14.09.2021 / SchUM

Was sind schon 1000 Jahre?

Film zum UNESCO-Welterbe "SchUM-Stätten": Ben Salomo, israelischer Rapper und Aktivist, auf Spurensuche in Speyer, Worms und Mainz.

Dr. Susanne Urban und Ben Salomo (auf der Bank sitzend) beim Dreh einer Szene zum Film "Was sind schon 1000 Jahre? Von Kalonymos zu Kalmanovich" über das UNESCO-Welterbe "SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz".
Dr. Susanne Urban und Ben Salomo (auf der Bank sitzend) beim Dreh einer Szene zum Film "Was sind schon 1000 Jahre? Von Kalonymos zu Kalmanovich" über das UNESCO-Welterbe "SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz".
© Fotograf: conceptdesign

"Ich bin unendlich dankbar für diese Reise."

Jonathan Kalmanovich ist der Geburtsname des Rappers und Aktivisten Ben Salomo. In Israel geboren, als Kind nach Deutschland gekommen, bezeichnet er sich selbst als „Israeli mit Integrationshintergrund“. 

Seit er nach den Ursprüngen seiner Familie geforscht hat, weiß er: sein Nachname geht auf den Namen Kalonymos zurück. Mitglieder dieser jüdischen Gelehrtendynastie wanderten im 10. Jh. vom italienischen Lucca nach Mainz aus und gründeten die dortige jüdische Gemeinde. Ohne Mitglieder der Familie Kalonymos wären die jüdischen Gemeinden in SchUM – in Speyer, Worms und Mainz – in der jüdischen Welt nicht derart berühmt geworden. Viele dieser Kalonymiden waren Rabbiner, Gelehrte und Poeten. Sie beteten, lebten und diskutierten in den seit Ende Juli 2021 als UNESCO-Welterbe eingeschriebenen SchUM-Stätten. 

Jonathan Kalmanovich – Ben Salomo – machte sich im August 2021 auf die Suche nach diesen Wurzeln und besuchte die SchUM-Stätten. Er sprach über das Leben als Jude in Deutschland, über Antisemitismus, über seine Befürchtungen und seine Hoffnungen. Auf seiner Reise begleiteten ihn Dr. Susanne Urban (Historikerin) und Dr. Peter Waldmann (Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Mainz; Literatur-/Kulturwissenschaftler). 

Jonathan Kalmanovich ist noch immer berührt von dieser Reise: „Für mich waren die Dreharbeiten an diesem Film sehr intim und unfassbar lehrreich. Bis heute arbeiten die Eindrücke in mir weiter. Wie das einzusetzende ( א aleph) in der Brust des Golem von Worms, ist SchUM buchstäblich ein Teil von mir geworden. Ich hoffe, dass meine Kinder und Enkelkinder eines Tages diesen Film sehen werden, um sich in ihrer eigenen Gegenwart besser verorten zu können. Ich bin unendlich dankbar für diese Reise.“ 

Susanne Urban ist froh über diese Begegnung: „Die jüdischen Monumente und Friedhöfe der SchUM-Stätten sind UNESCO-Weltkulturerbe. Sie sind ein besonders tiefer Resonanzraum für die jüdische Welt. Jonathan Kalmanovich hat hier Wurzeln gesucht und die vielen Zeitschichten – von der Blüte bis zur Zerstörung – entdeckt. Sein Blick hat meine Perspektive erweitert. Unsere Gespräche haben mich bewegt und bereichert und machen auch deutlich: Sonntagsreden allein richten gegen Antisemitismus kaum etwas aus.“ 

Dr. Peter Waldmannvon der Jüdischen Gemeinde Mainz war beeindruckt von der Wurzelsuche Jonathan Kalmanovichs: „Das Bemerkenswerte an der Begegnung zwischen Susanne Urban und dem Musiker Kalmanovich ist, dass die Gespräche die eigentliche, aber leider oftmals verborgene Bedeutung der SchUM Gemeinden für das gegenwärtige Judentum zeigen. Eine Tradition, so die gewichtige Lektion der Rabbiner aus den SchUM-Gemeinden, darf niemals als abgeschlossen betrachtet werden. Musealisierung ist der Tod jeglicher Kultur. Denn eine noch so große Tradition vermag nur dann lebendig zu bleiben, wenn sie immer neu diskutiert und für die Jetzt-Zeit transformiert wird. So ist die spirituelle Heimkehr von Kalmanovich zum Ursprung des aschkenasischen Judentums ein eindrückliches Symbol dafür, die Gegenwart immer wieder neu mit der Vergangenheit kreativ zu verbinden.“

Service:

Zu sehen ist der Film auf dem YouTube-Kanal des SchUM-Städte e.V.
Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des SchUM-Vereins.

Ein Film des SchUM-Städte e.V. in Zusammenarbeit mit Norbert Kaiser (artmetropol.tv).
Mit freundlicher Unterstützung der BASF AG.

Quelle: SchUM-Städte e.V. (gekürzt)

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