaltene Formulierung “Freie Stadt” nicht an. Er besteht auf einen eindeutig ihm und dem Hochstift zu leistenden Eid. Dies wollen Bürgermeister und Rat nicht zulassen. Erst am 25. Oktober kommt es nach Einschaltung von Schiedsleuten, wobei Kurfürst Philipp von der Pfalz seinen Einfluss geltend macht, zu einer Einigung. Die Stadt muss mit einer neutralen Eidesformel Vorlieb nehmen.

1484
Bischof Johann von Dalberg lässt den Domkreuzgang im spätgotischen Stil umbauen und mit steinernen Figuren eines “Lebens Jesu” ausstatten. Vier Jahre später stiftet er die “Wurzel Jesse”, an der er mit bischöflichem Ornat und Mitra vollplastisch dargestellt ist. Sie ist noch heute im Dom zu sehen.

1488 - 24. Dezember
Die Stadt erhält von Kaiser Friedrich III. neue Privilegien, die ihre Stellung gegenüber dem Bischof festigt. Für die Zukunft bedeutsam ist die Bestimmung, dass Bürgermeister, Rat und Gemeinde ihre "ordnung, stattut und gesetzt" selbst setzen dürfen. Daneben werden innerstädtische Angelegenheiten geregelt.

1489
Es kommt zu Streitigkeiten zwischen den die Stellen der Neuner im Rat besetzenden Hausgenossen und dem übrigen Rat. Die Hausgenossen müssen die Stadt verlassen.

1491
Nachdem Adam von Schwechenheim 1491 nach 1488 ein zweites Mandat vom Kaiser erlangt, wonach die Hausgenossen sich dem Rat fügen und ihre Ämter wahrnehmen sollen, löst sich die inzwischen uneinig gewordene bischöfliche Münzerhausgenossenschaft auf und verkauft Bürgermeister und Rat ihr Versammlungshaus “Münze” am Marktplatz. Um die “Münze” wird das bürgerliche Zentrum repräsentativ ausgebaut. Zwei Jahre später bemalt der Wormser Maler Nikolaus Nievergolt die Repräsentationsfront der “Münze”. Er stammt aus einer ratsfähigen Familie und ist selbst in Ratsangelegenheiten tätig.

1493 - 14. September
Bürgermeister und Rat haben von nah und fern (unter anderem Frankfurt, Nördlingen) Armbrust- und Büchsenschützen zu einem Preisschießen und Kurzweil eingeladen. Der erste Abend wird im Gasthaus zum Schützen bei Bewirtung mit Wein, Bier und Schützenwürsten verbracht. Am nächsten Morgen zieht man in einem Festzug zur Schützenwiese, allen voran der Schützenälteste mit Gildestab, ihm folgen unter anderem Spielleute, Trommler und Pfeifer, die Würdenträger der Stadt, die Gäste, die Schützen der Stadt. Der Wettstreit geschieht nach festen Regeln. Als Preise winken Geldpreise und Gewinne von 50 bis zu einem Gulden.

1493
Reinhardt Noltz, in der Kämmergasse im Haus zur Mühle wohnhaft, ist Ratsmitglied und Stadtschreiber. Er beginnt mit der Führung eines Tagebuchs, das er bis 1509 fortführt. 1495 wird Noltz Bürgermeister des Gemeinen Rats und gehört zu den führenden Männern jener bewegten Zeit, in der die Auseinandersetzungen um den bischöflichen Anspruch auf die Stadtherrschaft mit Bischof Johann von Dalberg ausgetragen werden.

1494 - Juni/Juli
König Maximilian I. und Königin Bianca Maria besuchen Worms auf dem Weg aus Süddeutschland in die Niederlande. Das Königspaar, das im Bischofshof wohnt, wird von Bischof und Rat mit aufwendiger Ehrerbietung empfangen. Die Majestäten werden vom Rat reich beschenkt, dem es um die Bestätigung der Stadtprivilegien und der von Kaiser Friedrich III. zu Gunsten der Stadt im Streit mit dem Bischof ausgestellten Urkunden geht. Zusammen mit Wormser Bürgern und Bürgerinnen tanzt das Königspaar im Tanzhaus am Obermarkt.

1495 - 18. März bis 13. August
In Worms findet ein bedeutender Reichstag unter König Maximilian I. statt. Worms hat für die Dauer des Reichstags faktisch die Funktion einer Reichshauptstadt. Im Vorfeld hatten die Teilnehmer geeignete Herbergen suchen und durch Anbringung von Wappen kennzeichnen lassen, die Herbergen der Fürsten trugen große, die für den Tross kleinere Wappen.

Am 18. März trifft König Maximilian I. von den Niederlanden kommend in Worms ein. Der Rat empfängt ihn und geleitet ihn unter einem Baldachin zum Bischofshof. Als Begrüßungsgeschenk erhält er unter anderem Wein und für seine Pferde 60 Malter Hafer. Zudem überreicht ihm der Rat einen Salm von besonderer Qualität.

An Palmarum, 12. April, gehen der König und die Fürsten mit Palmen in den Händen erst in den Bischofshof, dann in den Dom. Dort hält Bischof Johann das Palmamt, singt jedoch nicht die Messe.

Am Ostersonntag, 19. April, nimmt Maximilian I. mit den Fürsten gemeinsam im Chor des Domes an der Messe teil, die Bischof Johann singt.

Am 14. Juli findet die Belehnung der Kurfürsten und am 21. Juli die Erhebung des Grafen Eberhard von Württemberg in den Herzogsstand statt. Der Königsthron ist hinter dem Schwanen beim Tanzhaus, also auf der Nordostseite des Obermarktes, aufgeschlagen.

Am 26. August nimmt der König persönlich an einem Turnier auf dem Obermarkt teil. Maximilian I., der “letzte Ritter”, gewinnt im Kampf mit Lanze und Schwert gegen den burgundischen Ritter Claude de Vaudrey.

In der Nacht vom 11./12. September verlässt der König Worms. Seine Frau, die neben der Dompropstei unweit der Andreaspforte wohnt, lässt er zurück.

Der Reichstag, wird auch “Reichsreform-Reichstag” genannt, da wichtige Reformgesetze verabschiedet wurden. Der für das ganze Reich erlassene ewige Landfriede (allgemeines Fehdeverbot) wird bestimmt, es kommt zur Einrichtung des Reichskammergerichts zur Sicherung des Reichslandfriedens, außerdem wird der “Gemeine Pfennig”, eine Kopf- und Vermögenssteuer, eingesetzt.

Nach 1495
wird Worms aufgrund der Beschlüsse des Reichstages für kurze Zeit Sitz des königlichen Kammergerichts. Als dessen Sitz dient zeitweilig die Münze. Außerdem wird Worms zum Vorort des Oberrheinischen Reichskreises.

1496
Bischof Johann lässt aus Visitationsprotokollen der gesamten Diözese das Wormser Synodale erstellen, in dem die kirchlichen Strukturen des Bistums detailliert festgehalten werden.

1497 - 6. April
Erst jetzt verlässt Königin Bianca Maria in Begleitung von Herzog Georg des Reichen von Bayern und Reinhart Noltz, derzeit Bürgermeister der Neuner, die Stadt. Am Tage vorher siegelte sie eine Urkunde, wonach sie und ihr Mann in Worms Hof gehalten und Schulden gemacht hätten.

1498
Das Tanzhaus, am Obermarkt gelegen, wird umgebaut und erweitert, da es den Anforderungen nicht mehr genügt.

1498/99
Die sogenannte Wormser Reformation, ein unter starkem römisch-rechtlichen Einfluss stehendes Stadtrecht, wird kodifiziert. Das erste gedruckte Stadtrecht “Der Stadt Worms Reformacion” mit der Darstellung des von Nikolaus Nievergolt gestalteten Schlüsselwappens mit dem Drachen (Lindwürmer) als Schildhalter wird bei Peter Drach in Speyer gedruckt. Das Schlüsselwappen zeigt auf rotem Grund einen silbernen (weißen) Schlüssel - von links oben nach rechts unten gestellt, der Schlüsselbart links oben nach unten gerichtet - und rechts oben ein fünfstrahliger Stern in Gold (Gelb). Dieses Siegelbild ist bis heute im Stadtwappen erhalten.

1499 - 15. August

Das Wormser Stadtrecht wird öffentlich verkündet.

16. Jahrhundert

Die erste Apotheke und der Riesling-Anbau werden erwähnt, das älteste Geburtshilfebuch wird in Worms gedruckt. 1521 weilt Martin Luther in Worms. Vor dem Reichstag weigert er sich, seine Schriften zu widerrufen. Seine Lehren finden auch in Worms Anhänger, 1552 hat sich die lutherische Konfession durchgesetzt. Pfeddersheim ist Schauplatz einer blutige Entscheidungsschlacht.

Um 1500
In ihrer Blütezeit - besitzt die Stadt Worms neben zahlreichen Stiften und Klöstern neun Pfarreien und ca. 15 Kapellen sowie Spitäler und Klosterhöfe. Die Stadt zählt etwa 6000 Einwohner, davon umfasst die jüdische Gemeinde ca. 250 Personen.

Die Wormser Geistlichkeit setzt sich (Stand 1496) zusammen aus 186 in Worms wohnenden Geistlichen, die den Gottesdienst am Dom, den Kollegiatsstiften und den Pfarrkirchen und Kapellen verrichten. In den acht Männerklöstern leben 112 Personen, davon 97 Mönche, ein Novize und 14 Laienbrüder. In den fünf Frauenklöstern wohnen 171 Personen, für deren geistliche Betreuung sieben Mönche sorgen. Neben diesen 476 geistlichen Personen sind noch 320 Laien zu nennen, die im Dienst der Geistlichkeit stehen.

1502 - 20. September
Der seit fünf Jahren erblindete Ratsschreiber Reinhart Noltz lässt sich durch den Elsässer Arzt Meister Philipp den Star stechen und gewinnt sein Augenlicht zurück.

1503
Die erste Apotheke im heutigen Sinn wird erwähnt. Bei dem Begräbnis des Bischofs Johann hält der Leichenwagen am Brunnen oberhalb der ”apotecke zur langen Ketten”, von wo aus die Leiche bis an das ”isen” am Dom getragen werden soll. Der Name der Apotheke rührt von den Eisenketten her, mit denen man die Straßen am Dom absperrte.

1505
Zusammen mit dem Stadtschreiber Adam von Schwechenheim reist Reinhart Noltz nach Köln. Dort überreicht ihnen König Maximilian I. eine Urkunde, in der er den Reichstag von 1495 als seinen ”ersten und Ehrenreichstag” bezeichnet. Außerdem verleiht er der Stadt das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln und Silbermünzen zu prägen.

1505/08
Neue Siegel werden eingeführt, die die Reichsfreiheit der Stadt in den Vordergrund stellen. Die Stadt verweigert 1505 dem Bischof das Recht auf Einsetzung von Bürgermeistern und Ratspersonen. Sie ändert die Zahl der Ratsmitglieder und ernennt einen Schultheißen auf Lebenszeit. Im selben Jahr erlässt sie eine Judenordnung, in der sie das Recht des Bischofs auf Einsetzung des Judenrates an sich zieht.

1509
Der 1499 aus der Stadt in das nahegelegene kurpfälzische Neuhausen gezogene Klerus kehrt in die zwischenzeitlich in Acht und Bann geratene Stadt zurück.

1510 - 9. Mai

Kaiser Maximilian I. verleiht der Stadt das Recht Goldmünzen zu prägen.

1511 - 10. November
Der Anbau der Rebsorte Riesling wird in Pfeddersheim urkundlich belegt. Philip Meyer und seine Ehefrau Else setzen unter anderem einen halben Morgen Rißling Wingert als Unterpfand für eine Gültverschreibung an die St. Sebastiansbruderschaft der Pfarrkirche in Pfeddersheim.

1513
Das älteste Geburtshilfebuch ”Der schwangeren Frauen Rosengärtlein” wird in Worms gedruckt. Verfasser ist der von 1511-1517 in Worms wirkende Stadtarzt Eucharius Rößlin (gest. 1526). Er gelangt nicht nur als Arzt zu hoher Anerkennung, er gilt auch als Vertreter der Wormser Humanisten.

1513/14
Es kommt zu heftigen Konflikten um die Verfassung der Stadt, Machtkämpfe um die Stadtherrschaft, die sich gegen die überkommene Ratsherrschaft wenden. Die von der Geistlichkeit im Herbst 1513 bei der städtischen Unterschicht geschürten Unruhen richten sich gegen das patrizische Ratsregiment.

Im Frühjahr 1514
beginnt die mittelrheinische Ritterschaft, voran Franz von Sickingen, eine Fehde gegen die Stadt Worms zu führen. Für rund drei Jahre gerät deren Handel und agrarische Versorgung durch Wegelagerei in hohe Bedrängnis. Weder das mit Bangen in der Stadt verbliebene Reichskammergericht noch die Landesfriedensbemühungen des jungen oberrheinischen Reichskreises vermögen Abhilfe zu schaffen.

1519 - 31. Oktober
Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz zwingt in seiner Eigenschaft als Reichsvikar Bischof und Stadt an den Verhandlungstisch. Es wird zwischen den beiden Kontrahenten die sogenannten ”Pfalzgrafenrachtung” geschlossen. Geregelt werden die Besetzung von Rat und Stadtgericht. Die Stadt erhält das Recht, Gerichtssitzungen in eigenen Räumen abzuhalten. Das als Gerichtshaus genutzte Gebäude grenzt südlich an die Münze. In den folgenden Jahren versucht die Stadt, eine Modifikation der Rachtung zu erreichen, da sie insgesamt die Ergebnisse für zu sehr an der bischöflichen Politik orientiert ansieht.

1520/21
Kaiser Karl V. trifft am 28. November 1520 in Worms ein für den Reichstag, der am 27. Januar 1521 feierlich eröffnet wird. Unter den wichtigsten Verhandlungspunkten finden sich ”Verhandlungen über und um Luther”, der vom 16. bis 25. April in der Stadt weilt. Nach Vorverhandlungen wird der Augustinermönch Dr. Martin Luther vor den Reichstag in Worms zitiert.

Am 16. April gegen 10 Uhr morgens meldet der Turmwächter vom Dom her durch Trompetenstoß die Ankunft Luthers. Voran reitet der Reichsherold Kaspar Sturm, es folgen Luther, der Lizenziat Justus Jonas und die übrigen Begleiter. Im Johanniterhaus, in dem auch die kursächsischen Räte wohnen, bezieht Luther Quartier.

Am Mittwoch, dem 17. April, wird Luther für 4 Uhr nachmittags vor die kaiserliche Majestät, die Kurfürsten, Fürsten und übrigen Stände bestellt. Kurz nach Glockenschlag vier wird Luther durch den Garten des Johanniterhofes in die Wohnung des Pfalzgrafen geleitet. Luther bittet um Bedenkzeit zur Beantwortung der beiden Fragen, die ihm durch den Sprecher des Kaisers gestellt werden, nämlich zum einen, ob er sich zu seinen Schriften bekennt und zum anderen ob er deren Inhalt aufrechterhalten oder widerrufen will.

Am 18. April wird Dr. Martin Luther zur selben Zeit in einem größeren Saale verhört. Luther widerruft seine Lehre nicht. Der späteren Überlieferung nach soll er seine Rede vor dem Reichstag mit den Worten beendet haben: ”Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen”.

In der Nacht vom 19. zum 20. April werden in der Stadt mit "Bundschuh" unterschriebene Plakate angeklebt. Fürsten und "Romanisten" werden Feindschaft angekündigt, wenn dem "gerechten Luther" ein Leid widerfahre. 8000 Mann stünden bereit, für die gute Sache zu kämpfen.

Am 25. April erhält Luther die kaiserliche Mitteilung, dass er mit Geleit für 21 Tage nach Wittenberg zurückkehren solle, "unterwegs nicht predigen, schreiben, noch in anderer Weise das Volk erregen". Am Tage darauf verlässt er Worms.

Am 8. Mai verhängt Kaiser Karl V. die Reichsacht über Luther, die als ”Wormser Edikt” jedoch erst am 26. Mai publiziert wird.

Am 29. Mai werden in Worms öffentlich Lutherschriften verbrannt.

Erfahren Sie hier mehr über "Luther 1521 in Worms"

1521

Schon während des Reichstages finden sich in Worms Geistliche, die sich auf die Seite der neuen Lehre stellen: Johannes Rom(anus), Kaplan an der Magnuskirche und ein Teil der Stiftsherren am Andreasstift. Die evangelische Bewegung wird durch die Theologen Nikolaus Maurus, Stiftskantor, Ulrich Preu genannt "Schlaginhaufen", Pfarrer an St. Magnus, seinen Kaplan Johannes Freiherr, ferner Ulrich Sitzinger und die Theologen Friedrich Baur und Heinrich Stoll unterstützt. Mit Ulrich Preu steht den Lutheranern die Magnuskirche, die dem Andreasstift inkorporiert ist, zur Verfügung. Als weitere Orte für die Zusammenkünfte dienen bald auch das Tanzhaus und ab 1526 das Schiff der Dominikanerkirche sowie das Barfüßerkloster in der Petersgasse.

1522 - 22. November
Papst Hadrian VI. richtet sich über Bischof Reinhard von Rüppurr an die Stadt und ermahnt diese, bei dem alten Glauben zu bleiben und nicht die ”teuflische lutherische Lehre” anzunehmen.

1523 - 10. März
Stättmeister, Bürgermeister und Rat erlassen ein Religionsmandat, eine Reaktion auf die Streitreden und Auseinandersetzungen, die die Gemüter der Einwohner erhitzten. Jeder solle erkennen, "daß wir kein anderes denn ein wahres christliches Gemüt und die evangelische Wahrheit, auch rechte brüderliche Liebe, Einigkeit und Frieden, mit der Tat handzuhaben ganz geflissen sind".

1524 - 5. Dezember
Der Pfarrer Ulrich Preu hält die erste evangelische Trauung in der St. Magnuskirche.

1525
Unter dem Vorwand, ein Aufstand der Bauern gegen das Kloster stehe bevor, werden die Brüder des Augustiner-Chorherrenstifts Kirschgarten in die Stadt gelockt. In der Nacht plündern Wormser Bürger das fast verlassene Kloster. Besonders in Mitleidenschaft gezogen werden die zu dieser Zeit ca. 350 Handschriften und Drucke umfassende Bibliothek und der Weinkeller. Der Rat der Stadt lässt das Kloster anschließend beschießen mit der Begründung, man wolle die Büchsen für den Grafen von Nassau ausprobieren. Im folgenden werden die Mauern abgebrochen und die Steine abtransportiert.

1525 - April/Mai
Die Stadt Worms entmachtet während der Bauernkriegsunruhen den Klerus. In 13 Artikeln richtet sich die Stadt gegen die "Pfaffheit". Am 3. Mai werden Dekane und Kapitel von Domstift, Paulusstift, Andreasstift, Martinsstift, Liebfrauenstift und der gesamte Klerus gezwungen, die Pfalzgrafenrachtung als rechtsungültig zu erklären, ebenso alle Verträge zum Nachteil der Stadt.

1525 - 24. Juni
Bei Pfeddersheim gewinnt in einer Entscheidungsschlacht im Bauernkrieg die fürstliche Gegenpartei die Oberhand. Sämtliche Absprachen, getroffen zwischen Stadt und Klerus, werden gegenstandslos. Die Wormser Ratsherren müssen sich im Lager von Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz unterwerfen. Die Geistlichkeit besteht auf der Wiederherstellung der alten Rechte.

1526
Unter dem Administrator Heinrich von der Pfalz, Bruder des Kurfürsten Ludwig V., wird eine erneute Rachtung geschlossen. Das kurz vorher (1522) in die Stadtverfassung eingeführte sogenannte Dreizehnerkolleg, das zunächst als Ausschuss und Exekutivorgan des gesamten, zu schwerfälligen Rates ins Leben gerufen worden ist, wird festgeschrieben und entwickelt sich zum politisch entscheidenden Gremium.

An der Spitze des auf Lebenszeit gewählten Dreizehnerrates steht der jährlich wechselnde Stättmeister. Diesem Gremium wird ein verkleinerter (Wechselnder oder Gemeiner) Rat von jährlich wechselnden zwölf Ratsherren zugeordnet.

Die wichtigen Ämter des Stättmeisters und des Schultheißen werden aus dem Dreizehnerrat besetzt, das Bürgermeisteramt aus dem Gemeinen Rat. Die Gerichtshoheit kommt dem Bischof weiterhin zu, Gericht und Ratsversammlungen müssen jedoch nicht mehr im Bischofshof gehalten werden, sondern das Recht der Stadt, beides in den Bürgerhof, also in das Rathaus, verlegen zu dürfen, wird bestätigt. Die Regelungen gelten
bis zum Ende des Alten Reiches 1798.

Bis 1527
wendet sich der überwiegende Teil der Bürgerschaft einschließlich der Stadtregierung der lutherischen Lehre zu. Der Rat beruft den Straßburger Theologen Leonhard Brunner als evangelischen Prädikanten, auf die von der Stadt bezahlte Prädikantenstelle.

1527 - 27. Februar
Unweit des Bürgerhofes an der Petersstraße richtet der Rat im Barfüßerkloster (Franziskanerkloster), in dem nur noch ein einzelner Mönch seine Zeit mit Kegelspiel zubringt, gegen den Willen des Bischofs eine lutherische Lateinschule ein.

1527 - 26. März
Dr. Petrus Wild entwirft eine Apothekerordnung.

1529
Der Rat weist aufgrund der Streitigkeiten mit den seit 1526 in der Stadt lebenden spirituellen Täufern diese unwiderruflich aus der Stadt.

1529 - 24. September
In Worms bricht der ”Englische Schweiß” aus. Die Krankheit, mehrmals in England als Epidemie ausgebrochen, tritt nur im Jahr 1529 in Mitteleuropa auf. Der Name dieser Seuche beruht auf dem zu Beginn und während der verschiedenen Stadien der Krankheit auftretenden, mit widrigem Gestank verbundenen Schweiß.

1530
Peter Lisperger aus einer im politischen Leben führenden Wormser Ratsherrenfamilie wird geboren. Nachdem er 1557 als Page im Gefolge Kaiser Karl V. nach Chile gereist war, heiratet er 1561 Agathe, Tochter des spanischen Eroberers Pedro de Valdivia, und wird 1572 Bürgermeister von Santiago (Chile).

1538 - 18. Februar
Friedrich Zorn, später Rektor des Gymnasiums in Worms, wird geboren.

Um 1540
wird der erste Wiesengang veranstaltet. Es ist ein Jugend- und Volksfest der Freien Reichsstadt, mit dem ein Gemarkungs- und Grenzumgang verbunden ist. Dadurch - so heißt es in alten Urkunden - soll die Jugend Kenntnisse über der Stadt Grenzsteine, Gerechtigkeiten und Gemarkung erhalten.

1540 - 25. November bis 17. Januar 1541
In Worms wird ein Religionsgespräch zur Überwindung der Glaubensspaltung geführt. Der kaiserliche Gesandte Granville, Eck sowie Melanchthon und Calvin nehmen an den Gesprächen teil, die jedoch ohne Ergebnis nach Regensburg verlegt werden.

1545 - 14. März
Kaiser Ferdinand I. von Habsburg reitet in Worms ein und wird feierlich empfangen.

1548 bis 1552
Während des Interims werden evangelische Gottesdienste untersagt. Deshalb zieht der Prädikant Brunner zurück nach Straßburg, der Leiter der Lateinschule, Johannes Laymann, wandert ab.

1550
In Basel erscheint in einer der frühen Ausgaben der Cosmographei des Sebastian Münster die erste Stadtabbildung von Worms, ein Holzschnitt des Monogrammisten HSD. Die Frontalansicht über den Rhein hinweg zeigt von Osten die Stadt mit ihren zahlreichen Türmen sehr detailliert.

1551 - 29. September
Es fällt kniehoch Schnee, der nach sieben Tagen schmilzt. Die Weintrauben erleiden jedoch keinen Schaden.

1552
Nach Beendigung des Interims zeigt es sich, dass die lutherische Konfession sich mehrheitlich durchgesetzt hat. Die durch Reichsrecht geschützte (1555 Augsburger Religionsfrieden) katholische Minderheit bleibt von der Ratsmitgliedschaft seit 1552 ausgeschlossen. Bürgerrecht und Handwerksausübung wird ihnen jedoch weiterhin zugestanden.

1557 - 11. bis 20. September
In Worms treffen Vertreter der protestantischen und der katholischen Partei erneut zu einem Religionsgespräch zusammen. Der letzte offizielle Versuch einer Wiedervereinigung der Konfessionen während der Reformationszeit scheitert.

1557
Es wird eine Kirchenagenda der Reichsstadt Worms nach vorhergehender Prüfung und Billigung durch Philipp Melanchton veröffentlicht.

1560
Der lutherische Rat lässt bei Paul Köphel ein ”Agendbuchlein Der Christlichen Kirchen inn des Heiligen Reichs Freystadt Wormbs” drucken, damit das Wort Gottes zu Hause studiert werden solle. Das Titelblatt schmückt das Stadtwappen.

1561
Kaspar Scheidt, Schulmeister und Poet (um 1520-1565), verfasst die gereimte Ordnung ”Lob der Musika” für die Wormser Singschule, der er beigetreten war. Von 1549 ab lehrte er vermutlich an der 1527 gegründeten städtischen Lateinschule. Scheidt war Lehrer des Satirikers Johann Fischart. Bekannt ist seine Übersetzung der Satire ”Grobianus” von Friedrich Dedekind.

1563 - 19. November
Der Rat erlässt eine Verordnung über das Verhalten der Bürgerschaft bei der Pest.

1565
Der aus Worms stammende Friedrich Zorn, Gymnasialdirektor und Chronist (1538-1610), ist Rektor an der Lateinschule zu Worms, wo er bis zu seinem Tod im Schuldienst bleibt. Bekannt ist er durch seine Chronik über die Geschichte der Stadt Worms, in der er alle Nachrichten, die ihm zugänglich waren, zusammenstellte.

1565
Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz richtet in dem aufgehobenen Stift St. Cyriakus in Neuhausen unweit nördlich von Worms eine calvinistische Fürstenschule ein.

1566 - 31. Oktober
Nachdem das Augustinerkloster im Verlauf der Reformationszeit nahezu vollständig verödet war, brennt das Klostergebäude mitsamt der Kirche bis auf die Grundmauern ab.

1570
Das um 1279 durch Ritter Dirolf von Hochheim errichtete Dominikanerinnenkloster Maria Himmelskron wird aufgehoben.

1572 - 21. Januar
Die vier rheinischen Kurfürsten und der Landgraf von Hessen schließen den sogenannten „Wormser Vertrag“ zur Erneuerung des Rheinischen Münzvereins.

1576
Die dritte und unterste Klasse der Lateinschule muss wegen der großen Menge der Schüler in zwei Klassen getrennt werden. Als vierter Lehrer tritt Johann Utrer von Zerbst in die neue vierte Klasse ein.

17. Jahrhundert

Das Jahrhundert ist geprägt von militärischer Präsenz, Zerstörung und Tod. Abermals wird die jüdische Gemeinde Opfer von Unruhen. Schwedische Truppen zerstören die Vorstädte. Die Pest wütet unter den Wormsern. Den Untergang bereiten 1689 französische Truppen: Worms wird niedergebrannt, wenige Monate später wird auch Pfeddersheim zerstört.

1601 - 8. September
Nach Mitternacht wird ein Erdbeben von solcher Stärke verspürt, dass die Glocken von selbst zu läuten beginnen.

1606 - 2. Mai
Die Jesuitenpatres August Turrian und Gisbert Bernardi aus Speyer wirken in Worms. Sie übernehmen Predigt und Katechese zunächst in einer der Pfarrkirchen, ab 1608 im Dom.

Um 1607
Die Saalstiege, eine für das Verfassungsleben der Stadt bedeutende Freitreppe vor dem Bischofshof, wird durch einen Proklamationsaltan ersetzt. Die Verlesung von Rechtsakten wird nun von diesem Altan aus vorgenommen.

1609
Um den Versuchen des Magistrats, ihre dauerhafte Niederlassung in der Stadt zu verhindern, entgegenzuwirken, lassen sich die Jesuiten von Kaiser Rudolf II. durch ein Privileg alle Rechte einräumen, die der übrige Wormser Klerus inne hat. Bischof Wilhelm überträgt ihnen das Haus ”Zum roten Kolben”, die Kurie des Dompredigers und die Domschule. Das Domkapitel bewilligt ihnen am 23.12. einen jährlichen Unterhalt für die Ausübung des Predigeramts.

1613 - 22. April
Bischof und Domkapitel schließen mit dem Ordensgeneral der Jesuiten den Gründungsvertrag für das Jesuitenkolleg. Die Jesuiten verpflichten sich, drei Klassen für den Lateinunterricht einzurichten und im Dom zu predigen.

1615 - April (Ostermontag)
Im Gefolge sozialer Unruhen, begründet einerseits durch Spannungen zwischen dem von den Zunftmeistern besetzten Gemeinen Rat und dem regierenden Magistrat und andererseits durch die Verschuldung der Handwerker bei der Judenschaft, die das gesamte Kredit- und Darlehensgeschäft sowie den Pfandhandel in den Händen hat, kommt es zum Aufruhr gegen die Juden. Sie werden über den Rhein vertrieben, ihre Häuser in der Judengasse geplündert und zerstört. Die Synagoge wird zum Teil abgerissen, auf dem Friedhof werden Grabsteine umgestürzt und zerschlagen.

1616 - 20. Januar
Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz sorgt militärisch dafür, dass die Juden wieder nach Worms zurückkehren können. Kurpfälzische Truppen ermöglichen die Durchführung der Exekution gegen die Rädelsführer in den Zünften. Die Anführer erhalten Stadtverweis und werden von dem Scharfrichter mit Ruten zum Tor herausgetrieben. Die Juden erhalten Schadensersatz durch die Stadt.

1618 - 10. Juni
Kurfürst Friedrich von der Pfalz verlegt den Pfeddersheimer Jahrmarkt auf den Tag Maria Himmelfahrt (15. August).

1618 - 7. Mai
Der Rat veranstaltet eine Grenzsteinbesichtigung des rechten Bürgerfeldes. Er lädt den Dreizehnerrat, Bürgermeister, Stadtadvokaten, prominente Bürger, die Pörtelmeister und die Schüler des Gymnasiums ein. Auf bekränzten Rollwagen zieht man zum Rhein, dort setzt man über. Nach einer Ansprache des Ratsschreibers an der Hofheimerweide werden die Marksteine besichtigt und ein Mahl im freien Feld abgehalten. Es schließen sich Belustigungen, Musik und Wettrennen an.

1620
David ben Joshua Joseph Oppenheim ermöglicht durch umfangreiche Stiftungen den Wiederaufbau der Männer- und Frauensynagoge.

1620 - 14. Oktober
Prinz Heinrich Friedrich von Oranien kommt mit 5000 Mann zu Pferd und 6000 Mann zu Fuß, sowie 20 Geschützen bei Worms über eine eigens dafür geschlagene Brücke über den Rhein.

1621/22
Das Regiment zu Fuß des Obersten Burkard von Waldmannshausen lagert vor Worms.

1622 - 18. August
Die Stadt, unter dem Befehl von Erzherzog Leopold (Bruder Kaiser Ferdinand II.) erhält eine Besatzung von 2400 Mann.

1623/24
Die Jeschiwa (das als ”Raschi-Kapelle” bezeichnete Lehrhaus) wird als Anbau an die Westwand der Männersynagoge mitsamt dem Raschistuhl fertig gestellt. Stifter ist David ben Joshua Joseph Oppenheim. Ferner lässt er auf eigene Kosten auf dem Friedhof das Leichenwaschhaus, die Mauer sowie die Tafel mit dem Totengebet neben dem Eingang erneuern.

1625
Zur Erinnerung an die Einrichtung des Dreizehnerrates im Jahre 1526 wird der sogenannten Dreizehnerratstaler geprägt.

1632 - 16. Mai
Die Schweden unter ihrem Oberst Haubold machen das Karmeliterkloster mitsamt der Kirche und der St. Annakapelle dem Erdboden gleich. Die Karmeliter verlassen daraufhin Worms und kehren erst 1657 zurück, als Bischof Hugo Eberhard sie in die Stadt aufnimmt und ihnen die Stephanskirche zum Gebrauch überlässt.

Zwischen 1632 und 1644
zerstören die schwedischen Truppen die Vorstädte und brennen die gesamte Anlage des Heilig-Geist-Hospitals vor der Leonhardspforte an der Straße nach Speyer nieder.

Um 1634
Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen brechen die trotz des Krieges noch vorhandenen Reste von Stabilität und Ordnung zusammen. Erst nach 1680 kommt es zu einer allmählichen Erholung.

1635
Gemäß der mit dem kaiserlichen Befehlshaber Gallas geschlossenen Übereinkunft wird die kaiserliche Garnison in Worms einquartiert. Die schwedische Besatzung zieht ab.

1637
Die im Krieg zerstörte Amanduskirche wird den Kapuzinern überwiesen.

1644
Französische Truppen des Marschalls Turenne besetzen die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt. Die Franzosen bestehen gegen Einwände des lutherischen Magistrats darauf, für die reformierten Flüchtlinge aus dem Umland, unter denen auch reformierte Pfarrer sind, Gottesdienste zu gestatten. Diese hält die reformierte Militär- und Flüchtlingsgemeinde zunächst in Privathäusern, dann im Tanzhaus, von den Reformierten als ”Eisenhaus” bezeichnet, am Obermarkt ab. Dann werden sie in den Schönauer Hof in der Wollgasse gelegt. Die Pfarrei der reformierten Militär- und Flüchtlingsgemeinde besteht bis zum Jahr 1650.

Ab 1646
wird der als lutherischer Friedhof vor der nördlichen Stadtmauer zwischen Graben und dem Remeyerhof, einem ehemaligen Wilhelmitenkloster, gelegene Gottesacker mit gleichnamiger Kapelle, nach dem Patron St. Stephan oder Pestfriedhof genant, Eigentum der Bischöfe von Speyer.

1647 - 20. Juni
Der Rat erlässt eine Kranenordnung über das Ein- und Ausladen von Schiffsgütern am Rhein und setzt die Taxen für die Waren fest.

1650 - 14./24. Oktober
Der Wormser Rat willigt in einen Vertrag mit dem Ordensoberen der Kapuziner in den bereits begonnen Klosterneubau ein. Gleichzeitig legt er die Höchstzahl des Konvents auf zehn Personen fest. Der Konvent geht in Worms seelsorgerischer Tätigkeit nach und übernimmt häufig Vertretungen in den städtischen Pfarreien.

1652 - 5. Januar
Der Rhein führt Hochwasser, so dass man mit dem Nachen (kleines Boot) von der Stadtmauer bei der Viehpforte an durch das Ried bis nach Heppenheim an der Bergstraße fahren kann.

1654 - 12. August
Eine große Sonnenfinsternis lässt am hellen Tag die Sterne am Himmel erkennen.

1659
Auf das Angebot des reformierten Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, seine Residenz und einen Teil der Universität zeitweilig von Heidelberg nach Worms zu verlegen, geht man trotz finanzieller Not in Worms nicht ein. Zum einen will man sich als freie Stadt nicht einem Landesfürsten - zumal einem reformierten - unterordnen, zum anderen auch nicht das überkommene Zunftsystem gegen die kurpfälzische Gewerbefreiheit aufgeben.

1663 - 13. März
Auf dem Reichstag zu Regensburg, wo er den Vorsitz führt, stirbt Bischof Hugo Kratz von Scharffenstein. Auf seinen Wunsch hin wird er in der Liebfrauenkirche begraben.

1665 - 29. August
Der 17-jährige Konrad Seidenbender, Gymnasiast und Sohn des Altbürgermeisters Johann Friedrich Seidenbender, wird wegen zahlreicher Brandstiftungen gemäß Urteilsspruch auf dem Rabenstein enthauptet.

1666/67
Eine Pestepidemie rafft mehr als 1000 Menschen hinweg. Darunter sind fünf Mitglieder des regierenden Dreizehnerrates und zwei oder drei lutherische Pfarrer. Die Bevölkerung schrumpft auf etwa 3000 Personen.

Um 1667
Die jüdische Bevölkerung umfasst ungefähr 500 Menschen.

1668
In Worms verkehrt eine Ordinari- oder Landpost von Worms über Mannheim nach Heidelberg. Die Landpost verbindet Worms mit seinen Nahcbarorten und mit Hauptverkehrsknotenpunkten links und rechts des Rheines.

1668 - 21. September
Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz und seine Gemahlin besuchen bei ihrem Aufenthalt in Worms eine Komödien-Aufführung in der Wormser Jesuitenschule.

Um 1675
bauen die Jesuiten ihr neues Kollegium mit eigener Kapelle. Bis zu diesem Zeitpunkt diente die Nikolauskapelle als Gotteshaus des an der Seminariumsgasse gelegenen Jesuitengymnasiums. Am 31. Oktober 1676 weiht Bischof Damian Hartard von der Leyen die Hauskapelle (St. Josephskapelle) des Jesuitenkollegs ein.

1685 - 23. September
Johann Friedrich Seidenbender, Advokat, wird in den Dreizehnerrat aufgenommen.

1688 - 27. Oktober
Der Marquis de Chamley, Berater des Kriegsministers Louvois, spricht sich in einem Entfestigungsplan für die Erhaltung der Stadt Worms aus, um einen Stützpunkt zwischen Philippsburg und Mainz zu besitzen.

1688 - Spätjahr
Französiche Truppen stehen vor den Stadttoren. Angesichts des ungenügenden Verteidigungszustandes schließt der Magistrat mit den Franzosen eine Kapitulation ab. Durch diese werden der Stadt alte Rechte garantiert, ausgenommen das Obrigkeitsrecht über die Juden. Eine französische Besatzung bezieht in der Stadt Quartier.

1688 - 11. November
Die Juden erlangen gegen entsprechende Geldzahlung von Marschall Duras einen Schutzbrief, der sie vor Übergriffen der Soldaten bewahren soll. Sie schlagen den Brief an die Judentore und das Friedhofstor. Als sie das kaiserliche Wappen am Judentor gegen das französische Königswappen austauschen, wirft ihnen der Dreizehnerrat später Verrat vor.

1689 - Frühjahr
Auf Befehl des Generals Tessé müssen trotz aller gegenteiliger Versprechungen die Einwohner die Befestigungen schleifen. Einige Türme und Mauern an der sumpfigen Rheinfront bleiben ausgenommen.

1689 - 22. Mai
Der Kriegsintendant teilt dem Klerus und dem Magistrat mit, dass alle Einwohner innerhalb von sechs Tagen die Stadt verlassen müssen. Die Bevölkerung wird angewiesen, sich nach Westen in Sicherheit zu bringen. Die Flucht in rechtsrheinisches Gebiet wird ausdrücklich untersagt. Der Rat und viele Bürger halten sich allerdings nicht daran und fliehen heimlich über den Rhein, andere bleiben in der Stadt.

1689 Mai 30 (Pfingstmontag)
In der von Lutheranern benutzten Dominikanerkirche predigt der lutherische Pfarrer Johann Philipp Schild. In der Predigerkirche findet ebenfalls eine Betstunde statt.

1689 - 31. Mai
Petrus Dorn, Dekan des Martinsstifts, lässt um die neunte Stunde die Glocken zum letzten Hauptgottesdienst läuten. Fürstbischof Johann Carl von Frankenstein muss den Bischofshof am Dom verlassen und in einer Kutsche nach Dirmstein fahren. Später gelangt er nach Frankfurt, wo er 1691 stirbt.

Um vier Uhr wird mit Trommelwirbel auf Befehl von General Mélac das Signal zur Zerstörung von Worms, Speyer und Oppenheim durch Brandlegung gegeben. Durch Sprengungen und mit Hilfe vorbereiteter leicht entflammbarer Materialien wird in der weitgehend aus Fachwerkhäusern bestehenden Stadt ein Feuersturm entfacht. Sämtliche öffentliche Gebäude, Spitäler, Kirchen, Klöster (ausgenommen Mariamünster im Süden und Kapuziner im Norden der Stadt) und 964 Bürgerhäuser verbrennen.

1689 - 5. Juni
Johann Jakob Rust (1641-1698), Angehöriger der Rauten-Gesellschaft, lutherischer deutscher Schulmeister und Kantor an St. Magnus, lässt im Frankfurter Exil ein Gebet drucken, dass die Wormser Schulkinder wochenlang an Sonn- und Feiertagen in der Magnuskirche sowie täglich in der Schule für die Erhaltung der Stadt gebetet haben "Wormbsischer Kinder hertzliches Kyrie Eleyson".

1689 - 24. September
Pfeddersheim wird durch französische Truppen zerstört.

1689
Wegen Auseinandersetzungen mit dem Stättmeister Meckel distanziert sich Johann Friedrich Seidenbender von dem Dreizehnerrat, in den er 1694 zurückkehrt. Er widmet sich dem Wiederaufbau der Stadt und verfasst die programmatische Schrift ”Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms” (Titel aus späterer Zeit), in der er vor allen Dingen auch auf die Wiederbevölkerung der Stadt eingeht. 1698 wird Seidenbender kaiserlicher
Hofpfalzgraf.

1690
Johann Philipp Schild (1654-1726), von 1683-85 Konrektor der städtischen Lateinschule, 1685-1691 Pfarrer in Worms, hält auf der Insel Maulbeerau gegenüber Worms für die dorthin geflüchteten Wormser Gottesdienst, tauft und beerdigt.

1690 - 20. Mai
Der Zimmermeister Peter Hamann, Mitglied des gemeinen Rates, legt dem nach Frankfurt geflüchteten Dreizehnerkollegium seine Zeichnungen vom Aussehen der Stadt Worms vor und nach der Zerstörung vor.

1691
Pfarrer Textor hält in der ausgebrannten Magnuskirche unter freiem Himmel einen Gottesdienst ab.

1695
Es leben in den Ruinen der Stadt nur noch 1000 Menschen, darunter 116 bzw. 118 Zunftmeister mit Bürgerrecht, 24 Witwen und 53 Beisassen.

1695/96
Der nach Frankfurt ins Exil gegangene Rat lässt in einer als ”Aestimation” bezeichneten Schadensberechnung die der Stadt zwischen 1688 und 1696 entgegen der Kapitulation die durch Raub und Brand entstandenen Schäden zusammenstellen. Soweit der Gesamtschaden überhaupt berechenbar ist, wird er mit 3.009.020 Reichsthaler angegeben.

1697 - 19. Dezember
Die Wormser Katholiken veranstalten zur Feier des Friedens von Rijswijk eine Prozession vom Dom durch die Speyerer Straße zum Kloster Maria Münster. Der Magistrat, der regierende Dreizehnerrat, kehrt bald darauf aus dem Exil in Frankfurt in die zerstörte Stadt zurück.

1699 - 7. Juni
Durch Vertrag werden die Juden wieder zur Ansiedlung in der Judengasse zugelassen. Außerdem wird ihnen zugestanden, die zerstörte Synagoge zu erneuern. Die Leibeigenschaft der Wormser Judenschaft wird aufgehoben, sie dürfen sich jetzt "Schutzverwandte" oder "Hintersassen" nennen.

1699 - 13. Juni
Stättmeister, Bürgermeister und Rat schließen mit neun Vertretern der reformierten Einwohner einen Vertrag, der den Reformierten das Recht zur Bildung einer Gemeinde, das Recht zur Abhaltung von Gottesdiensten sowie die Zulassung zum Bürgerrecht gestattet. Der Rat verspricht sich von den Reformierten vor allen Dingen wirtschaftliche Impulse. Vom Rat und somit von der politischen Tätigkeit bleiben Juden, Katholiken und Reformierte
jedoch ausgeschlossen.

18. Jahrhundert

Goethe und Schiller besuchen Worms. Dreifaltigkeitskirche und Friedrichskirche werden eingeweiht, die Stiftung Hospital Neuhausen und die Weinhandlung Valckenberg gegründet. Millitärisch kehrt keine Ruhe ein: Die Stadt sieht Truppen der Engländer, Preußen und Franzosen kommen und gehen. Ende des Jahrhunderts ist Worms Teil der französischen Republik.

1700 - 1. Januar
An der Stelle der heutigen Friedrichskirche wird eine provisorische Holzkirche der Wormser Reformierten Gemeinde eingeweiht.

1703
Infolge kriegerischer Ereignisse werden die wertvollsten Archivalien des städtischen Archivs nach Frankfurt ausgelagert.

1708 - 18. Juli
Das „Wormsisch Evangelisch - Lutherische Gesangbuch“ erscheint in seiner ersten Ausgabe.

1709 - 31. Juli
Der regierende Stättmeister Johann Franz Knode vollzieht die Grundsteinlegung für die Dreifaltigkeitskirche. Der Grundstein wird nicht wie üblich unter dem Altar, sondern in der Tiefe des Turms niedergelegt. Die Umschrift der Gedenkmünze erinnert an den markanten Ort, in dessen Nähe diese Kirche errichtet wird ”So setzt mich Gott nun an den Ort, wo Luther einst bekannt sein Wort”.

1710
Maximilian von Welsch erbaut für den Domherren Wambold von Umstadt den ”Wambolder Hof” in der Kämmererstraße. Er ist heute der einzige - wenn auch in vereinfachter Form - erhaltene barocke Domherrenhof in Worms.

1712
Die Küfer- und Bierbrauerzunft bittet um Erlaubnis, bei dem Wiesengang zur Maienzeit, einem alten Bürgerfest, den ein Jahr zuvor wieder erstmalig aufgeführten Küfer- oder Reifentanz halten zu dürfen.

1713
Der Stättmeister Georg Wilhelm Benedikt (1648-1719) erhält das Braurecht. Er kann als Gründer der Brauerei ”Zu den Zwölf Aposteln” betrachtet werden, da er das dem Bürgerhof gegenüberliegende Haus ”Zu den Zwölf Aposteln” übernimmt. Wie sein im Museum aufgestellter Grabstein zeigt, zeichnete er sich auch in den Türkenkriegen aus.

1718 - 6. September
Der Rat lässt ein Dankfest auf den Sieg des Prinzen Eugen über die Türken und die Eroberung Belgrads halten.

1719
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, seit 1694 Fürstbischof, beginnt mit dem Neubau des fürstbischöflichen Residenzschlosses. Außerdem lässt er den Dom wiederherstellen und stiftet den Hochaltar von Balthasar Neumann. Beigesetzt ist er im Dom zu Breslau, im Wormser Dom befindet sich ein Denkmal im Westchor.

1721
Der Dichter Johann Nikolaus Götz (1721-1781) erblickt als Sohn eines Predigers in Worms, wo er das Gymnasium besucht, das Licht der Welt. Als Hausleherer, Hofmeister und Feldprediger kommt er weit herum, wird 1754 Oberpfarrer zu Meisenheim, 1761 Konsistorialrat in Winterburg und 1781 Superintendant in Kirchberg. Bekannt geworden ist er durch zahlreiche sinnenfreudige Dichtungen lyrischer Art, die er, weil er selbst Geistlicher war, unter dem Namen ”Anonymus” veröffentlichte. Die Verbundenheit zu seiner Vaterstadt drückt der Rokoko-Dichter deutlich mit den Worten ”Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne..” aus.

1724 - 21. Dezember
Die Wormser Fischerzunft hält in ihrem wiederaufgebauten Zunfthaus ihre erste Versammlung ab.

1725 - 31. Juli
Die Dreifaltigkeitskirche, als Reformations-Gedächtniskirche errichtet, wird am 16. Jahrestag der Grundsteinlegung als erstes großes öffentliches Bauprojekt nach dem Stadtbrand fertiggestellt und feierlich eingeweiht. Um fünf Uhr morgens wird durch Abfeuern des Geschützes, durch Trompeten und Paukenschall von dem Kirchturm die Festlichkeit angekündigt. Die Pläne stammen von dem kurpfälzischen Capitain-Ing. Villancourt. 3000 Personen finden in der Kirche Platz. Die gewölbte Decke ist völlig ausgemalt. Sie wölbt sich über dreiseitig umlaufende Galerien, deren Brüstungen biblische Bilder schmücken. Die Orgel befindet sich im Osten über dem Altar.

1726 - 17. August
Der Grundstein zum Neubau des Gymnasialgebäudes am Marktplatz wird gelegt. Am 12. Dezember 1729 wird es eingeweiht.

1729/30
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732) gründet das Hospital Neuhausen in Form einer Stiftung und stattet es mit reichem Besitz aus. Die Fertigstellung verzögert sich aufgrund Kompetenzstreitigkeiten mit dem Domkapitel, so dass die ersten Waisenkinder (aus dem Hochstift) erst 1749 aufgenommen werden können. Auf der Grundlage eines aus landwirtschaftlichen Flächen bestehenden Hospitalvermögens besteht die Stiftung noch heute fort, ihre Erträge kommen der Wohlfahrtspflege zugute.

1733 - 28. August
In der Sitzung des Wormser Domkapitels wird mitgeteilt, dass die von Johann Friedrich Schannat auftragsgemäß geschriebene Geschichte des Bistums Worms in Druck geht und das Stück fünf Taler kosten wird. Heute besitzt das Werk Quellenwert.

1739 - 26. April
Der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann weilt wegen des Neubaus des bei dem Stadtbrand zerstörten Bischofshofes in Worms.

1739 - 25. Juli
Im „Weißen Löwen“ vor dem Martinstor werden aus altem Glockenmaterial für die Dreifaltigkeitskirche drei Glocken gegossen.

1743
In der Stadt wütet eine schwere Ruhrepedemie. Von ärztlicher Seite schreibt man die Entstehung der Krankheit unter anderem dem Genuss schlechten Bieres zu. Daraufhin ordnet der Rat eine strenge Kontrolle des Bieres durch geeignete, unparteiische Männer an. Diese bilden eine Kommission und müssen sich folgendermaßen verpflichten: "Ich schwöre .... unparteiischen Bericht zu erstatten und dabei weder durch Gabe, Geschenk, Verheißung, Freund- und Feindschaft, noch in anderem Wege von der reinen, lauteren Wahrheit mich verleiten lassen [zu] wolle[n], so wahr mir Gott helfe!"

1743 - August
70.000 Mann des Heeres König Georgs II. von England, der in Worms sein Hauptquartier eingerichtet hat, sind in der Stadt einquartiert.

1744 - 9. Juni
Die reformierte Friedrichskirche wird von Hof- und Kirchenrat Mentzel in Vertretung des preußischen Königs Friedrich II. eingeweiht. In den Grundstein werden die Bibel, der Heidelbergische Katechismus, zwei königlich preußische Medaillen und zwei von dem Magistrat übergebene Stadtmünzen, ein Taler und eine viereckige Gedächtnismünze, sowie eine kleine Zeichnung der Kirche gelegt.

1744
Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) aus dem Herrnsheimer Zweig der Familie Kämmerer von Worms gen. v. Dalberg wird geboren. Der Reichsfreiherr steigt zu hohen Würden auf, gerät aber trotz untadeliger Gesinnung in den politischen Strudel der Napoleon-Zeit. Erzkanzler, Kurfürst von Mainz 1802, Fürstbischof von Worms, Fürstprimas 1806, Großherzog von Frankfurt, Erzbischof zu Regensburg (bis 1813).

1754 - 3. Dezember
Das Wormser Domkapitel beschließt die Anschaffung eines neuen Chorgestühls für den Dom anstelle des 1689 verbrannten.

1756 - 1763
Während des Siebenjährigen Krieges wird die Stadt durch erhebliche militärische Maßnahmen wie Einquartierungen und Kontributionszahlungen belastet.

1757
Neubau des Kapuzinerklosters.

1759
Die Belastungen durch den Siebenjährigen Krieg erreichen ihren Höhepunkt. In Worms wird ein Militärhospital für die sich auf dem Rückzug nach der verlorenen Schlacht bei Minden befindenden Franzosen errichtet. Zahlreiche Kranke und Verwundete müssen aufgenommen werden. Wegen der großen Anzahl muss man auch auf Nachbarorte ausweichen.

1762 - 18. März
Kaiser Franz gewährt der durch den 30-jährigen Krieg, den Brand im Jahre 1689 und andere Unglücksfälle hoch verschuldeten Stadt Worms einen Zahlungsaufschub auf zehn Jahre, wobei 4000 Gulden jährlich abgetragen werden sollen.

1762 - 23. November bis 10. Dezember
20.000 französische Soldaten ziehen durch Worms.

1769 - 21. Dezember
weilt Goethe in Worms in der “Eulenburg” als Gast der Familie von Kampf. Hier trifft er Charitas Meixner, die er in Frankfurt im Haus des Legationsrats Moritz kennen gelernt hatte und der er sich sehr verbunden fühlte.

1772
Der Grundstein für das Bürgerhospital wird an der Ecke Martins- und Hardtgasse (heute steht dort das Amtsgericht) gelegt, nachdem die ”Elendenherberge” in der Mainzer Straße den Anforderungen nicht mehr genügt. Die Fertigstellung des Hospitals erfolgt zwei Jahre später. Unter einem Dach sind Altersheim, Versorgungshaus und Krankenhaus vereint.

1773 - 3. September
Das Jesuitenkolleg wird aufgelöst. Im November beschließt Bischof Emmerich Joseph ein fürstbischöfliches Gymnasium in dem ehemaligen Kolleg und der dazugehörenden Schule zu errichten.

1776 - 4. Januar
Es erscheint die erste Ausgabe einer Wormser Zeitung ”Reichsstadt Wormsisch privilegirtes Intelligenzblatt”. Verlegt wird die Zeitung von dem Buchhändler Heinrich Bender, gedruckt in der Buchdruckerei Kranzbühler.

1778
Wolfgang Heribert von Dalberg (1750-1806), aus der Familie Kämmerer von Worms gen. v. Dalberg, Bruder Karl Theodors, wird Intendant des Nationaltheaters Mannheim, wo er 1782 die “Räuber” und 1784 den “Fiesco” von Friedrich von Schiller uraufführen ließ.

1778
Von einer Brunnennachbarschaft und der Stadt wird am Straßenmarkt - an der Stelle, an der heute der Siegfriedbrunnen steht - ein Brunnen zur Deckung des Wasserbedarfs errichtet. Wegen seines Standortes beim Rathaus ist der Brunnen mit einer Justitiafigur gekrönt (”Gerechtigkeitsbrunnen”).

1782 - 6. November
Friedrich Schiller schreibt an seinen Freund Jacobi, dass er abends um neun Uhr in Worms angekommen sei.

1786 - 11. Juni
Der aus Eygelshoven bei Aachen stammende Peter Joseph Valckenberg (1764-1837) gründet die Weinhandlung Valckenberg. 1784 tritt er in das Handelshaus Friedrich Schuler ein. Mit der Weinhandlung unterhält er Geschäftsbeziehungen nach England. Nach der Säkularisation pachtet er die Liebfrauenmilchweingärten und wird zum Begründer der Liebfrauenmilchwerbung.

1791
Bischof Friedrich Karl Joseph von Erthal stellt dem aus Frankreich geflüchteten Prinz Condé den Wormser Bischofshof zur Verfügung, der von hier aus eine Gegenrevolution führen will. Zu den 5000 Einwohnern kommen noch 2000 französische, vorwiegend adelige Emigranten hinzu.

1792
Ludwig von Skell gestaltet den sich nördlich des Schlosses in Herrnsheim anschließenden barocken Park in einen Englischen Garten um, leicht hügelig, mit großer Wiese, Baumgruppen bzw. kleinem Wäldchen mit Gebüsch am Rand und Weiheranlagen im Osten.

Ab 1792
lenken nach Besetzung durch französische Truppen die Sansculotten die Geschicke der Stadt. Ein Jakobinerclub wird gegründet, ein Freiheitsbaum errichtet. Die Stadt erhält eine Munizipalitätsverwaltung nach französischem Vorbild.

1792 - 5. Oktober
Lediglich 146.436 Livres von der ursprünglich auf 600.000 später auf 300.000 Livres festgesetzten Kontribution kann die finanzschwache Stadt zahlen. Bis zur Zahlung der nochmals auf 80.000 Livres reduzierten Restzahlung müssen Rat und Klerus Geiseln stellen.

1793 - 5./6. März
Als die Geistlichen zum Eid auf die französische Verfassung aufgefordert werden, flüchtet Weihbischof Stephan Alexander Würdtwein in der Nacht vom 5. auf den 6. März verkleidet über Mannheim nach Ladenburg.

1793 - 30. März
Die Franzosen fliehen vor den preußischen Truppen, die am 31. März in die Stadt einrücken. Der Magistrat erhält die alte Funktion zurück. Den Personen, die sich während der letzten Monate den neuen Ideen angeschlossen hatten, wird politische Amnestie gewährt.

1794 - 7. Januar
Die Franzosen kehren nach Worms zurück. Sie beschlagnahmen öffentliche und private Vorräte, auch Kleidung und Wäsche müssen an die Truppen abgegeben werden. Es kommt zu Plünderungen in der Stadt und im Umland.

1794 - 12. Januar
Der fürstbischöfliche Palast, nach Plänen des Barockbaumeisters Balthasar Neumann erbaut, brennt infolge Brandstiftung völlig aus.

1795
Der am 19.2.1795 als Maire der provisorischen Munizipalität eingesetzte Stadtschreiber Daniel Friedrich Kremer muss im November sein Amt aufgeben, als kaiserliche Truppen in Worms einrücken und die alte Verwaltung wieder herstellen.

1796 - 22. März
Auf dem Marktplatz wird ein Freiheitsbaum aufgestellt.

1796 - 11. April
Der letzte Wormser Weihbischof, Stephan Alexander Würdtwein, stirbt in Ladenburg im Exil. Er wird in der St. Sebastianskapelle beigesetzt.

1797
Infolge des Friedens von Campo Formio wird Worms völkerrechtlich Teil der französischen Republik. Der reichsstädtische Magistrat hört auf zu bestehen. Worms, als Kantonshauptstadt und Garnisonsstadt gehört nun zum Arrondissement Speyer innerhalb des Departements Donnersberg (Mont Tonnerre) mit Sitz in Mainz.

1798 - 17. Januar
Die Amtsgewalt vom Magistrat geht auf die provisorische Munizipalität unter dem Maire Daniel Friedrich Kremer über.

1798
Sowohl in Worms als auch in Pfeddersheim wird ein Friedensgericht eingerichtet. Amtssitz des Friedensgerichts Worms ist ein Amtslokal des Stadthauses in der Hagenstraße.

1799 - 24. August
Im Rathaus und nicht im Judenviertel wird die erste Ehe eines jüdischen Brautpaares (David Mannheimer und Hebele Durlach) nach der Zugehörigkeit zu Frankreich geschlossen und im Zivilstandsregister eingetragen.

19. Jahrhundert

Die von Kriegen und Zerstörung gezeichnete ehemalige Freie Stadt wird hessisch. Die Industriealisierung beschert den Menschen Arbeit in zahlreichen Fabriken, die Eisenbahn, Gaslampen und Wasserversorgung. Die Enthüllung des Lutherdenkmals findet weltweite Beachtung. Gegen Ende des Jahrhunderts besucht das russische Zarenpaar die Stadt.

1801 - 13. Juli
Der am 1. Dezember 1800 zum Maire ernannte ehemalige Posthalter Georg Heinrich Strauß lässt in einer symbolischen Aktion die bisher allabendlich zu schließenden eisernen Tore des jüdischen Gettos abreißen.

1803
Nach Auflösung des Wormser Hochstifts und Verteilung des Bistumssprengels auf verschiedene Nachfolgebistümer in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses gibt es keinen Fürstbischof mehr.

Zwischen 1803 und 1810

gehen im Rahmen der Nationalgüterversteigerungen sowohl Gebäude als auch landwirtschaftlich genutzte Flächen aus Kirchenbesitz in Privathand über. Auch die Zunfthäuser werden versteigert. Am 18.4.1805 erhält der Wormser Bürger Cornelius Heyl für das bischöfliche Schloss samt Hofkellerei, Hof und Garten den Zuschlag.

1805
Der Holzhändler Johann Jakob Pistorius wird erster Maire reformierter Konfession.

1807 - 26. Januar
Um 15 Uhr wird auf Veranlassung der Katholischen Pfarrkirche im Gasthaus zum Hirsch die St. Johanniskirche zum Abriss versteigert. Den Zuschlag erhalten der Architekt Georg Philipp Blattner und der Maurer Georg Bernard Betrand.

Ab 1808 bis 1824
lässt Emmerich Joseph von Dalberg in zwei Phasen den Wiederaufbau des Schlosses zu Herrnsheim unter der Leitung des Mannheimer Architekten Jakob Friedrich Dyckerhoff durchführen.

1810
Emmerich Joseph von Dalberg wird von Kaiser Napoléon I. zum Duc erhoben. Als Badischer Gesandter in Paris weilend, tritt er in die Dienste Napoléons. 1815 unterzeichnet er die Achterklärung gegen den von Elba zurückgekehrten Kaiser. Höhepunkt seiner politischen Laufbahn ist die Teilnahme am Wiener Kongress. Zusammen mit Talleyrand war er Hauptfinanzier der Banque Paravey, deren Bankrott im Jahr 1827 ihn einen Teil seines Vermögens kostete.

1813
Der Weinhändler Peter Joseph Valckenberg wird Bürgermeister. Er hat dieses Amt über 25 Jahre bis zu seinem Tode 1837 inne und leitet die Geschicke der Stadt unter französischer, bayerisch-österreichischer und hessischer Oberhoheit.

Angeblich lässt Marschall Marmont den Kreuzgang auf der Südwestseite des Domes niederbrennen, nachdem in dem von den französischen Truppen als Lazarett genutzten Gebäude unter den Kranken Typhus ausgebrochen war.

1816 - Juli
Nach einer Übergangszeit unter der "Gemeinsamen österreichisch-baierischen Landesadministrationskommission" (zeitweise mit Sitz in Worms), kommt die Stadt gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses mit dem Besitzergreifungspatent Großherzog Ludwigs I. mit dem linksrheinischen Gebiet um Alzey, Bingen, Mainz (ab 1818 "Rheinhessen") an das Großherzogtum Hessen. Somit wird die ehemalige Freie Stadt Worms eine hessische Stadt. Die fortschrittlichen Errungenschaften aus der französischen Zeit wie Gerichtsorganisation, Code Napoléon und Zivilstandsregister werden beibehalten.

1817 - 10. Februar
In Regensburg stirbt Carl Theodor von Dalberg, der letzte Kurfürst und Erzbischof von Mainz, auch der letzte Bischof von Worms und Konstanz, ehemals Fürstprimas des Rheinbundes, Großherzog von Frankfurt und resignierter Erzbischof von Regensburg.

1821 - 14. April
Der Hochaltar, die Nebenaltäre und die Kanzel aus der zum Abbruch bestimmten Kirche des Frauenklosters Maria Münster werden in die St. Martinskirche gebracht und hier aufgestellt.

1821 - 30. Juni
Die hessische Gemeindeordnung tritt in Kraft und löst das bis dahin bestehende Gemeinderecht ab.

1822
Die Rheinpforte am Ausgang der Rheinstraße wird auf Abbruch versteigert und verschwindet. Auch die Kirche und sonstigen Gebäude des bis dahin als Kaserne genutzten Klosters Maria Münster in der Speyerer Vorstadt werden zur Versteigerung angeboten.

1824 - 15. Dezember
Die Wormser Volksschule als simultane "Kommunalschule" wird in dem Gebäude, das vorher durch das Gymnasium genutzt worden war, eröffnet. Bei der Einrichtung der Kommunalschule wirkten Bürgermeister Valckenberg, die evangelischen Geistlichen Kirchenrat Graf und Pfarrer Rödinger sowie die katholischen Pfarrer Boll und Geb mit.

1830 - März
Die großherzogliche Regierung in Darmstadt erteilt die Genehmigung, den Ostflügel des gotischen Domkreuzganges niederzulegen.

1832 - 29. Mai
Hambacher Festteilnehmer ziehen in großen Scharen durch die Stadt. Es kommt zu Unruhen, in deren Verlauf Läden gestürmt und Juden misshandelt werden. In den folgenden Wochen werden zahlreiche Verhaftungen und Verurteilungen vorgenommen, die Abhaltung des traditionellen Pfingstmarktes verboten.

Das Wormser Gymnasium erhält das Recht zur Abhaltung von Reifeprüfungen.

1835 - 4. Februar
Der Kreis Worms wird als staatlicher Verwaltungsbezirk eingerichtet. Erster Kreisrat ist Eduard Städel.

1836 - 10. August

Im Wege einer Versteigerung kommen die sogenannten Hamman’schen Zeichnungen für 21 Gulden in den Besitz der Stadt zurück. Nur durch diese Federzeichnungen, gefertigt von Peter Hamman, ist das Erscheinungsbild der Stadt vor ihrer Zerstörung im Jahre 1689 in Gesamtansichten und Einzelzeichnungen bedeutender städtischer Gebäude überliefert.

1838 - 6. Juli
Der Gemeinderat beschließt die Gründung einer städtischen Sparkasse. Am 13.8. wird die Verwaltungskommission gewählt und am 15. Oktober die Geschäftsordnung vom großherzoglichen Kreisrat genehmigt. Am 5. Dezember wird der Betrieb in einem Geschäftszimmer, eingerichtet im alten Rathaus aufgenommen.

1838 - Oktober
Der französische Schriftsteller Victor Hugo erreicht auf einem Dampfschiff Worms. In seinem Reisebericht ”Le Rhin” berichtet er von seinem kurzen Aufenthalt in Worms. Er beschreibt ein eher düsteres Bild: ”Eine sterbende Stadt! Welch feierliches aber trauriges Bild! Die Straßen zerfallen langsam. Wo eine Häuserzeile stand, ist nur noch eine Mauer.......Überall Öde, Einsamkeit, Staub, Ruinen, kurz: die Vergessenheit....Trotz alledem, vielleicht gerade deshalb ist Worms, umschlossen von dem doppelten Horizont der Vogesen und des Taunus, umspült von dem wunderbaren Fluß mit seinen Inseln, umgeben von dem eingefallenen Mauerkranz und dem frischen Grün seiner Umwallung, eine wunderschöne, merkwürdige und sehenswerte Stadt.”

1839
Johann Cornelius III. Heyl gründet zusammen mit seinem Schwager Johann K. Martenstein eine Fabrik zur Herstellung von lackiertem Kalbsleder, die späteren Heyl’schen Lederwerke. Vorläuferin war die 1834 gegründete Saffianledermanufaktur Heyl & Martenstein. Die Fabrik befindet sich im Süden der Stadt auf dem Gelände des vormaligen Klosters Nonnen- bzw. Mariamünster.

Friedrich Gernsheim (1839-1916), Dirigent, Pianist, Komponist, wird geboren. Er stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Familie. Seine musikalische Ausbildung genießt er in Frankfurt und Leipzig. Als Musiker wirkt er in Köln, Rotterdam und Berlin. Sein umfangreiches Gesamtwerk enthält vier Sinfonien, Solokonzerte, Chorwerke, Lieder und Kammermusik.

1840
Die Lederlackierfabrik Doerr & Reinhart entsteht und knüpft an die handwerkliche Tradition der Gerber in Worms an.

1840 - Spätjahr
Nach Schließung der zumeist bei den Kirchen gelegenen Friedhöfe wird der für alle Konfessionen gemeinsame neue Friedhof am Rande des Liebenauer Feldes (heute Albert-Schulte-Park) eingerichtet. Am 24. November erlässt der Kreisrat eine neue Begräbnisordnung.

1841
In das barocke Palais von Prittwitz, um 1720 entstandenes Wohnhaus, wird die Adler-Apotheke verlegt.

1842
Großherzog Ludwig II. erteilt auf Ersuchen der Stadt und des Wormser Handelsstandes die Genehmigung zur Einrichtung einer Handelskammer.

1843 - 14. August
Im Saal des Stadthauses wird die auf dem Pauluskirchhof stehende St. Rupertuskapelle zum Abbruch versteigert.

1844
Generalleutnant Maximilian von Heyl (1844-1925) wird geboren. Er wird Mäzen des Museums und der Lutherbibliothek sowie längjähriger Vorsitzender des Altertumsvereins. Mit seiner Gattin Doris geb. Stein erneuert er das Andreasstift. Zuletzt stiftet er seine Privatbibliothek der Stadtbibliothek Worms.

1844
Auf Wunsch des Erbherzogs Ludwig III. wird ein neuer Paradeplatz, der heutige Ludwigsplatz, entlang der Martinskirche angelegt. Gegenüber liegen die Repräsentationsbauten Wessenberghof und Wambolderhof.

Von 1844 bis 1845
veranlasst Maria Louise Leveson, verwitwete Acton, Tochter von Emmerich Joseph von Dalberg, durch den Mainzer Architekten Ignaz Opfermann den Umbau des Herrnsheimer Schlosses in den Formen des Empire-Stils.

1845 - 12. Mai (Pfingstmontag)
Wormser Bürger treten zu einer ”Katholischen Kirchen-Gemeinschaft im Sinne und Geiste der ursprünglichen christlichen Kirche” zusammen (Deutschkatholiken).

1845
In Worms gibt es drei Fabriken, die Lederlackierfabrik Heyl mit ca. 220 Arbeitern, die Lederlackierfabrik Doerr & Reinhart mit 60 Arbeitern und die Cichorienfabrik J.V. Jungbluth mit 10 Arbeitern.

1846
Die ”Turngemeinde” wird gegründet. Neben dem Turngedanken vertritt sie auch fortschrittliche politische Ansichten und engagiert sich in der Bürgerwehr. Nach dem Scheitern der Revolution 1848/49 wird sie für einige Jahre verboten.

1847 - 25. Oktober
Die obere Schulbehörde beendet die Differenzen, die 1846 durch das Ansinnen des Gymnasialdirektors Dr. Wiegand entstanden, unterschiedlichen Geschichtsunterricht für evangelische und katholische Schüler einzuführen. Der gemeinsame Unterricht wird fortgeführt.

1848 - 1. März
Ein Bürgerkomitee aus Worms überbringt dem Abgeordneten der Stadt in der Zweiten Kammer, dem der liberalen Opposition angehörenden Alzeyer Advokatsanwalt Lehne, die ”Wormser Adresse” mit liberalen Forderungen, darunter die Versammlungs- und Pressefreiheit. Schon nach wenigen Tagen werden diese erfüllt.

1848 10. März
Das Wormser Bürgerkomitee institutionalisiert sich. Nach einer Vollversammlung am 2.4.1848 stehen sich zwei politische Gruppen gegenüber. Zum einen der "Demokratenverein" mit Ferdinand Eberstadt, dem Arzt Dr. von Löhr, dem Gutsbesitzer und Weinhändler Philipp Bandel sowie dem Weinhändler Ludwig Blenker, zum anderen der zahlenmäßig kleinere demokratisch-monarchische Verein, der "Bürgerverein", dem hauptsächlich Kaufleute und Beamte angehören, mit dem Gymnasiallehrer Dr. Friedrich Eich als treibende Kraft.

1848 - 22. März
Großherzog Ludwig III. und seine Frau besuchen Worms. In einem Festzug geleiten die Wormser Bürger die Gäste, die mit dem Dampfboot kommen, vom Rhein zum Lindenplatz. Beim Anlanden wird durch Kanonenschuss das Signal für 101 Kanonenschüsse und Glockengeläut gegeben. Nachmittags um 4 Uhr bilden die Bürger vom Lindenplatz aus wieder Spaliere zum Rhein, es folgen 101 Kanonenschüsse und Glockengeläut.

1849
Ludwig Blenker, Obrist der Bürgerwehr, rückt mit etwa 200 Mann aus Worms aus, um am badischen Aufstand teilzunehmen. Nach der Eroberung von Ludwigshafen scheitert er vor Landau. Er flieht nach Nordamerika, wo er beim Sezessionskrieg 1861 ein deutsches Jägerregiment auf Seiten der Nordstaaten bildet. Als General mit der politischen Führung uneins, zieht sich der ”Haudegen” krank zurück und stirbt kurze Zeit später. Von seiner Ausbildung her war er Goldarbeiter. Er folgte König Otto nach Griechenland und erhielt sein Offizierspatent. Um 1840 war er als Weinhändler in Worms tätig.

1849
Der jüdische Handelsmann Ferdinand Eberstadt amtiert als erster Bürgermeister jüdischen Glaubens. Trotz Freispruch im Rheinhessischen Hochverratsprozeß legt er sein Amt 1852 nieder. Er war in eine Geldbeschaffungsaffäre zugunsten von Gewehren für die Bürgerwehr verwickelt.

Um 1850
Felix Langenbach bringt die ”schwarze” Kunst, aus Steinkohlen Gas zu machen, von England in seine Heimatstadt. Er errichtet eine Gasfabrik im Hof Ecke Friedrichstraße und Sterngasse. Die Gasometer der Besitzer von Gasbeleuchtungen werden mit mobilen Gaswagen beliefert.

1850 - 14. Mai
Rheinhessen wird in zwei Regierungsbezirke eingeteilt. Der Regierungsbezirk Worms umfasst die Friedensgerichtsbezirke Alzey, Osthofen, Pfeddersheim, Wöllstein und Worms.

1851
Der Gemeinderat lädt 77 Bürger zu einer Diskussion über den Standort für den Bau des Bahnhofs ein. Man spricht sich mehrheitlich für den Bau auf dem Rheintorwoog wegen der Nähe zur Stadt aus. Ein Jahr später gibt man den Forderungen der Hessischen Ludwigsbahn nach dem Standort beim Liebenauer Feld nach.

1852 - Januar
Das Gesetz "die Bildung des Ortsvorstandes und die Wahl des Gemeinderates betreffend" tritt in Kraft. Das aktive Wahlrecht wird dadurch so eingeschränkt, dass in Worms nur noch 961 Personen wahlberechtigt sind gegenüber 2200 im November 1849.

1852 - 1. September
Die Weingroßhandlung Langenbach & Co wird gegründet.

1853
Die Linie Mainz-Worms der hessischen Ludwigsbahn wird eröffnet. Sie wird mit der bayerischen Ludwigsbahn zur durchgehenden Strecke Mainz-Worms-Ludwigshafen.

1855
Ludwig Edinger, Neurologe (1855-1918), wird als Sohn des liberalen Kleiderfabrikanten und Stadtverordneten Marcus Edinger geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studiert er in Heidelberg und Straßburg. 1883 lässt er sich in Frankfurt/M. als Arzt und Neurologe nieder. Er arbeitet mit Prof. Carl Weigert in den Senckenbergischen Instituten zusammen, wird 1896 Professor. Er begründet das Neurologische Institut, das seit 1914 zur Universität Frankfurt gehört (heute Edinger-Institut).

1855 - 14. Juni
Großherzog Ludwig III. weiht die Wormser Schiffsbrücke zwischen Worms und dem Rosengarten ein. Deren Errichtung geht auf den unermüdlichen Einsatz des Wormser Gemeinderatsmitglieds und Mitglieds in der II. Hessischen Kammer, Gymnasiallehrer Dr. Johann Friedrich Eich, zurück.

1856
Die Wollgarnspinnerei Worms am Rhein übernimmt die um 1850 entstandene Kunstwollfabrik Gustav Schoen & Co., angesiedelt in der Mainzer Vorstadt im Norden.

1856 - 10. Mai
Bürgermeister Franz Euler leitet zum letzten Mal eine Sitzung des Wormser Stadtrates, ehe er sein Amt seinem Nachfolger, dem Bürgermeister Adam Joseph Betz, übergibt.

1857
In kurzer Zeit hat sich die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichtete Stadt gewandelt. Es bestehen in Worms elf Fabriken, die jeweils mindestens zwanzig Arbeiter/innen, insgesamt 2098, beschäftigten. Neben den Lederfabriken und der Wollgarnspinnerei Worms AG finden sich die Tabakfabrik Leonhard Heyl & Comp. (188 Arbeiter), mehrere Cigarrenfabriken (M. Mannheimer, van der Leeuw & Comp., Abenheimer & Jaberg, J.G. Mayer), die Cichorienfabrik J.V. Jungbluth und die Maschinenfabrik Gebr. Kaibel.

Die Lederfabriken exportieren ihre Waren Ende der 50iger Jahre vorwiegend ins Ausland bis nach Ostindien, Russland und Amerika. Ähnliches ist für die Wollgarnspinnerei zu beobachten.

1858
Markus Levy gründet Ecke Kämmererstraße und damaligem Paradeplatz (Ludwigsplatz) die erste Wormser Privatbank.

1859 - 9. Mai
Englische Fräulein aus der Mainzer Kongregation eröffnen eine Privatmädchenschule auf dem Fruchtmarkt (Weckerlingsplatz) mit 60 Schülerinnen aus katholischen Wormser Familien. 1866 ziehen sie in ein Gebäude auf dem Domkeller (Schloßgasse 6).

1860 - Januar
Zum ersten Mal werden die Straßen der Stadt durch Gaslampen beleuchtet. Am 8. Januar wird beim Ball des Sängerbundes der Kasinosaal durch Gaslampen erhellt, deren Licht durch einen dreifachen Tusch der Kapelle begrüßt wird.

1860
Ein Vorschuss- und Kreditverein auf genossenschaftlicher Basis wird auf Initiative des mit Schulze-Delitzsch persönlich bekannten Kleiderfabrikanten Markus Edinger gegründet, die spätere Volksbank.

1861
Dr. Heinrich Konrad Schneider gründet eine Privatschule für die schulische und fachliche Bildung von Landwirten. Sie wird später mit der ebenfalls von Dr. Schneider eingerichteten Brauerakademie zur „Akademie für Bierbrauer und Landwirte“ vereinigt.

1863 - 18. Oktober
Unter Teilnahme des größten Teils der Bevölkerung wird die 50. Wiederkehr des Jahrestages der Schlacht von Leipzig begangen. Es wird für das fortwährend bedrängte Schleswig-Holstein gesammelt und am 30.11.1863 ein Schleswig-Holstein-Comité gegründet.

1865 - 25. August
Der Chemiker Paul Lehmann gründet in der Römerstraße 14 eine Brauerschule.

1867
Es wird eine neue Straßennummerierung eingeführt. Anstelle der früheren, von den Franzosen eingeführten Kombination von Buchstabe für das jeweilige Stadtquartier und Hausnummer tritt eine der Straße zugeordnete Hausnummer. Auf Kosten der Stadt werden gusseiserne Schilder für Straßen und Häuser angebracht.

1867 - 18. April
Die Strecke Worms-Pfeddersheim-Monsheim-Alzey der Hessischen Ludwigsbahn wird eröffnet.

1868 - 25. Juni
Das Lutherdenkmal, weltweit größtes Reformationsdenkmal, gestaltet von Ernst Rietschel und seinen Schülern Donndorf, Schilling und Kietz, wird eingeweiht. Initiator war der Lutherverein, der Spenden aus aller Welt gesammelt hat. Die weltweit beachtete Denkmalsenthüllung in Anwesenheit des Königs von Preußen sowie zahlreicher deutscher Fürsten wird von fast 100.000 Festbesuchern verfolgt.

Anlässlich der Enthüllung werden preußische Orden an Dekan Eduard Franz Keim, Präsident des Lutherdenkmal-Vereins, Gymnasiallehrer Dr. Friedrich Johann Eich, Vizepräsident, und Sekretär Edelmann verliehen. Dekan Keim und Gymnasiallehrer Eich werden zu Ehrenbürgern ernannt.

1869 - 11. Oktober
Generalfeldmarschall Moltke hält sich mit seiner Frau in Worms auf und wohnt im Hotel „Zum Alten Kaiser“ in der Andreasstraße. Ein Jahr später wird Molktke Ehrenbürger der Stadt.

1869/70
Die Bahnstrecken von Darmstadt und Bensheim durch das Ried nach Worms sind befahrbar. Die Reisenden und Waren fahren bis zum Bahnhof Rosengarten, gegenüber von Worms. Mit dem Dampfboot, später Trajekt, werden sie dann zur linksrheinischen Station Worms-Hafen übergesetzt. Erst 1900 wird die Eisenbahnbrücke gebaut.

1870
Eugen Kranzbühler, Provinzialdirektor und Kunsthistoriker (1870-1928) wird geboren. Er stammt aus einer Wormser Buchdruckerdynastie. Nach Jurastudium wird er hessischer Staatsbeamter, Provinzialdirektor von Starkenburg. Er gilt als Wiederentdecker der Architektur des mittelalterlichen Worms. Seine Bücher ”Verschwundene Wormser Bauten” und ”Worms und die Heldensage” weisen ihn als Kenner und Freund der Wormser Stadtgeschichte aus.

1870 - 31. Oktober
Der Lutherbaum in Pfiffligheim westlich von Worms wird durch einen Sturm seiner Krone beraubt.

Von etwa 1870 bis nach dem Ersten Weltkrieg
wird die Stadt politisch von den Nationalliberalen unter Führung der Lederindustriellenfamilie von Heyl dominiert.

1870/71
Das Bahnhofsgebäude wird durch Anbau zweier Flügel erweitert.

1872 - 21. September
Großherzog Ludwig III. besucht die Lokal-Gewerbe-Schau, die der Wormser Lokalgewerbeverein anlässlich der Generalversammlung des hessischen Landesgewerbevereins am 11.September über mehrere Wochen im Schulhaus hinter der Dreifaltigkeitskirche veranstaltet.

1873 - 1. März
Die freiwillige Feuerwehr wird gegründet, Adam Heinrich Bender zum Branddirektor gewählt.

1874
Eine Straßenunterführung nach Neuhausen, der ”Neuhauser Tunnel”, wird gebaut.

1874 - 13. Juni
Die neue Städteordnung für das Großherzogtum Hessen tritt in Kraft. Erster hauptamtlicher Bürgermeister wird der Jurist Friedrich Heimburg.

1874 - 21. Oktober
Die städtische höhere Mädchenschule (heutige Eleonorenschule) wird eröffnet.

1875
Die Levy’sche Synagoge, umgestaltet aus einem Getreidemagazin (Judengasse 29), wird fertig gestellt. Der vermögende Getreidehändler Leopold Levy hat sie nach Vorschlägen und Plänen des Maurermeisters Johann David Strauß auf eigene Kosten errichten lassen, um diese Synagoge für strengere, konservative Gottesdienstformen zur Verfügung zu stellen.

1876 - 3. Januar
Das neue Volksschulgebäude wird seiner Bestimmung übergeben. In dem Schulgebäude an der Neuen Schulstraße (Karmeliterstraße) werden alle Klassen bis auf die fünf unteren, im alten Schulgebäude verbleiben, vereinigt. Der Keller des neuen Schulbaus wird an die Weinfirma Langenbach vermietet.

1877
Die Reichspostverwaltung kauft für 85.000 Mark den sogenannten Wessenberger Hof (Kämmererstraße 50) von dem Fabrikbesitzer N. A. Reinhart. Zwei Jahre später wird das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau für die Post (1945 zerstört) ersetzt.

Die Heylsche Stipendienstiftung, eingerichtet durch die fünf Enkel der Eheleute Cornelius Heyl und Wilhelmine Heyl geb. Martenstein, erhält die notwendige landesherrliche Zustimmung. Die Unterstützung soll begabten Kindern aus Arbeiterfamilien zur persönlichen Ausstattung und für eine angemessene Ausbildung zur Verfügung stehen.

1879 - 14. Juli
Bürgermeister Friedrich Heimburg wird in Worrets Lokal in der Carmeliterstraße (WilhelmLeuschner-Straße) zum 1. Vorsitzenden des neu gegründeten Altertumsvereins gewählt. Zweck der Vereinsgründung ist die ”Erforschung der Geschichte der Stadt Worms und ihrer Umgebung und Sammlung und Erhaltung der hierauf bezüglichen Schriften, Drucksachen und Alterthümer”. 1886 zählt der Verein 617 Mitglieder.

1879
Im Zuge einer Neuordnung des Gerichtswesens wird Worms Sitz eines Amtsgerichts mit zwei Amtsrichtern und einer Amtsanwaltschaft und bezieht zum 1. Oktober 1979 das frei gewordene Schulgebäude des Gymnasiums neben dem Pfandhaus in der Wollstraße.

In fabrikmäßig betriebenen Produktionsstätten sind 2967 Arbeitskräfte beschäftigt. Die Branchen umfassen 6 Lederfabriken und Gerbereien, 5 fabrikmäßig betriebene Bierbrauereien, je 3 Degrasfabriken, Maschinenfabriken und Malzfabriken, 2 Dampfmühlen, 2 Knochenpräparatfabriken, je 1 Kammgarnspinnerei, Kunstwollfabrik, Zigarrenfabrik, Wasserglas- und Seifenfabrik, Kaffeesurrogatfabrik, Oelfabrik, Patronenhülsenfabrik und Nudelfabrik.

1880 - 14. April
Das Gymnasialgebäude wird offiziell mit Schlusssteinlegung und Einweihung seiner Bestimmung übergeben. Dr. Adalbert Becker, Gymnasialdirektor, verfasst aus diesem Anlass eine Schulgeschichte.

1881
Der Basler Privatdozent für Geschichte Prof. Dr. Heinrich Boos beginnt mit der Ordnung und Verzeichnung der Bestände des Wormser Stadtarchivs, finanziert durch den Lederindustriellen und nationalliberalen Politiker C. W. (Freiherr) Heyl (zu Herrnsheim).

Auf Initiative des Rittmeisters Max Heyl wird am 9. Oktober das Paulusmuseum, vom Altertumsverein in der auf 30 Jahre angemieteten Pauluskirche eingerichtet, feierlich eröffnet. Zahlreiche Schenkungen waren an das Museum ergangen, Dr. Koehl stellte seine umfangreiche archäologische Sammlung leihweise zur Verfügung.

1882 - Dezember bis Januar 1883
Durch ein verheerendes Hochwasser bricht der Hammelsdamm an zwölf Stellen. Am 29. Dezember erreicht der Rhein den Höchststand von 6,21 m. Das alte Schulhaus und Räume des Martenstein’schen Hauses, von Kommerzienrat Heyl zur Verfügung gestellt, dient den evakuierten Einwohnern als Unterkunft. Die Diskussionen über die Rheinregulierung und einen anderen Verlauf des Dammes werden forciert.

1883 - 31. Oktober
Anlässlich des 400. Geburtstages Martin Luthers übergibt Rittmeister Max Heyl in Anwesenheit von Großherzog Ludwig IV. an Bürgermeister Küchler als Stadtoberhaupt und Vorsitzendem des Altertumsvereins die "Lutherbibliothek”. Sie enthält neben einigen Autographen vor allem Drucke von Schriften Luthers und seiner Gegner.

1883
Lord John Dalberg-Acton veräußert den gesamten Herrnsheimer Besitz, Schloss, Park usw. an den Wormser Industriellen Cornelius Wilhelm Heyl.

1883 - November
In umgebauten Altarraum der Dreifaltigkeitskirche wird das Volksschauspiel ”Luther”, verfasst von dem Schriftsteller und Dramatiker Dr. Hans Herrig, aufgeführt. Es wird ein triumphaler Erfolg. Das mehrfach wiederholte Spiel wird auch von Großherzog Ludwig IV. mit seiner ganzen Familie besucht. Alle Rollen bis auf die Hauptrolle sind mit Laien besetzt. Luther wird dargestellt durch den in Stuttgart im Engagement stehenden Wormser Schauspieler Albert Bassermann.

1884
Nicolaus Reuß, Pfarrer an St. Martin, erhält die Ehrenbürgerrechte für die Verdienste um die Rettung der Liebfrauenkirche, die einzustürzen drohte.

Das im Auftrag von Commerzienrat C.W. (v.) Heyl nach Plänen des Schweizer Architekten Alfred Friedrich Bluntschli in Formen den Neubarock errichtete schlossähnliche Palais Heylshof wird vollendet.

1885 - 17. Mai
Nach einer Bürgerversammlung wird ein Bürgerkomitee gebildet, das gemeinsam mit Oberbürgermeister Küchler und den Wormser Mitgliedern der Ständekammer C.W. (von) Heyl und Nikolaus Andreas Reinhart das Projekt einer festen Rheinbrücke vorantreiben sollte. Die Leitung des vorwiegend aus Kaufleuten bestehenden Gremiums übernimmt der Stadtverordnete Dr. Schneider.

1885 - 14. April
Die erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet in dem neuen Sitzungssaal des nach Plänen Gabriel von Seidls umgebauten Stadthauses statt. Das prunkvoll gestaltete Sitzungszimmer wird durch ein monumentales Fresko von Prell an der Ostwand des Raumes beherrscht, das die Übergabe der Zollfreiheitsurkunde von 1074 durch König Heinrich IV. an die Bürger von Worms darstellt.

1886 - 1. April
Karl Hofmann, der seit Frühjahr 1885 als Architekt der Hospitalverwaltung tätig war, tritt die Stelle des Stadtbaumeisters als Nachfolger von Ludwig Euler (1866-1886) an. Er wird zum Planer und Gestalter eines ”neuen Worms”.

1886
Der Lederindustrielle Cornelius Wilhelm (von) Heyl (zu Herrnsheim) (1843-1923) wird nobilitiert. Als nationalliberaler Abgeordneter des Reichstages und der ersten Kammer der hessischen Landstände sowie als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung (1874-1911) nimmt er eine herausragende politische, wirtschaftliche und kulturelle Position in der Stadt ein. Außer zahlreichen wohltätigen und sozialen Einrichtungen stiftete er das Kunsthaus Heylshof. Durch sein Wirken gelangt die Wormser Lederindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Weltruf.

1887 - 5. Juni
Die neu errichtete Gewerbeschule Ecke Seidenbender- und Gewerbeschulstraße wird feierlich eröffnet. Träger der Bildungseinrichtung ist der Ortsgewerbeverein, der durch günstige finanzielle Konstellationen, unter anderem Stiftungen, in der Lage war, den Hospitalbaumeister Karl Hofmann mit dem Bau zu beauftragen.

1887 - September
Ein Projekt für die Wasserversorgung der Stadt wird nach eingehenden Wasser- und Bodenqualitätsuntersuchungen vorgelegt. Bis in die 80iger Jahre versorgten sich die Einwohner aus öffentlichen oder privaten Pumpbrunnen.

1888
Wilhelm Küchler (1846-1900), seit 1882 Bürgermeister, wird zum Oberbürgermeister ernannt. Unter ihm kommt es zum Aufblühen und zur Neuorientierung der Stadt: Wasserversorgung, Hafen- und Uferbau, Krankenhaus, Stadtplanung und -erweiterung, kulturelle Einrichtungen, Vorbereitung des Baues der Rheinbrücke. 1898 wird er zum Hessischen Finanzminister berufen und bald darauf zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

1888 - 14. Oktober
Das neue Krankenhaus wird eingeweiht und in Dienst gestellt. Der Hauptbau, der Verwaltungbau, ist dreigeschossig mit zweigeschossigen Flügeln. Im rechten Winkel dazu stehen sich zwei langestreckte Baracken gegenüber, die die Männer- und Frauenstation beherbergen. Im Westen, parallel zum Hauptbau befindet sich der Küchenbau, hinter diesem die Isolierbaracke. In der äußersten Ecke des großzügigen Terrains wird die Leichenkapelle errichtet.

1888 - 1. Dezember
Der am 21. Mai 1859 geschlossene Pachtvertrag für das Gaswerk wird vorzeitig gelöst, da sich das Pachtsystem für die Gasversorgung nicht bewährt hat. In der Klosterstraße wird ein neues Gaswerk gebaut, das im November 1889 unter städtischer Verwaltung in Betrieb genommen wird. Die Tageleistung beträgt etwa 5000 Kubikmeter.

1889 - 20. Oktober
Das Wasserwerk kann den Betrieb aufnehmen. Das Wasser wird ca. 1,5 Meter unter der Rheinsohle entnommen, zum Pumpwerk in die Klosterstraße geleitet, filtriert und in das Rohrnetz eingespeist.

1889 - 20. November
Das Theater wird eröffnet. Prof. Friedrich Gernsheim schreibt zur Eröffnung einen vierstimmigen Chor mit Orgelbegleitung. Das von Otto March entworfene Spiel- und Festhaus wurde erbaut auf Initiative des Fabrikanten und Stadtverordneten Friedrich Schoen mit privaten Mitteln, Spenden Wormser Bürger und einem städtischen Zuschuss.

1890 - 1. September
Der rund 58 m hohe Wasserturm wird fertig gestellt. Ein Monat später erfolgt die erste Füllung des 1200 m³ fassenden Hochbehälters mit Wasser. Mit der architektonischen Gestaltung hat der Stadtbaumeister Karl Hofmann einen lokaltypischen Stil geschaffen, die ”Wormser Neuromanik”. Bis zum Jahr 1962 dient der Turm der Wasserversorgung.

1890-1893
In Verbindung mit der Rheinregulierung und notwendigen Dammbauten wird der Handelshafen gebaut. Wegen finanzieller Schwierigkeiten können die vorgesehenen Baumaßnahmen nicht in geplanter Größenordnung durchgeführt werden.

1890 - 13. Dezember bis 1891 30. Januar
Die Schiffsbrücke muss für fast sieben Wochen wegen Eis auf dem Rhein im Winterhafen bleiben. 600 Arbeiter aus dem rechtsrheinischen Gebiet können wegen Eis acht Tage lang nicht zur Arbeit nach Worms.

1891
Die öffentliche Armenpflege wird neu geordnet. Die Stadt wird in neun Bezirke eingeteilt mit je einem Bezirksvorsteher. Ihm werden ehrenamtliche Armenpfleger zugeteilt.

1893 - 22. April
Der Großherzog erteilt der Stadt die Konzession zum Lokomotivbetrieb auf den in Verbindung mit den Hafenanlagen erbauten Gleisstrecken. Die Hafenbahn unter städtischer Regie nimmt den Betrieb auf.

1894 - 7. Dezember
Der Gemeinderat von Neuhausen lehnt auf Anfrage des Kreisamtes eine Eingemeindung nach Worms ab.

1895 - 1. Januar
Die metereologische Station in Worms beginnt mit ihren Messungen.

1895
Die Bürgerschaft errichtet auf dem Paradeplatz (heute Ludwigsplatz) ein Denkmal für Großherzog Ludwig IV. (+1892) von Hessen zur Erinnerung an die militärischen Leistungen der großherzoglichhessischen Truppen im Krieg 1870/71. Mittelpunkt des von Stadtbaumeister Karl Hofmann in einer Gesamthöhe von 24,30 Meter geschaffenen Denkmals bildet ein von zwei Löwen flankierter Obelisk. Das Denkmal wird am 15. Juli in Anwesenheit von Großherzog Ernst Ludwig und seiner Schwester Prinzessin Viktoria enthüllt.

Anläßlich eines Besuches des Hessischen Großherzogspaares stellt Cornelius Freiherr von Heyl zu Herrnsheim sein Gelände im Liebenauer Feld im Westen der Stadt nahe dem Vorort Neuhausen zur Errichtung von Arbeiterwohnungen zur Verfügung. Bis 1912 wird das Kernstück mit 42 Häusern (84 Wohnungen) bebaut für die Arbeiter der eigenen Lederwerke, das übrige Gelände für andere Arbeiter und Minderbemittelte.

1896 - 10. März
Infolge Hochwasser des Rheins bricht um zwei Uhr in der Nacht der Damm des sogenannten verschlossenen Wörths und verursacht eine große Überschwemmung.

1896 - 9. Juni
Die sogenannte Buschbahn, die erweiterte Strecke der städtischen Hafenbahn nach dem Oberen Busch, wird in Betrieb genommen.

1897
Auf Initiative von Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim wird die ”Aktiengesellschaft zur Erbauung billiger Wohnungen namentlich zum Besten von Arbeitern in Worms” auch unter maßgeblicher Beteiligung der übrigen Wormser Geschäftswelt gegründet, die bis 1913 weitere 112 Häuser mit 224 Wohnungen errichtet. Die Arbeiterkolonie erhält den Namen ”Kiautschau” nach dem vom Deutschen Reich 1898 erpachteten Gebiet auf der chinesischen Halbinsel Schantung.

1897 - April
Die Bemühungen der Stadt um den Status einer Garnisonsstadt geht mit dem Bezug der neu erbauten "Prinz-Carl-Kaserne" durch das 118er Regiment endlich in Erfüllung.

1898 - 1. Januar
Die Liebfrauenkirche wird wieder Pfarrkirche durch Einrichtung einer Pfarrkuratie.

1898 - 1. April
In einer öffentlichen feierlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, an der Bürgermeister und Gemeinderat von Neuhausen teilnehmen, wird die Eingemeindung von Neuhausen (ca. 2000 Einwohner) vollzogen. Am 1. Oktober folgt die Eingemeindung von Pfiffligheim und dem ”Schreinerdorf” Hochheim.

1898 - 4. Juni
Die erste Ausgabe der „Wormser Volkszeitung, unabhängige politische Tageszeitung für Rheinhessen, Starkenburg und die Pfalz“ erscheint zum monatlichen Abonnementpreis von 30 Pfennigen.

1899 - 23. September
Im Speyrer Hof wird der Ortsverband des Deutschen Metallarbeiterverbandes mit 30 Mitgliedern gegründet.

1899 - 7. Oktober
Zar Nikolaus II. und Kaiserin Alexandra Feodorowna, Schwester Großherzog Ernst Ludwigs, besuchen in Begleitung des Großherzogspaars Worms. Prof. Heinrich Boos präsentiert das "Reichsstädtische Archiv", Prof. August Weckerling zeigt das Paulusmuseum, Propst Fehr und Prof. Karl Hofmann führen durch den Dom. Im November verleiht Zar Nikolaus II. Oberbürgermeister Heinrich Köhler und Stadtbaumeister Karl Hofmann den St. Stanislausorden II. Klasse.

1899 - 22. Dez.
Die Ehrenbürgerrechte werden an Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim für seine finanzielle und ideelle Förderung, die er dem Stadtarchiv angedeihen ließ, verliehen. Gleichzeitig erscheint der dritte Band der ”Geschichte der rheinischen Städtekultur” von Prof. Heinrich Boos (4 Bde., 1897 - 1901).

20. Jahrhundert

Worms bekommt zwei (feste) Rheinbrücken und eine Straßenbahn. Die Wormser Lederindustrie blüht und gibt Tausenden Arbeit. Zwei Kriege erschüttern die Welt, 1945 liegt Worms in Trümmern, die jüdische Gemeinde ist ausgelöscht. Die Nachkriegsjahre sind geprägt von Entbehrungen, Wiederaufbau und Neubeginn.

1900
Die 40.000 Einwohner-Marke wird überschritten. Von den 40.714 Einwohnern sind 63,6 % evangelischer, 32,4 % katholischer und 3,1 % israelitischer Konfession, 0,6 % gehören sonstigen Glaubensgemeinschaften an.

Die Fertigstellung zweier Brücken führt endlich zur Unabhängigkeit der Stadt bei Behinderungen durch Hochwasser und Eisgang. Am 26. März 1900 wird die erste feste Straßenbrücke über den Rhein (Ernst-Ludwig-Brücke) in Anwesenheit des Großherzogs Ernst Ludwig und seiner Familie sowie Vertretern der Regierung eingeweiht. Links- und rechtsrheinisch steht ein Brückenturm mit Durchfahrt. Freiherr von Heyl stiftet einen Prunkpokal mit einem Modell der Brücke. Die Eisenbahnbrücke wird am 30. November 1900 ihrer Bestimmung übergeben und am folgenden Tag in Dienst gestellt.

1900 - 19. April
Die neu errichtete Nibelungenschule wird ihrer Bestimmung übergeben.

1900 - 16. Mai
Mit Booten fährt man zum Empfang der Torpedoboots-Division bis auf die Höhe von Rheindürkheim-Ibersheim entgegen. Tausende erwarten die Landung der Torpedoboote am Rheinufer in Worms.

1901 - 9. November
Das Elektrizitätswerk in der Klosterstraße wird eingeweiht. Zwei stehende Verbunddampfmaschinen von je 350 PS und eine Batterie für 540 Amperestunden sowie das Kabelnetz von 37 km Gesamtlänge werden in Betrieb genommen.

1901 - 26. Januar
Volksbücherei und Lesehalle werden in der Domdechaneikasere eröffnet. Sie soll für jedes Bildungsbedürfnis, ”für alle Bürger, einerlei welcher Richtung sie angehören”, dienen.

1902 - 23. März
Der neu angelegte allgemeine städtische Friedhof auf der Hochheimer Höhe wird seiner Bestimmung übergeben.

1903
Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, das sogenannte „Wäldchen“, südlich der Stadt an der Rheinaue gelegenes Erholungsgebiet mit dem beliebten Ausflugslokal „Ludwigslust“, parkähnlich auszubauen.

1903
Der Lederfabrikant Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl lässt in der Paulusstraße 9 das Diakonissenheim mit der Privatklinik „Sophienhaus“, benannt nach der Ehefrau des Stifters, einrichten.

1904
Initiiert durch Konrad Fischer, Redakteur beim Wormser Tageblatt, wird erstmals das "Rosenfest" gefeiert in Anlehnung an das Lied vom "Rosengarten in Worms". Der Heimatschriftsteller Georg Richard Roeß verfasst zu den bis zum Jahr 1907 (Weggang Fischers) veranstalteten Feiern Rosenfest-Hefte.

1904 - 26. November
Das Küchler-Denkmal wird enthüllt zur Erinnerung an den ehemaligen Oberbürgermeister (1882-1898) und späteren großherzoglich hessischen Finanzminister Wilhelm Küchler. Der Entwurf des auf dem Lindenplatz gegenüber dem Stadthaus errichteten Standbildes stammt von Johann Hirt. Nach einem Ratsbeschluss am 25.9.1957 wird das Denkmal in die
Grünanlage gegenüber dem altsprachlichen Gymnasium umgesetzt.

1905 - 18. Oktober
Das städtische Grundwasserwerk, gelegen im rechtsrheinischen Bürstädter Wald, wird feierlich eingeweiht. Die geladenen Gäste werden um 11 Uhr am Hauptbahnhof abgeholt und zur Besichtigung gefahren. Das neue Werk löst die Wasserversorgung aus dem Flusswasserwerk ab, wodurch bessere hygienische Bedingungen geschaffen werden. Die technische Inbetriebnahme erfolgt am 21. Oktober.

1905 - 16. November
Es erfolgt die Trennung zwischen dem Humanistischen Gymnasium und der Oberrealschule. Jede Schule wird selbständig. Im Dezember wird nach 2 1/2-jähriger Bauzeit das groherzogliche Gymnasium am Barbarossaplatz eingeweiht. Wesentlichen Einfluss auf die Planung und Detailausgestaltung hatte der Regierungsbaumeister Alexander Beer.

1905/06
Das von Johann Hirt geschaffene Hagenstandbild, eine Galvanoplastik, wird im Stadtpark, dem sogenannten "Wäldchen" aufgestellt. Hagen schleudert den auf einem Schild aufgehäuften Nibelungenschatz von einem Boot aus in den Rhein.

1906 - 19. März
Bei Arbeiten am Fundament im Rahmen der umfassenden Domrestaurierung unter dem Ostchor wird auch die Saliergruft mit ihren Gräbern freigelegt.

1906 - 18. Oktober
Der im August 1904 begonnene Neubau der ”Höheren Töchterschule” nach Plänen von Stadtbaumeister Metzler wird eingeweiht. Während der Feierlichkeiten gibt Oberbürgermeister Köhler als Überraschung bekannt, dass die Schule kraft höherer Entschließung die Schule den Namen der Großherzogin tragen darf und ”Eleonorenschule” heißen wird.

1906
Fertigstellung der Straßenbahn. Das Schienennetz verbindet die alten und neuen Stadtteile miteinander. Endhaltestellen werden am Barbarossaplatz unweit der Straßenbrücke, am sogenannten ”Vorstadtbahnhof” nahe den Heyl’schen Lederwerken, in der Nähe des Kriegerdenkmals und des Haupteingangs der Lederwerke Liebenau in Neuhausen, am Zentralfriedhof Hochheimer Höhe und bei der evangelischen Kirche in Pfiffligheim eingerichtet. Am 21. Dezember wird die Wagenhalle im Liebenauerfeld zwischen der Arbeitersiedlung ”Kiautschau” und Neuhausen in Betrieb genommen.

1907 - 7. Februar
Der Stadtrat genehmigt den Durchbruch der Stadtmauer im Zuge der neu errichteten Karolingerstraße, bekannt als das Raschitor. Im März wird mit den Arbeiten für den Durchbruch der Stadtmauer beim Andreasstift und für den Einbau des Andreastores begonnen.

1908 - 4. August
Graf Zeppelin überquert mit seinem Luftschiff bei seiner Fernfahrt von Friedrichshafen nach Mainz um 14.45 Uhr Worms. Über der Stadt führt er verschiedene "Evolutionen" aus. Am 7. August wird er zum Ehrenbürger ernannt.

1909
Friedrich Wilhelm (von) Schoen (1849-1941) wird für seine Verdienste um die Glyptothek in München, wo er seit 1892 lebte, nobilitiert. Er war Teilhaber der Lederwerke Cornelius Heyl AG und gründete 1896 die Triberger Elektrizitätswerke. Als Stadtverordneter setzte er sich für Rheinregulierung ein. 1883 initiierte er die Lutherspiele. Außerdem war er Initiator des ideeell wie finanziell von ihm geförderten Baus des Spiel- und Festhauses. 1939 wird ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen.

1909
Die Stadt richtet eine Zahnklinik ein, in der ein Zahnarzt kostenlos erkrankte Zähne der Schulkinder kostenfrei behandelt.

1910 - Juni
Bei den Restaurierungsarbeiten am Wormser Dom wird auf der erneuerten Ostkuppel das Kreuz aufgesetzt.

1910
Das Cornelianum mit Festsaal und Nibelungenbildern, gestiftet von C.W. Freiherr von Heyl, erbaut von Th. Fischer, wird fertig gestellt. Der Repräsentationsbau ist in seiner Architektur geprägt von der seit ca. 1880 allgemein starken Rückbesinnung auf die Stadtgeschichte und die Heldensage. Nach 1945 wird das teilzerstörte Gebäude nicht wieder aufgebaut.

1910 - 18. August
Oberhalb von Neckarsteinbach auf dem Hohen Darsberg wird das auf Initiative des ”Vereins für Erholungspflege von Schulkindern e. V. in Worms” errichtete Erholungsheim in Betrieb genommen.

1911 - 20. April
Die Elektrizitätswerk Rheinhessen A.-G. Worms wird als gemischt-wirtschaftliches Unternehmen gegründet. Ihr Zweck: ”Die Versorgung der Stadt Worms, der Provinz Rheinhessen und benachbarter Gebiete mit elektrischer Energie, die Herstellung, der Erwerb, der Betrieb und die Verwertung von Anlagen, welche den elektrischen Strom anwenden oder zum Betrieb durch Elektrizität sich eignen, die Beteiligung bei solchen oder verwandten Unternehmungen sowie die Erwerbung und Verwertung einschlägiger Konzessionen.” Das Aktienkapital stammt jeweils zur Hälfte von der Stadt Worms und der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft.

1911 - 1. Juni
Die Wormser Polizei wird um eine neue Abteilung „Rheinwache“ erweitert.

1911 - 20. November
Die Friedhofskapelle des neu angelegten israelitischen Friedhofs auf der Hochheimer Höhe wird ihrer Bestimmung übergeben.

1912 - 15. Juni
Das Wöchnerinnenheim ”Mathildenheim” in unmittelbarer Nähe der Arbeiterwohnsiedlung auf dem Liebenauerfeld wird in Dienst gestellt. Es gehört zum sozialpolitischen Programm des Freiherrn von Heyl.

1912 - 12. Juli
In der Kunstmühle der Firma Baruch und Schönfeld bricht ein furchtbarer Brand aus. Die Mühle brennt bis auf die Umfassungsmauern nieder.

1912 - 12. November
Die Lutherkirche, die nördlich im Anschluss an die Eleonorenschule ab 1910 durch den Architekturprofessor und Kirchenbaumeister der evangelischen Landeskirche für Hessen, Friedrich Pützer, errichtet wurde, wird eingeweiht. An der Innenausstattung wirkten Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie mit. Die Orgel stifteten C.W. Freiherr von Heyl und seine Frau.

1912
Stadtbaumeister Georg Metzler (1898-1933) erbaut den städtischen Schlachthof in Formen des Jugendstils. Die Anlage, die sich aus mehreren Einzelgebäuden zusammensetzt, ist nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattet.

1913 - 4. Juli
Im 75. Jahr ihres Bestehens wird das neue Sparkassengebäude an der Moltkeanlage (heute: Adenauerring) eröffnet. Parallel findet die Eröffnung der Städtischen Gemäldegalerie im Haus statt, die zunächst noch auf Leihgaben aus Darmstadt angewiesen dort im zweiten Stock 18 Jahre lang ihr Domizil hat.

1913
Die Landhaussiedlung im Westend, westlich der Alzeyer Straße, entsteht nach Plänen von Heinrich Metzendorf in den klaren Formen des Darmstädter Jugendstils durch die Landhausgesellschaft Bergstraße m.b.H.

1913 - September
Das Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise“ landet auf dem rechtsrheinischen Exerzierplatz und nimmt Passagiere an Bord.

1914
Kurz vor Kriegsausbruch wird von Dr. Erich Grill der "Wormser Bund zur Pflege der Bildenden Kunst" ins Leben gerufen.

1914 - 9. März
Die Jahrestagung des Denkmalrates in Hessen findet in Worms statt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen die Restaurierungsarbeiten am Dom.

1915 - 29. September
Der Komponist Rudi Stephan (1887-1915) fällt bei Tarnopol in Galizien. Der Durchbruch gelang ihm 1912 auf dem Tonkünstlerfest in Danzig und ein Jahr später in Jena mit der ”Musik für sieben Saiteninstrumente” und der ”Musik für Orchester”. Vor allem seiner Oper ”Die ersten Menschen” widmete er seine Arbeit. Große Hoffnungen, die die Fachwelt in Stephan gesetzt hatte, wurden durch den frühen Soldatentod zerstört. Heute ist das altsprachliche Gymnasium nach dem Komponisten benannt.

1916 - 8. Oktober
Das Handwerker- und Gewerbeamt, das erste dieser Art, wird in Worms gegründet.

1917 - 6./7. Juli
Gegen 2 Uhr in der Nacht erscheinen feindliche Flieger über Worms und werfen ungefähr zwanzig Bomben ab, von denen die Mehrzahl auf freiem Feld aufschlägt.

1918 - 8. November
Nach dem Ende der Monarchie übernimmt unter der Leitung von Peter Bender ein Arbeiter- und Soldatenrat die Ausübung der vollziehenden Gewalt, auf die er am 3. Dezember wieder verzichtet.

1919
Im Frühjahr wird durch Beschluss der Stadtverwaltung zum Bau von 24 Kleinwohnungen an der Pfeddersheimer- und an der Kyffhäuserstraße der kommunale Wohnungsbau eingeleitet und in den folgenden Jahren Zug um Zug erweitert.

1919 - 9. November
Nach den Kommunalwahlen werden die Sozialdemokraten mit 40,3 % und 17 Stimmen stärkste Partei im 42 Personen umfassenden Stadtrat. Zusammen mit der Demokratischen Partei (11,4 %, 5 Stimmen) hat sie die Mehrheit inne. Oberbürgermeister bleibt bis zum Tod 1924 der der DVP angehörende Heinrich Köhler.

1919 - 23. Dezember
Das Kinderheim St. Marien wird von der Firma Doerr & Reinhart gegründet.

1920 - 15. Mai
Freiherr Cornelius von Heyl stiftet das Kunsthaus Heylshof mit seinen reichen Sammlungen der Öffentlichkeit. 1945 wird es zerstört.

1920 - 26. September
Der Grundstein für den Wiederaufbau der wegen Baufälligkeit kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges niedergelegten St. Nikolauskapelle am Dom wird gelegt.

1921 - 21. September
Das Oppauer Werk der Badischen Anilin- und Sodafabrik wird durch eine große Explosion vernichtet. Die Druckwellen zerstören in Worms die Fensterscheiben vieler Wohnungen sowie die gemalten Fenster Wormser Kirchen, so im Dom allein eine Fläche von etwa 1000 m².

1921
Im Rahmen der 400-Jahrfeier des Wormser Reichstages wird am Lutherdenkmal eine Lutherfeier begangen.

1922
Die erste Ortsgruppe der NSDAP wird auf Initiative von Hans Hinkel gegründet. Eine Neugründung erfolgt am 27.10.1925.

1923 - 25. September
Freiherr Cornelius Wilhelm Heyl zu Herrnsheim, Ehrenbürger von Worms, Oppenheim und anderen, stirbt in Pfauenmoos. Nach dem frühen Tod seines Großvaters und Vaters übernahm er in jungen Jahren die Lederfabrik und erweiterte als außerordentliche Unternehmerpersönlichkeit das Unternehmen. Bemerkenswert sind seine sozialen Leistungen auf dem Gebiet der Alters- und Krankenversorgung sowie der Arbeitersiedlung. Daneben war er jahrzehntelang Reichstagsabgeordneter des Wahlkreises WormsHeppenheim-Wimpfen und Mitglied der I. Hessischen Kammer.

1923 - 10. Oktober
Die beiden erfolgreichen Unternehmen Werger-Brauerei AG, Worms, und EichbaumBrauerei AG, Mannheim, schließen einen Interessengemeinschaftsvertrag. Sechs Jahre später, am 10.1.1929 fusionieren beide in die Eichbaum-Werger-Brauerei AG, Worms.

1924 - 5. Juni

Nach einer Gedächtnisfeier in Darmstadt wird der am 2. Juni verstorbene ehemalige Oberbürgermeister Heinrich Köhler nach Worms überführt und in der Vorhalle der Cornelianums aufgebahrt. Am nächsten Tag gibt ihm ein riesiger Trauerzug das letzte Geleit zum Friedhof auf der Hochheimer Höhe, wo er beigesetzt wird.

1925
Als Gegenstück zur gegenüberliegenden Landhaussiedlung Metzendorfs entsteht eine Siedlung für die gehobenen Mitarbeiter der Lederfabrik Heyl mit Mehrfamilienhäusern. Im selben Jahr werden unter dem Stadtbaumeister Georg Metzler in der Seidenbenderstraße mit Kant- und Hegelstraße Mietshäuser für städtische und Reichsfinanzbeamte erbaut.

1925 - 26. Februar
General-Leutnant Maximilian Freiherr von Heyl, Gründer des Wormser Museums, Stifter der Lutherbiblithek und Initiator des Wormser Altertumsvereins, stirbt in Darmstadt. Die Technische Hochschule in Darmstadt ehrte ihn wenige Monate vor seinem Rod durch die Verleihung des Titels eines Doktor-Ingenieurs.

1925
Der Dom wird im August im Rahmen der Burchard-Feier zur päpstlichen Basilica Minor erhoben. Zur Erinnerung ist ein Wappenstein neben dem südlichen Domeingang angebracht.

1926 - 4. September
Das „Haus des Handwerks“, das vormals Gernsheimsche Haus in der Kämmererstraße, wird eingeweiht. Das „Haus des Handwerks“ mit der Gildestube wird im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört.

1926 - 1. Dezember
Wegen fehlender Geldmittel werden die Restaurierungs- und Bauarbeiten am Dom eingestellt. - Am selben Tag wird die Kreisdelegatur Worms der Interalliierten RheinlandKommission aufgelöst.

1927
In der Lederindustrie sind nahezu 8000 Personen beschäftigt, davon ca. 4600 bei der Cornelius Heyl AG, 1200 in dem seit dem Jahr 1923 selbständigen Lederwerk Heyl/Liebenau in Worms-Neuhausen und 2000 bei Doerr & Reinhart.

1928
Der Dominikanerorden übernimmt die gesamte Anlage des ehemaligen St. Paulusstifts samt der Pauluskirche.

1928 - 1. März
Die Amtsräume des Zollamtes werden in das neu errichtete Gebäude (Rheinstraße 1) verlegt.

1929 - 15. Juli
Der damalige Beigeordnete Wilhelm Rahn wird zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt.

1929 - 4. Dezember
Der Geh. Sanitätsrat Karl Köhl (1847-1929) stirbt. Durch zahlreiche Ausgrabungen wurde er zu einem führenden Prähistoriker. Ihm verdankt das Städtische Museum, das er viele Jahre als Kustos betreute, die vor- und frühgeschichtliche Sammlung.

1929 - Februar
Der Rhein ist zugefroren.

1930 - 30. Juni
Die französischen Besatzungstruppen ziehen ab, eine Befreiungsfeier findet statt. Am Folgetag wird in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten das neue städtische Museum im Andreasstift eröffnet, nachdem die Sammlungen vom Altertumsverein auf die Stadt übergegangen sind.

1930 - 21. Dezember
Der Mainzer Bischof Ludwig Maria Hugo weiht die St. Nikolaus-Kapelle am Wormser Dom ein.

1932 - 12. Juni
Adolf Hitler spricht im Stadion an der Alzeyer Straße vor 30.000 Menschen.

1932 - Juni
Das Hagendenkmal wird von seinem bisherigen Standort im „Wädchen“ versetzt und findet auf dem Fundament des alten städtischen Rheinkrans einen geeigneten Standort am Rheinufer.

1932 - 21. August
Das Ehrenmal der 118er (Infanterie Regiment Prinz Carl Nr. 118) wird enthüllt. Die Gelder für das Denkmal, von Paul Birr/Berlin gestaltet, wurde vom Verein der ehemaligen 118er aufgebracht. Anlässlich der Weihe wird das Denkmal der Stadt geschenkt. Die Festrede hält Generalmajor v. Münter, ehemaliger Kommandeur der 118er. Der frühere Großherzog Ernst Ludwig nimmt an den Feierlichkeiten teil.

1932 - 14. Dezember
Das Städtische Spiel- und Festhaus wird durch Brand zerstört (Brandstiftung).

1933 - 28. Februar
Am Fastnachtsdienstag findet im ”Volkshaus” in der Petersstraße ein ”Lumpenball” statt. Der Wirt Philipp Weiß wird tödlich getroffen, als Nationalsozialisten in das fröhliche Treiben schießen.

1933 - 21. März
In Anwesenheit des Kreisdirektors begeht Worms den "Tag von Potsdam" mit einem großen Fackelzug, an dem neben Polizei und Organisationen der NSDAP auch Wormser Vereine und Innungen teilnehmen. Der neue Polizeichef Heinrich Maria Jost nimmt die Parade in SA-Uniform ab.

1933 - März
Noch vor dem reichsweiten Boykott (1. April) kommt es in Worms zu Aktionen gegen "jüdische" Geschäfte. Politische Gegner werden verhaftet, das erste hessische Konzentrationslager im nördlich von Worms gelegenen Osthofen wird eingerichtet.

1933 - 27. Mai
Der Gauleiter und Reichsstadthalter Jakob Sprenger besucht Worms.

1933 - 16. August
Mit der Wahl des NSDAP Kreisleiters Otto Schwebel zum Oberbürgermeister (- 1934) wird der Stadtrat zu einem nationalsozialistischen Gremium.

1933
Das erste "Backfischfest", Volks- und Weinfest, wird gefeiert.

1933-36
Der Bereich vor dem Westchor des Domes wird zum ”Platz der Nation” umgestaltet.

1934
Dank der 1933 erfolgten Schenkung des Palais Bergkloster durch Fritz Reinhart van Gülpen kann die Wissenschaftliche Bibliothek in großzügige Räume umziehen.

Die ”Städtischen Kulturinstitute” werden eingerichtet. Die kulturellen Institutionen der Stadt, Stadtarchiv, Stadtbibliothek, Volksbücherei, Gemäldegalerie, Städtisches Museum, werden unter einem Direktorat zusammengefasst. Direktor ist Dr. Friedrich Maria Illert (bis 1957).

1934 - 3. Juni
Vormittags um 11 Uhr begeht die israelitische Religionsgemeinde eine Weihestunde aus Anlass des 900-jährigen Bestehens der Synagoge in Anwesenheit von Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, dem Vorsitzenden der Reichsvertretung der deutschen Juden. Die Festrede hält Rabbiner Dr. Holzer, Worms. In den Wormser Zeitungen erscheint weder ein Hinweis auf das Jubiläum noch ein Bericht über die Weihestunde.

1934 - 28. Oktober
Das Städtische Spiel- und Festhaus wird in Anwesenheit des Reichsstatthalters Sprenger, des Staatsministers Jung und des Präsidenten der Reichstheaterkammer, Ministerialrat Otto Laubinger, eingeweiht.

1935 - 30. Januar
Der Gießener Beigeordnete Heinrich Bartholomäus wird, nachdem er das Amt zunächst kommissarisch innehatte, zum Oberbürgermeister von Worms bestellt (- 1945).

1935 - 1. März
Anlässlich der Angliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich findet eine "Befreiungsfeier" statt.

1936 - 23. Februar
Seppel Fath, schussgewaltiger Linksaußen aus Worms, bringt beim Länderspiel gegen Spanien in Barcelona das ”Kunststück” fertig, dem damals berühmtesten Torhüter der Welt, Ricardo Zamora, zwei Treffer ins Netz zu jagen.

1936 - 22. März
Der Hallenbad-Bauverein wird gegründet.

1937 - 26. Februar
Die Zeitung des Reichbundes jüdischer Frontsoldaten, "Der Schild", berichtet von einem "Heldengedenken in Deutschlands ältester Synagoge". In der vollbesetzten Synagoge scheint eine Zentralfeier des südwestdeutschen Landesverbandes stattgefunden zu haben.

1937
Auf dem rechten Rheinufer wird die "Erbhofsiedlung Rosengarten" gegründet und der Stadt Worms angegliedert.

1937 - 20. Juni
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propagande, Dr. Joseph Goebbels, hält eine Rede im Wassergasschweißwerk und wohnt der Aufführung von Friedrich Hebbels "Nibelungen" im Städtischen Spiel- und Festhaus bei. Die Nibelungenfestspiele finden im Rahmen der Reichstheaterwoche des Propagandaministeriums statt.

1938 - 29. Juli
Gemeinsam mit seiner Frau wählt der bekannte jüdische Kinderarzt Dr. Fritz Gernsheim den Freitod. Immer mehr der bedrängten und gedemütigten Juden wandern aus oder wählen den Freitod. Am 1. Januar 1939 leben nur noch 363 Juden in Worms (1. 1.1933: 1100 jüdische Bürger).

1938
Worms erhält den Status einer kreisfreien Stadt.

1938 - 10. November
Bernhard Spies, Lederhändler in der Köhlerstraße und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, meldet kurz vor 6 Uhr telefonisch Rabbiner Dr. Frank, dass die Synagoge brennt. Dem Rabbiner, einigen Männern sowie Schülern der jüdischen Bezirksschule gelingt es, den Brandherd zu löschen.

Vor der Synagoge wird Dr. Frank zusammen mit anderen verhaftet und später in das KZ Buchenwald verbracht. Um 9.30 Uhr rückt die SA erneut an und zündet die Synagoge wieder an. Sie brennt völlig aus, auch das Museum der Gemeinde wird vernichtet.

Dem Stadtarchivar Dr. F.M. Illert gelingt es, wenige Stücke aus den Trümmern zu retten. Es kommt zu einer Unzahl von Zerstörungen jüdischen Eigentums, zu Mißhandlungen und Demütigungen sowie einer größeren Verhaftungswelle in Worms und seinem Umland.

1939 - August
Das Backfischfest wird wegen der Kriegsgefahr abgebrochen.

1939/41
Die nach dem Brand vom 10. November 1938 noch stehen gebliebenen Reste der Synagoge werden niedergelegt.

1941 - Mai
Baurat Köhler legt Stadtplanungen für das künftige Worms vor, darunter die Errichtung von Parteibauten auf dem Gelände des Judenfriedhofes und verschiedene Straßendurchbrüche.

1942 - 19. März
Herta Mansbacher, Lehrerin an der jüdischen Bezirksschule, wird zusammen mit einer Gruppe von 75 Juden vom Gemeindehaus, wo sich die Bezirksschule befindet, zum Güterbahnhof geführt, um von dort Richtung Osten deportiert zu werden.

1942 - 1. April
Die Orte Leiselheim, Horchheim, Herrnsheim und Weinsheim werden nach Worms eingemeindet.

1943 - 5. September
"Tag der Wehrertüchtigung"

1944
Die Wormserin Elisabeth Groß wird wegen ”wehrkraftzersetzender Äußerungen“ und wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" am 21. Juli vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 25. August hingerichtet.

1945 - 21. Februar
Englische Bomber fliegen bei wolkenlosem Himmel einen Nachtangriff auf Worms. 349 Flugzeuge werden eingesetzt. Die erste Bombe fällt um 20.27 Uhr, die letzte um 20.58 Uhr. Innerhalb von neun Minuten werden zwischen 20.34 und 20.43 Uhr die meisten Bomben abgeworfen. Etwa zwei Stunden nach dem Hauptangriff werfen bei einem Nachangriff einige "Mosquitos" nochmals Bomben über der brennenden Stadt ab. In den Wohnvierteln sind schwere Schäden zu verzeichnen, fast alle Kulturdenkmäler werden Raub der Flammen. Die Gesamtzahl der bei dem Luftangriff umgekommenen Menschen beträgt 239 Tote.

1945 - 18. März
Amerikanische Jagdbomber greifen in mehreren Wellen im Tiefflug die Stadt an. Die Bombardierung dauert von 9 Uhr bis zum Mittag. Es gibt 141 Opfer in der Bevölkerung.

1945 - 20. März
Deutsche Truppen sprengen bei ihrem Rückzug die Ernst-Ludwig-Brücke (Rheinbrücke, Anmerkung der Redaktion). Die Amerikaner erreichen Worms. Der Lederindustrielle und liberale Politiker Ludwig Freiherr von Heyl (1886-1962) wird als Stadtältester und Vorsitzender des Stadtausschusses, der die Verwaltung übernimmt, eingesetzt. Sein Nachfolger als amtierender Oberbürgermeister wird Dr. Ernst Kilb (Februar 1946).

1945 - Juni
Pfarrer Weil, Leiter des Bergungskommandos, meldet den Abschluss der Leichenbergungsarbeiten in der Stadt. Die Gasversorgung wird wieder aufgenommen und eine Not-Wasserversorgung aufgebaut

1945 - 10. Juli

Die Besatzung wechselt. Die Amerikaner unter Kommandant van Steenberg werden von französischen Truppen abgelöst.

1945 - 30. November
Das von den Franzosen eingesetzte Gemeinderatskomitee konstituiert sich. Es hat den Status eines Gremiums mit beratender Stimme.

1946 - Januar
Das Amt für Wiederaufbau (Wiederaufbauwerk) veranstaltet eine Ausstellung im Wintergarten des Spiel- und Festhauses. Stadtbaurat Köhler veröffentlicht das von der Stadt herausgegebene Heft 1 von ”Der Wiederaufbau” mit Wiederaufbauplänen.

1946
Geheimrat Prof. Dr. Christian Eckert (parteilos) wird am 25. März feierlich in sein Amt eingeführt.

1946 - März
Anlässlich ihrer Wiederzulassung durch die Militärregierung veranstaltet die Kommunistische Partei Worms eine Feier im Mozartsaal (10.3.). Der Landesvorsitzende der KP HessenPfalz, Herbert Müller, spricht. Ende März bildet sich die "Freie Liste Penk", die sich aus einer Reihe aus der KP ausgeschlossener Mitglieder zusammensetzt.

Auch die wieder gegründete Sozialdemokratische Partei lädt zu einer öffentlichen Kundgebung im überfüllten Mozartsaal, bei der der Parteivorsitzende Stahl begrüßt und der Mainzer Regierungspräsident Steffan eine Rede hält.

1946 - Mai
Auf dem Marktplatz findet eine stark besuchte Maikundgebung statt. - Die CDU nimmt ihre Arbeit in Stadt und Kreis Worms auf. Es tagt eine Versammlung im Mozartsaal mit dem Vorsitzenden der Wormser CDU, Studienrat Armbruster und dem Landauer Bürgermeister Wolff.

1946 - 15. September
Die ersten Wahlen zum Gemeinderat finden statt. 1446 Personen sind aufgrund der alliierten Bestimmungen von der Wahl ausgeschlossen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 88,3 %. Im Stadtrat hat die CDU 13 Sitze, die SP 12, die KP 3 und die Liste Penk 2 Sitze.

1946 - 24. September
Das Liebfrauenmilch-Fest wird eröffnet. Zwölf Schausteller beschicken das Fest, das 40.000 Besucher erfreut. Ab 1948 wird es wieder Backfischfest genannt.

1947
Worms gehört im neu gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz zum Regierungsbezirk Rheinhessen.

1948 - 1. April
Die umgebaute Turnhalle der Eleonorenschule wird als zweites Wormser Kino, Roxy-Lichtspiele genannt, eröffnet.

1948 - 10. Oktober

Die Terra-Sigillata-Manufaktur wird eröffnet. Sie wird zunächst in städtischer Regie geführt. Roter Ton aus dem Odenwald, weißer Ton aus der Monsheimer Gegend und Quarzmehl sind die Grundstoffe für kunstvoll gestaltete Keramiken. 1955 exportiert man in 20 europäische und außereuropäische Länder.

1948 - 15. Oktober
Über die fertig gestellte 983 Meter lange Eisenbahnbrücke rollt der erste Zug über den Rhein.

1949
Die Pädagogische Akademie (1960 Pädagogische Hochschule) nimmt ihren Betrieb auf. Später, 1969 wird sie zur EWH (Erziehungswissenschaftlichen Hochschule) mit etwa 800 Studenten.

1949 - 18. April (Ostermontag)
Bischof Stohr von Mainz weiht im Domseitenschiff die dritte Domglocke.

1950 - 10. September
Am Lutherring wird das Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Anwesenheit mehrerer hundert Menschen feierlich enthüllt. Das Stadtorchester unter der Leitung von Philipp Sonntag eröffnet die Feierstunde. Vandegen, Mitglied des städtischen Theaterensembles, rezitiert Bergengruens Gedicht ”An die Völker der Erde”. Die erste Ansprache hält Oberbürgermeister Heinrich Völker. Im Auftrag der Stadtverwaltung, des Landratsamtes und der Fraktionen im Stadtrat werden Kränze niedergelegt.

1950
Im Wormser Norden wird die Lukaskirche als eine der von der amerikanischen Abteilung des Lutherrischen Weltbundes finanzierten steinernen Notkirchen für Deutschland anstelle einer 1945 errichteten Holzbaracke erbaut.

1951 - 4. September
Viele Wormser nehmen teil, als Kommandant Coubert und der Kreisdeligierte Lorent die Abschiedsparade der Einheiten der 485. GAA der französischen Panzerdivision um 11 Uhr am Lutherdenkmal abnehmen. Die Franzosen verlassen Worms wenige Tage später und gehen nach Karlsruhe.

1952 - 2. Juli
In den Trümmern der durch den Bombenangriff am 21. Febuar 1945 zerstörten Magnuskirche wird der Beginn des Wiederaufbaus des Gotteshauses mit einer feierlichen Andacht begonnen. Für den Wiederaufbau engagieren sich vor allem Dr. Friedrich M. Illert als Denkmalpfleger, Ludwig von Heyl als Vorsitzender des Bauausschusses der Ev. Gesamtgemeinde und Pfarrer Eigenbrodt, der aus dem Holz des abgestorbenen Lutherbaumes in Pfiffligheim Plaketten und Lutherrosen zur Finanzierung der Baukosten
zum Verkauf herstellen ließ.

1952
Die Kisselswiese, Festplatz am Rhein, wird für 40.000 Mark instand gesetzt. Die Amerikaner helfen bei der Planierung mit ihren Fahrzeugen mit. Neu ist der Festplatzeingang, ein Tor von 16 m Breite und 8 m Höhe mit drei Durchgängen, über denen in grünem Neon-Licht "Backfischfest" leuchtet. 120 Fahrgeschäfte erfreuen die Festbesucher, darunter als größte Attraktion eine Riesen-Wasserrutsche.

1953 - 30. April
In Anwesenheit des Bundesministers für Verkehr, Dr. Hans-Christoph Seebohm, des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz Peter Altmeier, des hessischen Innenministers Heinrich Zinnkann (für Ministerpräsident Georg-August Zinn) und Oberbürgermeister Heinrich Völker wird die Nibelungenbrücke nach einer Bauzeit von 23 Monaten dem Verkehr übergeben. Sowohl in der Konstruktion als auch in der Bauweise im freien Vorbau ist die Brücke die erste dieser Art über den Rhein und die größte dieser Art in Deutschland.

1953
Hermann Staudinger wird der Nobelpreis (Chemie) verliehen. 1881 in Worms geboren, machte er 1899 am hiesigen Gymnasium sein Abitur. 1926 lehrt er als Professor in Freiburg/Br. Er betreibt Grundlagenforschung an Textilfaser. 1927 gelingt ihm der experimentelle Nachweis der Möglichkeit synthetischer Herstellung.

1953 - 23. August
Der Stadtrat beschließt, die Wormser Bühne im Spieljahr 1953/54 von einem auswärtigen Ensemble bespielen zu lassen. Die Ära eines eigenen Wormser Stadttheaters geht zu Ende.

1954
Pfeddersheim werden Stadtrechte verliehen.

1954 - 24. Juli
Tragisch endet der Betriebsausflug für die meisten der Betriebsangehörigen der Hochheimer Möbelfabrik Schramm & Möller an den Eiswoog. An dem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Herrnsheim und Abenheim wird der Bus von einem Personenzug erfasst und zerdrückt. Während vier Personen schwer verletzt überleben, sterben fünfzehn unmittelbar an der Unfallstelle, sieben weitere danach im Stadtkrankenhaus.

1954
Bundesweites Aufsehen ruft der Wormser Giftmordprozess hervor. Mit Pralinen, versehen mit E 605, vergiftete die dreifache Mutter Christa L. ihren Ehemann, ihren Schwiegervater und eine Freundin. Die 31-jährige Mörderin wird zu drei Mal lebenslänglich verurteilt.

1955 - 17. Januar
Starke Schneefälle und Tauwetter lassen den Rhein über die Ufer treten, die kritische Sieben-Meter-Marke wird überschritten. Die Rheinpromenade am Pegelhäuschen steht unter Wasser, die Uferdämme werden überschwemmt. Im Ried brechen die Dämme und viele Tiere ertrinken trotz Rettungsversuchen.

1955 - 4. März 4
Fünf Glocken werden auf einem ”tannenumkränzten Wagen” zur ehemals reformierten Friedrichskirche gebracht. Gemeindepfarrer Lic. Sorge spricht einen Glockengruß. Am 25. September wird die wiedererbaute Kirche eingeweiht.

1956 - 29. Januar
Um 11.15 Uhr nehmen die Wormser Abschied von ihrer "Elektrisch" und nutzen am letzten Tag die Freifahrten auf allen Wagen der Straßenbahn. Gleichzeitig werden vierzehn neue Omnibusse offiziell dem Verkehr übergeben. Die Busse fahren im Siebeneinhalb-Minuten-Takt.

1957 - März
Aufgrund eines Übereinkommens des Bundes, des Staates Israel, des Landes Rheinland-Pfalz und der "Branche Francaise" wird das erhalten gebliebene Archivmaterial des jüdischen Gemeindearchivs in die "Central Archives for the History of the Jewish People" nach Jerusalem abgegeben.

1957
Die Partnerschaftsurkunde zwischen St. Albans/England und Worms wird unterzeichnet. Die Kathedralstadt mit ca. 130000 Einwohnern trägt den namen Albans, eines römischen Legionärs, des ersten christlichen Märtyrers auf britischem Boden.

1958

Siegfried Freiherr von Heyl verkauft das Schloss Herrnsheim an die Stadt Worms.

1958 - 29. November
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier wohnt der Einweihung des neuen Rathauses am Marktplatz bei und hebt hervor, dass nach der Brückenübergabe im Jahr 1953 "die Rathauseinweihung das zweite hervorstechende Ereignis im Wiederaufbau der zu zwei Drittel zerstörten alten Stadt" sei. Architekt Prof. Lempp aus Stuttgart gestaltete den Bau.

1959 - 30. Oktober
Am Vorabend des Reformationstages wird in Anwesenheit des Kirchenpräsidenten Martin Niemöller die "Reformations-Gedächtniskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit", unter der Leitung des Architekten Prof. Otto Bartning wiederaufgebaut, feierlich eingeweiht.

1959 - 27. September
Landesrabbiner Prof. Dr. E. Róth vollzieht die Grundsteinlegung für die Synagoge mit einem hebräischen Zitat, Psalm 118,22: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden". "Dieser Grundstein möge festes Fundament werden, auf dem alle Menschen aller Religionen in Frieden und Eintracht zueinander finden." Auch Bundesinnenminister Dr. G. Schröder und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. H.G. van Dam, wohnen der Zeremonie bei.

1961 - 19. Mai
Nach über 20 Jahren steht das Kunsthaus Heylshof der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Über zwei Weltkriege hinweg konnten die Kunstschätze gerettet werden. Durch Veräußerung zweier Gemälde vermochte die Stiftung die Bauruine ohne fremdes Geld wiederherzustellen.

1961 - 3. Dezember
Am 3. Dezember 1961, dem ersten Tag des jüdischen Chanukkah-Festes 5722, erfolgt die stimmungsvolle und feierliche Einweihung der wiedererbauten Synagoge. Als Symbol der Verständigung haben Bund, Land und die Stadt Worms das Gotteshaus aufgebaut. Zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland, unter anderem Vizekanzler Prof. Ludwig Erhard,
Ministerpräsident Dr. Altmeier, wohnen der Zeremonie bei.

1962 - 11./12. September
"Größter Feuerwehreinsatz seit Menschengedenken in Worms". Kurz nach Mitternacht bricht ein Großbrand in den Karl-Kübel-Möbelwerken aus und wird zur Bedrohung für das ganze Industriegebiet. Über 45 Feuerwehren aus dem gesamten Regierungsbezirk, sogar aus Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Kaiserslautern und dem Ried sind im Einsatz, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Trotzdem wird durch Funkenflug ein weiteres Großfeuer in der Rohpappenfabrik verursacht.

1963
Die Stadtbibliothek zieht in das Haus der Kulturinstitute, dort wo vorher das Cornelianum stand.

1964 - März
Oberbürgermeister Heinrich Völker weiht die Fabrik der Procter & Gamble GmbH nördlich von Worms, verkehrgünstig zwischen B 9 und dem Rhein gelegen, ein.

1965 - 30. November
Das Hallenbad in der Alzeyer Straße wird eingeweiht und gleichzeitig der Hallenbadbauverein aufgelöst.

1966 - 6. November
Mit den Einweihungsfeierlichkeiten für den Neubau des Spiel- und Festhauses ist eine Festwoche mit zahlreichen repräsentativen Veranstaltungen verbunden.

1966
Dr. Friedrich Maria Illert (1892-1966), Stadtarchivar und Direktor der Städtischen Kulturinstitute stirbt. 1937-1966 war er Kustos der Stiftung Heylshof. Ihm ist die Rettung der jüdischen Altertümer 1938-1942 zu verdanken. Der Wiederaufbau wertvoller Baudenkmäler nach dem Krieg bleibt sein Verdienst.

1967 - Juli
Die Stadt erwirbt von der Heyl zu Hernnsheim’schen Nachlassverwaltung die in Schloss Herrnsheim liegenden Bestände des Dalberg-Archivs, das politisch, wirtschaftlich und sozialgeschichtlich wertvolles Material birgt, sowie die Bibliothek der Freiherrn Heyl zu Herrnsheim.

1968
Das Wormser-Stare-Denkmal am Ende der Rheinstraße wird enthüllt. Von der Wormser Narhalla wurde es dem "Rheinadel" von der Fischerweide und seinem Mundartdichter Rudolf Heilgers gewidmet. Geschaffen hat es der Wormser Bildhauer Gustav Nonnenmacher.

1968 - 23. März

Im Rahmen eines dreitägigen Programms kommt es zwischen Worms und
Auxerre/Frankreich zur Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde. Auxerre ist die Hauptstadt von Niederburgund mit der Präfektur des Departement Yonne. Besondere Denkmäler sind der Dom und die Kirche St.-Eusebe und St. Germain.

1969 - 6. Juni
Abenheim, Heppenheim a.d. Wiese, Rheindürkheim und Ibersheim werden nach Worms eingemeindet, ebenso Pfeddersheim.

1971
Anlässlich der Gedenkfeiern zum Reichstag im Jahre 1521, erbitten Wormser Katholiken vom Vatikan im Wormser Memorandum ein "klärendes Wort zur Person und Lehre Martin Luthers aus heutiger katholischer Sicht im Interesse der Vertiefung ökumenischer Arbeit".

1972 - April
Mit über 7000 Gramm Sprengstoff wird ein im Handelshafen liegender Fundamentrest des Neuturms unter der Leitung des Kreisbeauftragten des THW Rudolf Hoch gesprengt. Die Sprengung war wegen des niedrigen Wasserstandes notwendig geworden.

1972
Die Bauaufnahme und städtebauliche Planung zur Wiederherstellung der Judengasse wird in Angriff genommen.

1973 - 19. Mai
Mit allen technischen Einrichtungen fertig gestellt wird die neue Hauptfeuerwache in der Kyffhäuserstraße offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Oberbaurat Heyl übergibt Kreisbrandinspektor Exner die Schlüssel des Neubaus.

1974
Mit der Schließung der letzten Lederfabrik, Heyl-Liebenau in Neuhausen, endet die Ära der Lederindustrie in Worms, deren Entwicklung vor genau 140 Jahren begonnen hatte.

1974 - Mai
Ludwig C. Freiherr von Heyl verkauft das Eigentum an Park und Restgebäude des einstigen herrschaftlichen Majorshofes, der während des Krieges zerstört wurde. Den Verkauf knüpft er an Auflagen um sicherzustellen, dass bei der Bebauung öffentliches Interesse gewahrt, eine Parzellenaufteilung verhindert und ein Großteil der "grünen Insel" inmitten der Stadt erhalten bleibt. Anfang Juni wird das 8690 m² große Gelände von der Kreis- und Stadtsparkasse erworben.

1975 - 8. Juni
Der Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Worms, Heinrich Völker, stirbt im Alter von 71 Jahren. Er war maßgebend am Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Stadt beteiligt.

1976 - 23. Juni
In Gegenwart von Sozialminister Dr. Geißler wird der Grundstein für das größte Krankenhaus (685 Betten, 10 Fachabteilungen) der allgemeinen Krankenversorgung, das seither in Rheinland-Pfalz gebaut wurde, auf dem Gelände in Worms-Herrnsheim gelegt. Am 7. Juli 1977 wird es vertraglich zum akademischen Lehrkrankenhaus bestimmt.

1976 - 15. September
Der erste Bauabschnitt des BIZ (Bildungszentrums) an der Pfrimm mit der Berufsbildenden Schule I (Technik) und Berufsbildenen Schule II (hauswirtschaftliche und sozialpflegerische Schule) wird seiner Bestimmung übergeben.

1976/77
Das frühere Gemeindehaus der Wormser Juden, 1935-1941 jüdische Bezirksschule, am Synagogenplatz gelegen, wird nach der Sanierung eine Stätte der Lebenshilfe (Erziehungsberatungsstelle) und musischer Freizeitgestaltung (Volkshochschule). Der Name "Haus zur Sonne" geht auf die Bezeichnung aus dem 16. Jahrhundert zurück.

1977 - 26. Oktober
Im sogenannten BIZ (Bildungszentrum, Anmerkung der Redaktion) wird im Beisein von Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel der gymnasiale Teil (BIZ II) eingeweiht. Das Gauß-Gymnasium und das Rudi-Stephan-Gymnasium nehmen mit ihren fast 1500 Schülern den Schulbetrieb auf.

1978
Die Eichbaum-Brauerei AG schließt die Braustätte Worms und verlegt ihren Sitz von Worms nach Mannheim. In den beiden Jahren zuvor war zunächst die Abfüllung, dann der Braubetrieb eingestellt worden. Die traditionsreiche Geschichte der Wormser Brauereien wird somit beendet.

1979 - 28. September
Der Karmeliter-Realschule wird das Schulgebäude des (ehemaligen
naturwissenschaftlichen) Gymnasiums in der Goethestraße übergeben.

1980 - 18. März
Bundespräsident Karl Carstens besichtigt zum Auftakt seines offiziellen Antrittsbesuchs in Rheinland-Pfalz den Kaiserdom in Worms.

1981 - 3. Juni
Das Stadtkrankenhaus wird außerhalb des Stadtgebietes auf der Herrnsheimer Höhe gelegen in Dienst gestellt.

1982 - 29. November
Das Raschi-Haus, ehemaliges jüdisches Tanzhaus, dann Altersheim, wird Domizil für das Stadtarchiv und das Jüdische Museum inmitten des seit den 1970er Jahren sanierten früheren Judenviertels.

1983 - 23. April
Der von dem Wormser Bildhauer Gustav Nonnenmacher geschaffene Winzerbrunnen in der Kämmererstraße wird übergeben. Gestiftet wurde er von der Interessengemeinschaft Wonnegauer Winzerkeller. Am 24. bis 26. Juni wird die Fußgängerzone Kämmererstraße eröffnet, verbunden mit dem Winzerbrunnenfest.

1983 - 30. Oktober
In Worms findet die zentrale Festveranstaltung der Evangelischen Kirche Deutschlands zum 500. Geburtstag von Martin Luther mit Festgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche statt. Der Festakt im Städtischen Spiel- und Festhaus wird in Anwesenheit von Bundespräsident Carstens begangen. Es nehmen ferner Bundestagspräsident Barzel, Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel teil.

1984 - 21. Mai
Nur zwölf Monate nach dem Richtfest wird das neue Sparkassengebäude auf dem Gelände des ehemaligen Majorshofes in Anwesenheit von Staatsminister Rudi Geil eingeweiht.

1984 - 27. Mai
Im Rahmen einer Feierstunde im Mozartsaal verleiht Senator Louis Jung der Stadt Worms die Ehrenfahne des Europarates. Die Oberbürgermeister Dr. Lauro Grossi von Parma/Italien und Wilhelm Neuß unterzeichnen die Partnerschafturkunde. Neben der Delegation aus Parma wohnen Vertreter der Partnerstädte St. Albans und Auxerre dem Akt bei.

1985 - 11. Dezember
Die genau vor vier Jahren begonnene "Eis-Zeit" hat ein Ende. Die Eissporthalle in der Alzeyerstraße wird von der Betriebsgesellschaft wegen Unrentabilität endgültig geschlossen.

1986
Anlässlich seines 75-jährigen Bestehens stiftet das Elektrizitätswerk Rheinhessen AG das "Wormser Schicksalsrad" auf dem Obermarkt. Einerseits kündet es von der Stadtgeschichte andererseits von der Lebensfreude der Wormser. Das bewegliche Lebensrad hat der Wormser Bildhauer Gustav Nonnenmacher gestaltet.

1986 - 25. Mai
Der Höhepunkt des Rheinland-Pfalz Tages in Worms bildet der dreistündige und neun Kilometer lange Festzug mit 12.000 Mitwirkenden. Mit über 200 Zugnummern zeigt das Land seine Geschichte, die Spezialitäten seiner Städte und Landkreise. Von Freitag bis Sonntag finden mehr als 250.000 Besucher den Weg nach Worms.

1986
Worms geht mit Tiberias/Israel eine Städtepartnerschaft ein. Gründer dieser Stadt war 17 nach Christus Herodes Antipas, ein Sohn Herodes des Großen. Er machte Tiberias zu seiner Hauptstadt und benannte sie nach dem römischen Kaiser Tiberius. Berühmt sind seit 2000 Jahren die warmen Heilquellen.

1988 3/4. Juni
Das erste Wormser Stare-Fest wird aus der Taufe gehoben. Stadtverwaltung, Verkehrsverein und Werbegemeinschaft veranstalten gemeinsam in der Fußgängerzone, auf Straßen und Plätzen der Innenstadt dieses Fest, das nun Jahr für Jahr, mit seinen kulturellen, musikalische und kulinarischen Angeboten sowohl die Wormser Bürger als auch ihre Gäste erfreut.

1988 - 9. Juli
Der Tribünen-Neubau im Wormatia-Stadion ist vollendet und wird mit seinen 944 Sitz- und 630 Stehplätzen seiner Bestimmung übergeben.

1989 - 23. Oktober
Im Rahmen der Sanierungsarbeiten am Brückenturm werden die beiden nach Plänen von 1989 rekonstruierten "Helme" auf die Treppenhaustürme aufgesetzt. Die Vorgänger waren durch Bomben zerstört worden.

1990 - Juni
Die Bürgerinitiative zur "Verhinderung einer zentralen Mülldeponie im Stadtgebiet Worms" übergibt eine Protestliste mit 17520 Namen an Regierungspräsident Dr. Paul Schädler in Neustadt.

1990 - 27. Juni
Mit ihren Unterschriften besiegeln die Stadtoberhäupter von Bautzen, Christian Schramm, und Worms, Gernot Fischer, die Partnerschaft zwischen den beiden Städten.

1991 - 26. bis 28. Juli
Das erste Wormser Jazzfestival unter dem Motto „Rheinland-Pfalz swingt“ wird auf fünf Veranstaltungsplätzen in der Innenstadt veranstaltet.

1993 - 1. September
Mit einer Menschenkette, die sich von der Synagoge bis zum "Heiligen Sand" spannt, drücken 2000 Personen ihre Betroffenheit über die Schändung von 118 Grabsteinen auf dem Alten Jüdischen Friedhof aus.

1994
Im Lutherring/Ecke Andreasstraße wird das Lederarbeiterdenkmal aufgestellt. Es ist eine Nachbildung der Lederarbeiterfigur, die der Bildhauer Carl Stock 1924 für die Lederwerke Doerr & Reinhart geschaffen hat. Dargestellt ist der Arbeiter Karl Stein, genannt ”Steine Mott”, in der Wasserwerkstatt. Das Denkmal erinnert an die Menschen, die durch ihre Arbeit in den Lederfabriken im 19. und 20. Jahrhundert die Stadt Worms zu einer wirtschaftlichen
Blütezeit brachten.

1995 - 16. August
Der städtische Kindergarten in der Heinrich-von-Gagern-Straße brennt um 4.30 Uhr. Die Flammen sind kaum erstickt, als der Einsatzleiter gegen 6 Uhr seine Männer aufruft: "Einsatz sofort abbrechen, ein zweiter Kindergarten brennt." Auch in der Würdtweinstraße ist ein Brandanschlag auf einen Kindergarten verübt worden.

1996 - 21. April

Während des Festaktes zum Lutherjahr wird erstmals der Preis "Das unerschrockene Wort", initiiert von den Lutherstädten Deutschlands, verliehen. Der Preis geht an den Berliner Philosophie-Professor und Theologen Richard Schröder, der sich in DDR-Zeiten mutig und kritisch geäußert hat.

1996 - 23. Juli
Das Hauptquartier des 5. Fernmeldekommmandos (5th Signal Command) der Amerikaner wird nach Mannheim verlegt. Mit einem militärischen Zeremoniell verabschieden sich die Amerikaner mit Brigadegeneral Robert L. Nabors aus der Nibelungenstadt. Die beiden Nationalhymnen erklingen, die amerikanische Flagge wird eingeholt und Oberbürgermeister Gernot Fischer überreicht. Die Familien der amerikanischen Militär- und Zivilangehörigen bleiben im Thomas-Jefferson-Village in Worms wohnen.

1997 - 13. April
Erstmals in der Geschichte der Stadt Worms wird der Oberbürgermeister der Stadt direkt von der Bürgerschaft gewählt. Die Wahl fällt mit 55,66 % auf den Amtsinhaber Gernot Fischer.

1997 - Dezember
Die Arbeitslosenquote hat mit 11,9 % einen Höchststand erreicht. Es ist keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt in Sicht.

1998 - 15. Februar
Der Generalsekretär der Knesseth Jerusalem, Arieh Hahn, besucht in Begleitung von Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Worms.

1998
Das von dem Kulturfonds der Wormser Wirtschaft gestiftete Denkmal für den Dichter Johann Nikolaus Götz, geschaffen von dem Magdeburger Künstler Heinrich Apel, wird im Heylshofgarten aufgestellt.

1998 - Juni
Die Städtepartnerschaft zwischen Worms und der Stadt Mobile im Staate Alabama (USA), wird geschlossen. Die Hafenstadt liegt am Golf von Mexiko. Sie ist heute eine blühende Industriestadt.

1999 - 17. Juni
Das US Hauptquartier in Heidelberg teilt mit, dass die amerikanische Wohnsiedlung "Thomas-Jefferson-Village" zum 1. August geräumt sein wird. 339 Wohnungen werden wie zuvor die Kasernen an den Bund zurück gegeben. Mit dem Umzug der 174 Familien werden auch andere amerikanische Einrichtungen, zum Beispiel Jugendzentrum und Schulen, nicht mehr benötigt.

1999 - 19. November
Nachdem der am 14. September durch eine Bürgerinitiative herbeigeführte Bürgerentscheid gegen das Nibelungenmuseum nicht die erforderliche Mehrheit erreicht hat, wird der erste Spatenstich für das Nibelungenmuseum an der Stadtmauer durchgeführt.

Imageanzeige Weltgeschichte auf einen Blick

Mehr zur Stadtgeschichte:

Eine Stadt in der Blütezeit

Auch über die Zeit der Völkerwanderung hinweg, in der Worms um 430 Hauptstadt eines burgundischen Reiches gewesen sein soll, behielt die Stadt ihre Bedeutung bei und war seit dem frühen Mittelalter Sitz einer Bischofskirche (bis 1801).

Nach einer Blüte in fränkischer Zeit, als Worms eine bedeutende Pfalz Karls des Großen beherbergte, begann der hochmittelalterliche Aufstieg zu einer besonderen Blüte unter Bischof Burchard (1000-1025). Er schuf als Baumeister und Stadtgestalter die Grundlagen für die bedeutsame Entwicklung in salischer und staufischer Zeit.

Schon 1074, früher als alle anderen deutschen Städte, erhielt die eigenständig agierende Stadt Worms ein bedeutendes Privileg von König Heinrich IV. Von da an stand Worms in sehr engen Kontakten zu den Königen und Kaisern, woraus sich seine spätere Stellung als Reichsstadt, die es bis 1798 blieb, erklärt. Hohen Anteil an dieser Entwicklung (vor allem der Dombau bis 1181) hatte die weit ausstrahlende und kontinuierlich siedelnde jüdische Gemeinde.

Die lutherische Reichsstadt

Worms war im Mittelalter Ort zahlreicher Reichstage und wichtiger politischer Entscheidungen. Es war Gründungsmitglied des Rheinischen Städtebundes und eine in hohem Maße geistlich-kirchlich wie auch bürgerlich geprägte Stadt mit um 1500 zirka 6000 bis 7000 Einwohnern.

Der Reichstag von 1521 markiert mit dem Auftreten Martin Luthers den Beginn der Reformation, die in Worms rasch Fuß fassen konnte. Worms erlebte als lutherische Reichsstadt ab 1500 einen allmählichen Niedergang und erlitt 1689 eine katastrophale Stadtzerstörung durch die Franzosen.

Zerstörung und Wiederaufbau

Der Neuanfang war sehr mühevoll. Nach der von 1798 bis 1816 dauernden französischen Herrschaft kam die kleine Landstadt 1816 zu Hessen. Erst durch die überaus bedeutsame Lederindustrie gelangte die Stadt im Laufe des 19. Jahrhunderts wieder zu einer Blüte (um 1900: 50.000 Einwohner), die sich auch an vielen Bauten ablesen lässt.

Verheerend war die Zerstörung der Stadt noch Anfang 1945, nach der ein neuer Aufbau im neuen Bundesland Rheinland-Pfalz gesucht werden musste.

Worms, das alle Höhen und Tiefen einer Stadt erlebt hat, zählt heute mehr als 80.000 Einwohner und weist trotz aller Zerstörungen eine große Fülle historisch bedeutender Baudenkmäler auf.

Sie möchten noch tiefer in die Geschichte der Stadt Worms eintauchen? Das Stadtarchiv Worms - das "Gedächtnis unserer Stadt - bietet Ihnen umfangreiche Recherche-Möglichkeiten:

www.stadtarchiv-worms.de

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